Beschäftigung

US-Arbeitsmarkt boomt überraschend

In den USA sind im Januar weit mehr neue Stellen entstanden als Ökonomen vorhergesagt hatten. Doch trotz des Booms bleibt die Gefahr einer Rezession bestehen.

US-Arbeitsmarkt boomt überraschend

Nachdem der US-Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr trotz der stetig steigenden Zinsen und den anhaltenden Sorgen um einen wirtschaftlichen Abschwung überraschend robust geblieben ist, boomen die Beschäftigungszahlen zum Jahresauftakt regelrecht. Wie das Bureau of Labor Statistics (BLS) des Arbeitsministeriums am Freitag berichtete, wurden ohne Berücksichtigung des Agrarsektors im Januar 517.000 Stellen geschaffen und damit weit mehr als die 175.000, mit denen von Reuters befragte Ökonomen gerechnet hatten. Im Dezember waren es noch 223.000 neue Stellen entstanden.

Am Mittwoch hatten Daten des privaten Arbeitsmarktdienstleisters ADP noch auf einen Abschwung hingedeutet. In der Privatwirtschaft waren ohne Berücksichtigung der Landwirtschaft nur 106.000 neue Jobs geschaffen worden. Erwartet hatten Ökonomen etwa 190.000 Neueinstellungen. Im Dezember hatte ADP 253.000 neue Arbeitsplätze gemeldet. Als Hauptursache für die schwachen Zahlen nannte ADP-Chefökonomin Nela Richardson das extreme Wetter im Januar in weiten Teilen des Landes. So gab es unter anderem zwei schwere Winterstürme, die in weiten Teilen des mittleren Westens und an der Ostküste für große Mengen an Schnee und Eis führten, sowie Überschwemmungen in Kalifornien.

Der Zustand des US-Arbeitsmarktes ist ein wichtiger Indikator für die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Sie betrachtet die Lage dort als einen wichtigen Indiz für die wirtschaftliche Entwicklung im Land und als Barometer dafür, ob eine Rezession droht. Die Zentralbank hatte diese Woche zum achten Mal in Folge die Leitzinsen angehoben, dabei aber mit 25 Basispunkten das Tempo weiter gedrosselt. Im Kommuniqué des Offenmarktausschuss (FOMC) verwiesen die Notenbanker abermals darauf, dass der Arbeitsmarkt aus ihrer Sicht nach wie vor robust sei – die ADP-Daten lagen da schon vor.

„In Anbetracht des demografischen Wandels könnte aber das historische Muster durchbrochen werden, wonach eine konjunkturelle Schwäche sich auch in einem entsprechend schwachen Arbeitsmarkt niederschlagen sollte“, meint Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bank. „ Es ist also durchaus denkbar, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession rutscht, ohne deutliche Blessuren am Arbeitsmarkt erleiden zu müssen.“