Kollateralschäden beim Angriff auf die Werkbank
US-Zölle
Kollateralschäden an der Werkbank
Von Heidi Rohde
Trumps Zollorgie trifft am heftigsten die Länder, die als Werkbank der Welt gelten – und die Unternehmen, die dort fertigen. Kollateralschäden entstehen nicht nur am Aktienmarkt.
Nach der globalen Zollattacke der US-Regierung stellt sich heraus, dass Adidas und Apple mehr gemeinsam haben als den Anfangsbuchstaben. Sowohl der Sportartikelhersteller als auch der iPhone-Konzern stehen stellvertretend für das seit Jahrzehnten etablierte Geschäftsmodell ihrer Branchen, das sich größtenteils auf eine kostengünstige Auftragsfertigung in jenen Ländern stützt, die insgesamt und besonders bei Textilien, Schuhen und Elektronik als Werkbank der Welt gelten. Bei Apple liegt die komplette Produktion ihres Flaggschiffprodukts in den Händen des chinesischen Foxconn-Konzerns. Der an der Börse ohnehin angezählte Shootingstar Nvidia stützt sich primär auf seinen taiwanesischen Auftragsfertiger TSMC. Adidas lässt in China zwar „nur“ 16% produzieren, ist aber mit hohen Kapazitäten in Vietnam und Indonesien betroffen. Dafür hat US-Wettbewerber Nike in den drei Ländern fast 100% seiner Produktion angesiedelt.
Keine Chance
Der finanzielle Schaden in beiden Branchen ist so unmittelbar greifbar, dass die Aktien der Unternehmen wenig überraschend ad hoc große Verluste verzeichnen. Schließlich liegt auf der Hand, dass weder Tech- noch Textilhersteller – selbst längerfristig – die Möglichkeit haben, den Handelshemmnissen durch eine Rückverlagerung der Produktion in die USA zu begegnen. Dasselbe gilt für Einzelhändler, die die US-Verbraucher bisher mit weiteren kostengünstigen Konsumgütern versorgen, die in Asien produziert werden.
Sollten die Zölle von Bestand sein, kündigt sich angesichts der betroffenen US-Schwergewichte zunächst vor allem eine Korrektur an den US-Börsen an. Die kann aber schnell globale Kreise ziehen, wenn die US-Binnennachfrage wegen Preissteigerungen auf breiter Front einbricht und auch die Investitionsbereitschaft leidet. Im Dax zeigen sich die Anleger daher vor allem bei Unternehmen (und Banken) mit starkem US-Geschäft wie SAP, Siemens oder Deutscher Bank skeptisch.
Kollateralschäden drohen indes längst nicht nur an den Aktienmärkten. Die Rally des S&P 500 und des Nasdaq in den vergangenen Jahren wurde von enormen internationalen Mittelzuflüssen getragen; die Flucht der Anleger aus schweren US-Börsenwerten drückt daher auch den Dollarkurs in einem Maße, dass aus dessen Schwäche eine Krise zu werden droht.