Nach Verwirrung um DOGE-Rückzug

Musk verspielt Kredit bei Investoren und Republikanern

Elon Musk hat Berichte dementiert, denen zufolge er bald aus der Trump-Administration ausscheiden soll. Doch der Unmut der Republikaner über den Milliardär wächst.

Musk verspielt Kredit bei Investoren und Republikanern

Musk nach Verwirrung um DOGE-Rückzug unter Druck

Von Alex Wehnert, New York

Elon Musks Ausflug nach Washington droht im Regen zu enden. Zwar haben sowohl der streitbare Milliardär als auch das Weiße Haus Berichte über einen baldigen Rückzug des Tesla-Chefs aus der Administration von Präsident Donald Trump dementiert, die zur Wochenmitte kursierten: Als „Fake News“ bezeichnete Musk die vom Magazin „Politico“ und dem Sender „NBC“ verbreitete Nachricht, dass für ihn nach einem 130-tägigen Gastspiel als Sondermitarbeiter der Regierung an der Spitze der neu geschaffenen Effizienzkommission DOGE Schluss sei und Trump sein Kabinett schon darüber informiert habe. Doch hat der reichste Mensch der Welt in den vergangenen Wochen sowohl bei seinen ohnehin verstimmten Investoren als auch innerhalb der republikanischen Partei viel Kredit verspielt.

Größter Spender

Dabei löst insbesondere der jüngste Fehlschlag bei der Wahl zum Obersten Gerichtshof des Bundesstaats Wisconsin Unmut aus. Die liberale Richterin Susan Crawford setzte sich dabei gegen ihren konservativen Konkurrenten Brad Schimel durch. Musk erklärte die Postenbesetzung im Vorfeld zur Entscheidung über „die Zukunft der Zivilisation“, er und mit ihm verbündete Gruppen gaben mehr als 23 Mill. Dollar für Schimels Wahlkampf aus. Auf demokratischer Seite wandte der größte Spender George Soros lediglich 2 Mill. Dollar auf. Doch republikanische Kommentatoren um den ehemaligen Trump-Berater Steve Bannon schimpfen, dass Musks Kampagne kontraproduktiv gewesen sei.

Schließlich haben 58% der Wähler in Wisconsin laut einer im Februar veröffentlichten Umfrage der Universität Marquette ein negatives Bild von dem Milliardär, unter Demokraten sind es sogar 97%. Politbeobachter machen seine kontroversen Auftritte dafür verantwortlich, dass gegenüber dem jüngsten Urnengang für das State Supreme Court im Jahr 2023 über 500.000 mehr Wähler ihre Stimmen abgaben. Im umkämpften Brown County, in dem Trump bei den Präsidentschaftswahlen im November den Sieg davontrug und in dem Musk noch am Sonntag auftrat, setzte sich diesmal die liberale Crawford durch.

Partei in der Zwickmühle

Die Republikaner stecken damit in einer Zwickmühle. Denn einerseits ist sein Vermögen eine wichtige Ressource für die Partei – im Präsidentschafts- und Kongresswahlkampf des vergangenen Jahres gab er nahezu 300 Mill. Dollar für konservative Kandidaten aus. Bei Trumps „Make America Great Again“-Basis ist der gebürtige Südafrikaner entsprechend beliebt. Doch bei einem breiten US-Publikum haben Musks Aktivitäten als Leiter des DOGE, das sich derzeit bei zahlreichen Regierungsbehörden einmischt, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. 

Öffentlicher Widerstand: Proteste gegen Musk vor einem Tesla-Showroom im südlichen Manhattan. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Gina M Randazzo)

Verfassungsrechtler und demokratische Senatoren wie Elizabeth Warren (Massachusetts) mahnen, dass das politische Engagement des Milliardärs mit massiven Interessenskonflikten behaftet sei und er seine Stellung zum Vorteil seiner Unternehmen ausnutze. So habe er Einblicke in die Zahlungsinfrastruktur der Federal Reserve erhalten und könne diese zum Aufbau eines Payment-Features für seinen Kurznachrichtendienst X verwenden, an dem er angeblich feilt.

Auch setzten Musks Anwälte zuletzt wohl das Werbekonglomerat Interpublic Group unter Druck. Der Agenturverbund versteht die Drohungen so: Entweder er rege seine Klienten, von denen viele sich nach einer Antisemitismus-Kontroverse um und öffentlichen Beleidigungen durch Musk von X zurückgezogen hatten, zu einem lockereren Ausgabeverhalten auf der Plattform an – oder Trump könne einen angekündigten, milliardenschweren Merger mit der Konkurrentin Omnicom Group torpedieren.

Gereizte Tesla-Kunden

Investoren von Musks Unternehmen fordern indes, dass der 53-Jährige sich stärker auf fundamentale Verbesserungen bei seinen Unternehmen konzentriert. Gerade Tesla ist zum Sorgenkind in Musks Geschäftsimperium geworden. Der Absatz des E-Autobauers sackte im ersten Quartal um 13% auf 336.000 Fahrzeuge ab, obwohl Musk für das laufende Jahr erneut ein umfangreiches Wachstum der Auslieferungen in Aussicht stellte. Analysten werten die Entwicklung als Zeichen dafür, dass Kunden gereizt auf die politischen Eskapaden des Milliardärs reagieren. Nach den Berichten über einen Rückzug Musks von der DOGE-Spitze legte die Tesla-Aktie am Mittwoch zunächst kräftig zu – am Donnerstag wich der Aufschwung aber schnell wieder Ernüchterung.