Nachfolge von Martin Jetter

Deutsche Börse will Jean-Pierre Mustier in den Aufsichtsrat holen

Die Deutsche Börse schlägt den früheren Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier auf ihrer Hauptversammlung als neues Mitglied ihres Aufsichtsrates vor.

Deutsche Börse will Jean-Pierre Mustier in den Aufsichtsrat holen

Deutsche Börse will Mustier in den Aufsichtsrat holen

wü Paris

Er gilt als einer der bekanntesten Banker Europas. Immer wieder ist Jean-Pierre Mustier als möglicher Kandidat für Spitzenposten der Branche gehandelt worden, von der früheren Credit Suisse über HSBC bis Société Générale und UBS. Jetzt schickt sich der frühere Unicredit-Chef an, in den Aufsichtsrat der Deutschen Börse einzuziehen. Dort soll der 64-Jährige, so die Empfehlung des Kontrollgremiums, Martin Jetter ersetzen, der sein Amt niederlegt und mit der Hauptversammlung am 14. Mai in Frankfurt ausscheidet.

Für den ursprünglich aus Clermont-Ferrand in der Auvergne stammenden Manager ist es nicht die erste Aufgabe in Deutschland. Immerhin hat ihn der börsennotierte Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank bereits 2023 als Vorsitzenden seines Aufsichtsrates geholt. Zuletzt hat Mustier, der sich als Sanierer von Unicredit einen Namen gemacht hat, die finanzielle Restrukturierung des angeschlagenen französischen IT-Dienstleisters Atos auf den Weg gebracht, zunächst als Chef des Verwaltungsrates, dann kurzzeitig auch als Generaldirektor im letzten Jahr.

Besessen von Compliance-Themen

Begonnen hat der Absolvent der Kaderschmiede École Polytechnique und der École des Mines seine Karriere einst bei Société Générale. Für die drittgrößte börsennotierte Bank nach BNP Paribas und Crédit Agricole war der asketisch wirkende Manager in Paris, Philadelphia, Hongkong, Tokio und London tätig, zuletzt als stellvertretender Generaldirektor und Chef der Corporate- und Investment-Banking-Sparte.

Vermutlich wäre der Hobbysegler bei Société Générale geblieben, wenn er nicht über den Kerviel-Skandal gestolpert wäre. Nachdem der Trader Jérôme Kerviel der Bank mit seinen betrügerischen Geschäften 2008 einen Verlust von 4,9 Mrd. Euro eingebrockt hatte, trat er zurück. Für Mustier, den „Les Echos“ wegen seiner Kopfrechenkünste einst als „Superrechner“ betitelte, sei der Skandal das einschneidendste Erlebnis seiner Karriere gewesen, meinen Branchenkenner. Seitdem sei er besessen von Compliance-Themen.

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