Neuer ING-Chef, alte Ziele
ING
Neuer Chef,
alte Ziele
Von Tobias Fischer
Digitaler, neue Produkte, mehr Kunden: Lars Stoy folgt dem Wachstumspfad seines VorgÀngers.
Eines vorweg: Die ING bleibt sich treu. RevolutionĂ€re VerĂ€nderungen werden unter dem neuen CEO Lars Stoy nicht zu erwarten sein. StĂ€rker digitalisieren will der Vollblut-Retailbanker, den es vor fĂŒnf Wochen von der Deutschen Bank an die Spitze der ING verschlagen hat, neue Produkte anbieten, weitere Kundschaft, vor allem jĂŒngere, hinzugewinnen und bestehende Beziehungen vertiefen. Das Banking soll noch bequemer, schneller und vor allem komplett friktionslos werden. Seine Vision sei digitales Banking, das sich nahtlos in die LebensrealitĂ€t der Kunden einfĂŒge, lieĂ Stoy wissen. Nichts also, woran sich andere HĂ€user nicht auch versuchen wĂŒrden.
Bruch stand nicht zur Debatte
Keinen Zweifel lieĂ er daran, dass ein Bruch mit dem VorgĂ€nger und seiner Agenda nicht zur Debatte steht. âWir werden unseren Weg weiterlaufen. Der war bisher erfolgreich.â Von Nick Jue hat Stoy das zweitbeste Ergebnis der Geschichte des Hauses geerbt. Das Ergebnis fiel zwar mit 2,2 Mrd. Euro vor Steuern um 14% niedriger aus als 2023, doch war dieses wiederum dank historisch niedriger Risikovorsorge und hohen Zinsschubs das beste in der Unternehmenshistorie.
Stoy setzt also weiter auf Wachstum, und das soll vorwiegend auf klassischem Wege erfolgen. Sollten sich OpportunitĂ€ten ergeben, wĂŒrde sich ING ihnen nicht verweigern, so seine Aussage. âPlan A ist aber organisches Wachstum.â
Hindernisse ĂŒberwinden
Auf ihrem Weg in die Zukunft hat die ING jedoch Hindernisse zu ĂŒberwinden. Die Ertragsdiversifizierung, obschon etwas vorangekommen, hat sie voranzutreiben. Der ProvisionsĂŒberschuss stieg zwar im vergangenen Jahr sogar um ein FĂŒnftel, dĂŒmpelt aber im Vergleich zum ĂŒbermĂ€chtigen ZinsĂŒberschuss vor sich hin. Der macht ĂŒber 90% der GesamtertrĂ€ge aus. Der Druck durch agile, mit Macht in den Markt drĂ€ngende Wettbewerber wie Revolut und demnĂ€chst die Digitalbank von J.P. Morgan wĂ€chst. Goldene Zeiten mit hochschieĂenden ZinsĂŒberschĂŒssen und Auflösungen von Risikovorsorge sind einstweilen perdu. Die Kosten steigen im Trend, bedingt durch FachkrĂ€ftemangel und nötige Investitionen, vor allem in Digitalisierung.
An VerĂ€nderungsbereitschaft mangelt es der ING dabei jedenfalls nicht: Dass stete Anpassungen anstehen, Neues ausprobiert und das, was sich nicht bewĂ€hrt, ĂŒber Bord geworfen wird, versteht sich im Hause von selbst. 1965 als Bank fĂŒr Sparanlagen und Vermögensbildung (BSV) gegrĂŒndet, ist die ING zwar etwas in die Jahre gekommen, aber trotzdem immer noch so etwas wie ein Retail-Trendsetter. Im hiesigen PrivatkundengeschĂ€ft setzt sie weiterhin MaĂstĂ€be.