Überstürzter Abschied des Sanierers

Unilever-CEO Schumacher geht überraschend

Der Unilever-Chefsessel wird zum heißen Stuhl: Hein Schumacher wird ihn räumen. Anfang März übernimmt CFO Fernando Fernandez die Führung.

Unilever-CEO Schumacher geht überraschend

Unilever-CEO Schumacher geht überraschend

hip London

Unilever hat überraschend mitgeteilt, dass CEO Hein Schumacher sein Amt zum 1. März niederlegen wird. Finanzchef Fernando Fernandez werde den Chefsessel übernehmen. Wie der Pflichtveröffentlichung des Konsumgüterherstellers zu entnehmen ist, soll der Firmenveteran den von Schumacher aufgelegten Wachstumsplan „mit Dringlichkeit“ weiterverfolgen.

Mancherorts wurde spekuliert, der Unilever-Chef, der erst seit Juli 2023 an der Unternehmensspitze steht, sei entlassen worden. Dafür gibt es jedoch keine Belege. Dass bereits ein Nachfolger präsentiert werden konnte, spricht eher für einen Abgang aus persönlichen Gründen.

Firmenveteran übernimmt das Steuer

Bevor er zum CFO aufstieg, stand Fernandez an der Spitze der Sparte Beauty & Wellbeing. Er fungierte auch schon als Präsident für das Lateinamerikageschäft und als CEO der Landesgesellschaften in Brasilien und auf den Philippinen. Er habe den Board mit seiner „entschiedenen und ergebnisorientierten Herangehensweise und der Fähigkeit, Veränderungen schnell voranzutreiben“, beeindruckt, heißt es in der Mitteilung. In der City ist Fernandez gut bekannt.

Chairman Ian Meakins dankte Schumacher „für die Neuausrichtung der Strategie von Unilever, den Fokus und die Disziplin, die er ins Unternehmen gebracht hat, und die 2024 gelieferten soliden finanziellen Fortschritte“. Sein Vorgänger Alan Jope war für sein missionarisches Auftreten in Sachen Nachhaltigkeit bekannt, geriet aber wegen der schwachen finanziellen Performance unter Druck.

Höhere Margen

Unter Schumachers Führung lieferte Unilever im abgelaufenen Jahr eine um 280 Basispunkte höhere Bruttomarge. Die operative Marge stieg um 170 Basispunkte auf 18,4%. Das war mehr, als Analysten im Schnitt auf der Rechnung hatten. Zudem gliederte er die Eiscreme-Sparte aus, die vor allem durch provokative Polit-PR-Stunts der Gründer von Ben & Jerry's von sich reden machte.

Dass sich der Aktienkurs im Vergleich zu dem des Rivalen Nestlé schwächer entwickelte, dürfte vor allem der Sorge der Anleger um die Endmärkte geschuldet gewesen sein. Die Gruppe, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes in Schwellenländern macht, hat unter anderem in Indonesien und China zu kämpfen.

Gut bekannt mit Nelson Peltz

Schumacher war vor seinem Einstieg bei Unilever Chef des niederländischen Molkereiunternehmens Koninklijke Friedlandcampina, das 2008 aus dem Zusammenschluss von Friesland Foods und Campina hervorging. Bevor er sich dort mit Marken wie Chocomel, Landliebe und Appelsientje befasste, war er mehr als ein Jahrzehnt für den Ketch­up-Produzenten H.J. Heinz tätig, unter anderem als Chief Strategy Officer. Dort hatte er bereits mit dem Shareholder-Aktivisten Nelson Peltz zu tun, der sich später auch bei Unilever einkaufte.

Der Vater dreier Kinder war am Ende in der Volksrepublik China tätig. Von dort aus setzte der Absolvent der Universität Amsterdam das Geschäft von Heinz in der Asien-Pazifik-Region wieder auf die Erfolgsspur.

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