BP kündigt „Reset“ an
BP kündigt „grundlegenden Reset“ an
Shell-Rivale zeigt Milliardenverlust im Schlussquartal – Spekulationen über Zukunft des Geschäfts mit erneuerbaren Energien
hip London
BP hat nach einem Milliardenverlust im Schlussquartal einen „grundlegenden Reset“ angekündigt. „Es wird eine neue Richtung für BP sein“, sagte Chief Executive Murray Auchincloss bei der Vorstellung der Geschäftszahlen des vergangenen Jahres. Die neue Strategie soll aber erst auf dem Kapitalmarkttag am 26. Februar vorgestellt werden.
Auchincloss steht angesichts der im Vergleich zum Rivalen Shell schwachen Performance unter erheblichem Handlungsdruck. Ein 1,75 Mrd. Dollar schwerer Aktienrückkauf soll die Anteilseigner bei der Stange halten. Zuletzt wurde in den britischen Medien über einen Einstieg des aktivistischen New Yorker Hedgefonds Elliott Management berichtet.
„Perfekter Sturm“
Die FTSE-100-Gesellschaft wies für das Schlussquartal einen Verlust von 1,9617 (i.V. 2,99) Mrd. Dollar aus. Im vierten Quartal 2023 hatte auf dieser Ebene noch ein Plus von 371 Mill. Dollar gestanden. Das bereinigte Ergebnis ging auf 1,17 (i.V. 2,99) Mrd. Dollar zurück. Analysten hatten im Schnitt 1,26 Mrd. Dollar erwartet.
„Ein perfekter Sturm aus schlechten Nachrichten hat das Quartalsergebnis auf ein Vierjahrestief gedrückt“, kommentierte Derren Nathan, der Leiter des Aktienresearch von Hargreaves Lansdown. BP hätten jahreszeitlich bedingte Schwächen, anhaltende Probleme in den Raffinerien und wartungsbedingte Produktionsausfälle zu schaffen gemacht. Das sei aber vorab kommuniziert worden und sollte deshalb keinen überraschen.
Anleger wünschen sich mehr Disziplin
„Der Fokus verlagert sich auf den Ausblick“, sagte Nathan. Es werde eine geringere Produktion erwartet, zudem rechne man nicht mit Verbesserungen bei den wartungsbedingten Auszeiten der Raffinerien. „Die Anleger sind sehr daran interessiert, mehr finanzielle Disziplin zu sehen, insbesondere mit Blick auf das harte Marktumfeld“, fügte er hinzu. BP will Investitionen und Ausschüttungen an die Aktionäre auf den Prüfstand stellen.
Elliott dürfte Impulse liefern. Der Hedgefonds stieg zuletzt bei der kanadischen Suncor Energy ein. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass es BP mit Shareholder-Aktivisten zu tun hat. Im vergangenen Sommer kam der weniger bekannte Londoner Hedgefonds Bluebell Capital Partners an Bord. Er brachte vor ein paar Jahren bereits Danone-Chef Emmanuel Faber und den Hugo-Boss-CEO Mark Langer zu Fall.
Elliott an Bord
Bluebell forderte den Rücktritt von Chairman Helge Lund und eine neue Strategie. Damit bis nach der Bekanntgabe der Geschäftszahlen zu warten, sei Zeitverschwendung und suggeriere, dass es sich um „Business as Usual“ handele.
Bislang ist nicht klar, was Elliott bezweckt. Möglich wäre die Forderung, das Engagement im wenig rentablen Segment Erneuerbare Energien weiter herunterzufahren und sich, wie die Wettbewerber Equinor und Shell, wieder verstärkt auf fossile Brennstoffe zu konzentrieren. Vor drei Jahren hatte BP noch angekündigt, bis 2030 bis zu 6 Mrd. Dollar jährlich in kohlenstoffarme Energiequellen stecken zu wollen.
Offshore-Windparks ausgelagert
Einen wichtigen Schritt in die andere Richtung hat BP bereits getan. Das Unternehmen wird seine Offshore-Windparks in ein Joint Venture mit der japanischen Jera einbringen. Weitere mögliche Forderungen wären ein Umzug der Notierung an die Wall Street. Am Markt spekuliert man auch seit einiger Zeit über eine mögliche Übernahme durch den Rivalen Shell.