Credit Suisse erhält bis zu 50 Mrd. Notenbank-Franken
Die Credit Suisse Group AG wird von der Schweizerischen Nationalbank mit bis zu 50 Mrd. Franken zusätzlicher Liquidität gestützt. Die Maßnahme soll zusammen mit dem Rückkauf eigener Schuldverschreibungen helfen, den Vertrauensverlust der Märkte wieder umzukehren.
Die in Bedrängnis geratene Bank wird Kredite aus einer Covered-Loan-Fazilität der SNB und aus einer für kurzfristige Liquidität erhalten, wie sie in der Nacht zum Donnerstag mitgeteilt hat. Zudem kauft sie Schuldtitel im Volumen von bis zu 3 Mrd. Franken zurück. Die Offerte betrifft in Dollar und Euro denominierte Papiere.
In so großem Umfang wie nun mussten die Finanzen der Credit Suisse noch nie gestützt werden, Seit der Finanzkrise 2008 gab es noch nie so umfangreiche Hilfsmaßnahmen für eine große Schweizer Bank.
Die Aktien der Bank waren am Mittwoch im Zürcher Handel um bis zu 31% eingebrochen, nachdem der Präsident des Großaktionärs Saudi National Bank weitere Kapitalspritzen für die Credit Suisse ausgeschlossen hatte. Die Anleihen der Bank fielen auf Niveaus, die auf eine tiefe finanzielle Notlage hindeuten. Die Vertrauenskrise in Bezug auf das skandalgeschüttelte Kreditinstitut führte zu einem globalen Ausverkauf von Bankaktien.
“Was sich bei der Credit Suisse abspielt und wie der Markt darauf reagiert, zeigt, wie fragil die Stimmung derzeit ist”, sagte Charu Chanana, ein Stratege bei Saxo Capital Markets.
Im späten US-Handel machte die Credit Suisse einen Teil ihrer Verluste wieder wett. Die Nachricht über die 50-Milliarden-Franken-Fazilität löste auch eine Rallye bei den europäischen Aktienindex-Futures aus. Die asiatischen Finanzwerte blieben trotz der Maßnahmen unter Druck und gaben am Donnerstag bis zu 2% nach.
“Diese Maßnahmen demonstrieren ein entschlossenes Handeln zur Stärkung der Credit Suisse, während wir unsere strategische Transformation fortsetzen”, sagte Bankchef Ulrich Körner in der in der Nacht ausgesandten Erklärung. “Mein Team und ich sind entschlossen, rasch voranzukommen, um eine einfachere und stärker auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtete Bank zu schaffen.”
Anleihenrückkauf
Um das Vertrauen wiederherzustellen plant die Credit Suisse den Rückkauf von zehn vorrangigen Anleihen im Wert von bis zu 2,5 Mrd. Dollar sowie von vier vorrangigen Anleihen im Wert von bis zu 500 Mill. Euro.
Die zweitgrößte Bank der Schweiz, deren Wurzeln bis ins Jahr 1856 zurückreichen, wurde in den letzten Jahren von einer Serie von Pleiten, Pannen, Skandalen und Führungswechseln heimgesucht. Der Verlust von 7,3 Mrd. Franken im letzten Jahr hat die Gewinne des gesamten letzten Jahrzehnts zunichte gemacht.
Management-Kommentare
Bankchef Körner hatte am Dienstag in einem Interview mit Bloomberg noch Geduld gepredigt und die soliden Finanzen der Bank beschworen. Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann sagte auf einer Konferenz am Mittwoch, Staatshilfe sei “kein Thema” für die Credit Suisse und wies Parallelen zur Silicon Valley Bank und anderen kollabierten US-Instituten zurück.
Bloomberg berichtete bereits, dass Eidgenossenschaft, Zentralbank und Finma in Kontakt standen, um Möglichkeiten zur Stabilisierung der Credit Suisse zu erörtern. Zu den Ideen – über die öffentliche Unterstützungsbekundung hinaus – gehörten informierten Kreisen zufolge eine Abtrennung des Schweiz-Geschäfts der Bank oder sogar als entfernte Option eine Zusammenlegung mit dem größeren Lokalrivalen UBS Group AG. Es sei aber den Kreisen zufolge völlig unklar ob irgendwelche dieser Szenarien je umgesetzt würden.