KommentarPrivate Equity

Finanzinvestor EQT bildet Machtblock gegen das Finanzamt

Finanzinvestoren wie EQT umgehen das Fremdbesitzverbot. Sie bauen große Steuerkanzleien mit ihrem Kapital auf, die Machtblöcke im Kampf der Steuerpflichtigen gegen das Finanzamt darstellen.

Finanzinvestor EQT bildet Machtblock gegen das Finanzamt

EQT

Private Equity gegen Finanzamt

Von Christoph Ruhkamp

Mit dem Einstieg von EQT als Ankerinvestor bei der Steuerberatungskanzlei WTS schwächt der Finanzinvestor das „Fremdbesitzverbot“. Ähnlich hat es bereits KKR mit der Fremdfinanzierung für die noch viel größere Steuerberatungskanzlei ETL AG aus Essen vorgemacht sowie die Schweizer Partners Group mit ihrer Steuerberatergruppe Afileon.

Steuerberatung als Geschäft

Steuerberatung ist für Private Equity nur ein lukratives Geschäft. Eigentlich untersagt das Fremdbesitzverbot in Deutschland reinen Finanzinvestoren die direkte und mehrheitliche Beteiligung an Anwalts-, Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Es gibt jedoch Wege, gegen den Geist dieser Regel zu verstoßen und dabei den Buchstaben des Gesetzes einzuhalten. Dabei gibt es das Fremdbesitzverbot mit gutem Grund. Steuerberater sind, gleichrangig mit Rechtsanwälten, Teil der Rechtspflege, in diesem Fall des Steuerrechts. Das Berufsbild ist ausgerichtet auf den Vorrang der persönlichen berufsspezifischen Leistung vor den wirtschaftlichen Aspekten der Tätigkeit.

Das ist mit Private Equity als Eigentümer nicht mehr gewährleistet. Vielmehr steht dann der Renditedruck im Vordergrund. Die Finanzinvestoren sind mit ihren billionenschweren Portfolios schon jetzt in ihren Private-Debt-Abteilungen auch riesige, weitgehend unregulierte Kreditgeber. Jetzt bauen sie mit ihrem Kapital große Steuerkanzleien auf, die Machtblöcke im Kampf der Steuerpflichtigen gegen das Finanzamt darstellen. Mit dem Kapital der neuen Eigentümer gut ausgestattet, können die Steuerberater auch stärker in künstliche Intelligenz investieren.

Machtgefälle zu Finanzämtern

Das Machtgefälle zu den schwach ausgestatteten Finanzämtern wird damit noch größer. Der Cum-ex-Skandal hat gezeigt, wie schlimm die Auswirkungen skrupelloser Steuervermeidung und schwacher Steuerbehörden sein können. Als Bürger kann einem das nur angst und bange machen. Als Nächstes werden wohl die Wirtschaftsprüfer zum Ziel für Aufkäufe durch Private Equity werden und dann noch die Rechtsanwaltskanzleien. Von Gewaltenteilung und Machtbalance kann dann bald keine Rede mehr sein.