Lieferengpässe belasten Cashflow von VW
Europas größter Autobauer Volkswagen hat laut ersten Eckdaten seinen Gewinn im laufenden Geschäft auch während des Kriegs- und Energiekrisen-Jahres 2022 ausbauen können. Jedoch zeigten sich nach wie vor spürbare Konsequenzen der Versorgungsengpässe bei Rohstoffen sowie der anhaltenden Probleme in etlichen Lieferketten. Umfangreiche Finanzmittel blieben dadurch etwa in den Lagerbeständen der VW-Gruppe oder in bestimmten Betriebsmaterialien gebunden. Der operative Cash-flow fiel deutlich gegenüber dem Vorjahr.
Wie die Wolfsburger am Dienstagabend auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilten, legte das operative Ergebnis vor Sondereffekten von gut 20 Mrd. Euro im Vorjahr auf 22,5 Mrd. Euro zu. Die Steigerung fiel damit deutlich geringer aus als von 2020 auf 2021 – aber die erwartete Umsatzrendite bewege sich im Rahmen der Erwartungen, hieß es. Sie soll bei etwa 8,1% liegen, nach 8,0% 2021.
Den Gewinn unterm Strich nannte die Volkswagen AG noch nicht. Er dürfte mit der Vorlage des vollständigen Geschäftsberichts am 14. März bekanntgegeben werden. Seinen Umsatz konnte das größte deutsche Unternehmen den Angaben zufolge im vorigen Jahr voraussichtlich von 250,2 Mrd. Euro auf 279 Mrd. Euro erhöhen. Eine Ursache dafür dürften auch im Schnitt höhere Preise für die ausgelieferten Fahrzeuge sein – denn die Zahl der Gesamtverkäufe sank beträchtlich.
Die fast schon chronische Mangellage im Einkauf von Mikrochips und weiterer Elektronik hatte bei vielen Herstellern zu Staus in der Produktion zu und langen Wartezeiten für die Kunden geführt – so auch bei VW. In der nach Toyota zweitgrößten Autogruppe gingen die Auslieferungen 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 7% zurück.
Der Konzern wurde 8,26 Millionen Fahrzeuge los. Im bereits nicht einfachen zweiten Corona-Jahr davor waren es noch etwa 8,88 Millionen Stück. Einzige Wachstumsregion war 2022 unterm Strich Asien-Pazifik – wenn man hier den wichtigsten Markt China ausnimmt, wo es insbesondere aufgrund von Covid-Lockdowns um 3,6% abwärtsging.
Allerdings verbesserte sich der Absatz von Elektromodellen erneut. Hier gelang den VW-Konzernmarken gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um gut 26% auf über 572.000 Wagen. Und auch das Gesamtgeschäft stabilisierte sich im Jahresverlauf 2022 wieder.
Der Nettozufluss an freien Barmitteln – der sogenannte Cashflow – verfehlte indes die vom Management angepeilte Marke: Nach rund 8,6 Milliarden Euro im Jahr 2021 standen 2022 schließlich nur etwa 5 Mrd. Euro – Ziel war mindestens das Vorjahresniveau gewesen. Als Gründe nannte VW „die instabile Versorgungssituation und Störungen in den Logistikketten insbesondere zum Jahresende“.
Insgesamt hatte der Konzern Ende Dezember in seinem Kern-Autogeschäft rund 43 Mrd. Euro an liquiden Mitteln. Das war deutlich mehr als die knapp 26,7 Mrd. Euro vor einem Jahr. Das Plus stammt allerdings nahezu ausschließlich aus den Einnahmen des Börsengangs der Tochter Porsche, deren Aktien seit September teilweise gehandelt werden.