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Investment Banking hat es weiterhin schwer

Auf das Katastrophenjahr 2022 folgte im Investment Banking ein schwieriges erstes Quartal. Während die M&A- und Fremdkapitalmärkte noch weiter zurückgingen, weckt das Eigenkapitalmarktgeschäft Hoffnung.

Investment Banking hat es weiterhin schwer

Börsen-Zeitung,

phh Frankfurt – 2022 war für das Investment Banking ein Jahr zum Vergessen. Die vorläufigen Zahlen des Datenanbieters Refinitiv zeigen, dass das erste Quartal teilweise sogar noch schlechter lief. So ist das weltweite angekündigte M&A-Volumen im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr noch einmal um mehr als die Hälfte auf rund 457 Mrd. Dollar eingebrochen. Einen so niedrigen Wert hat Refinitiv letztmals vor zwanzig Jahren gemessen. Auch im M&A-Markt mit deutscher Beteiligung gab es 42 % weniger Transaktionen als noch vor einem Jahr. Diese waren jedoch größer als zuletzt, weshalb das Dealvolumen lediglich um 12 % auf rund 21,5 Mrd. Euro gesunken ist. Dass es die M&A-Märkte zuletzt schwer hatten, lag auch an den ausgetrockneten Fremdkapitalmärkten (Debt Capital Markets, DCM). Mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs und der im Zuge der Inflation einsetzenden Zinswende herrschte sowohl an den Anleihemärkten als auch bei Leveraged Loans große Verunsicherung. Großen Übernahmen fehlte schlicht die Finanzierungsmöglichkeit, insbesondere wenn es dabei um hoch verschuldete Private-Equity-Übernahmen ging.Investmentbanker zeigten sich zu Jahresbeginn optimistisch, dass die Märkte in diesem Jahr wieder öffnen, wenn die Volatilitäten aus dem vergangenen Jahr zurückgehen und sich Unternehmen an höhere Zinsen gewöhnt haben. Doch die schwelende Bankenkrise hat die Unsicherheit wieder zurückgebracht. So sind die Einnahmen der Banken im deutschen Emissionsgeschäft von Anleihen im ersten Quartal noch einmal um ein Viertel auf rund 107 Mrd. Dollar gesunken. Die Einnahmen bei Anleiheemissionen von Unternehmen mit guten Bonitäten (Investment Grade) sanken um 29 % auf 38 Mrd. Dollar. Die Einnahmen bei Bondemissionen von Unternehmen mit schlechten Bonitäten (High Yield) stieg hingegen um 21 % auf 705 Mill. Dollar. Dieser Markt war vor einem Jahr komplett eingebrochen, von 5,8 Mrd. auf 582 Mill. Euro, und dürfte es auch in diesem Jahr schwer haben. „In einer Phase, in der niemand weiß, wohin sich die Zinsen entwickeln, tun sich Marktteilnehmer schwer, sich auf den richtigen Preis zu einigen, sei es beim Bond beim Börsengang oder der M&A Transaktion“, sagt Armin von Falkenhayn. Für dieses Jahr zeigt sich der Deutschlandchef der Bank of America aber vorsichtig optimistisch. „Der DCM-Markt für Unternehmen mit starken Bonitäten läuft gut. Emittenten mit Investment Grade können wieder Anleihen begeben, auch weil sie sich daran gewöhnt haben, mit höheren Zinssätzen zu leben“, so Falkenhayn. Die Zinsvolatilität aus dem vergangenen Jahr hätte sich zuletzt beruhigt, ebenso die Volatilität an den Aktienmärkten. Daher habe es zum Jahresstart bereits erste IPO-Versuche gegeben. „Verstärkt durch die jüngsten Ereignisse in der Finanzindustrie ist die Volatilität jetzt aber wieder zurück. Große Sprünge in der Zinskurve helfen den Märkten nicht“, sagt Falkenhayn. Hochrisikofinanzierungen und Börsengänge blieben deshalb schwierig. Was jedoch wieder gut funktioniere, seien Kapitalerhöhungen und Bezugsrechtsemissionen, da man dabei mit bekannten Unternehmen an bestehende Investoren herantrete. So verwundert es nicht, dass es im ersten Quartal vor allem die Einnahmen von Banken aus dem Geschäft mit Börsengängen, Kapitalerhöhungen und anderen Eigenkapitalinstrumenten (Equity Capital Markets, ECM) waren, die Hoffnung wecken. Sie haben sich im ersten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum auf 4,6 Mrd. Dollar mehr als verdreifacht.

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