Baywa schließt Standorte in Deutschland
Baywa schließt Standorte
Vorlage des Geschäftsberichts 2024 verschiebt sich auf den Sommer wegen Sanierung
sck München
Im Rahmen seiner Sanierung schließt der Agrarhandelskonzern Baywa 26 von seinen insgesamt 400 Standorten in Deutschland. Betroffen davon sind Agrar- und Baustoffzentren in Süddeutschland, vor allem in Bayern. Das ist ein Teil des im vorigen Jahr beschlossenen Personalabbaus. So kündigte das Münchner Unternehmen an, bis Ende 2027 bundesweit 1.300 der insgesamt 8.000 Vollzeitarbeitsplätze zu streichen. Davon sollen zwei Fünftel, also über 500, auf die Verwaltung in der Konzernzentrale entfallen.
Von den Standorten in Süddeutschland würde ein Teil der Mitarbeiter an andere Standorte wechseln, ein anderer Teil das Unternehmen „sozialverträglich“ verlassen, heißt es aus dem Konzern.
Veröffentlichung verschiebt sich
Derweil verschiebt sich die Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2024 weiter nach hinten. Wie die Börsen-Zeitung auf Nachfrage erfuhr, legt das Unternehmen seine Bilanz erst im Sommer dieses Jahres vor. Als Grund nannte ein Unternehmenssprecher die jüngsten Entscheidungen in Bezug auf die Restrukturierung des Konzerns. Auf ihrer Internetseite gibt die Baywa noch an, dass die Jahreszahlen voraussichtlich im April veröffentlicht werden.
Vor kurzem vollzog die Baywa eine Kehrtwende bei ihrer Sanierung. Das teilte das Unternehmen Mitte März ad hoc mit. Statt die ebenfalls in Schieflage geratene Tochtergesellschaft für erneuerbare Energien, die Baywa r.e., mehrheitlich an einen Investor zu verkaufen, will das Unternehmen mit neuen Bankkrediten einen zusätzlichen finanziellen Puffer aufbauen, um Baywa r.e. anderweitig nicht mehr voll konsolidieren zu müssen.
Neue Kredithilfen
Der Ende Februar bekannt gegebenen mehrheitlichen Verkauf der Baywa r.e. an den Schweizer Mitgesellschafter Energy Infrastructure Partners (EIP) gab die Baywa AG auf. Stattdessen erhält Baywa r.e. 435 Mill. Euro aus Gesellschafterdarlehen, sonstigen Kreditlinien und Bürgschaften.
Die Münchner Muttergesellschaft soll ihren Mehrheitsanteil von 51% an eine Beteiligungsgesellschaft ausgliedern. Dadurch entkonsolidiert Baywa die Baywa r.e. Die Defizite und die Schulden der Problemtochter muss die Baywa AG dann nicht mehr in ihren eigenen Büchern bilanzieren.
Kapitalerhöhung passé
Der ursprüngliche Plan sah vor, dass EIP ihre Beteiligung von 49% auf 65% aufstockt in Verbindung mit einer Kapitalerhöhung für Baywa r.e. von 150 Mill. Euro. Im Gegenzug hätte die Baywa AG 350 Mill. Euro Gesellschafterdarlehen abschreiben müssen. Das hätte wiederum dazu geführt, dass die Baywa AG ein negatives Eigenkapital ausgewiesen hätte. In der neuen Lösung soll das Eigenkapital nicht ins Minus rutschen.
Baywa r.e. macht einen großen Teil der Finanzschulden des Mutterkonzerns aus. Die Finanzverbindlichkeiten der Baywa-Gruppe betrugen zuletzt 5,4 Mrd. Euro.
„Fortgeschrittene Gespräche“
Die neue Lösung für Baywa r.e. ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. Die zähe Lösungssuche führte dazu, dass der Konzern die Bekanntgabe seiner Jahreszahlen bereits verschob.
Im vergangenen Jahr hatten die Gläubigerbanken und die Haupteigentümer, die Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern, das hochverschuldete Unternehmen mit Finanzspritzen vor der Pleite gerettet. In den ersten neun Monaten 2024 verbuchte der Konzern einen Verlust von 641 Mill. Euro.