Aktivistische Investoren

Elliott fordert mehr milliardenschwere Aktienrückkäufe von RWE

Der hohe Strompreis hat RWE lange Zeit die Kasse für Milliardeninvestitionen im Ausland gefüllt. Jetzt fordert der aktivistische Investor Elliott, dass der Energiekonzern die jüngst gestrichenen Investitionen per größeren Aktienrückkauf an die Aktionäre geben soll.

Elliott fordert mehr milliardenschwere Aktienrückkäufe von RWE

Elliott fordert mehr Aktienrückkäufe von RWE

Aktivistischer Investor drängt Energiekonzern, die eingesparten Milliardeninvestitionen an die Aktionäre weiterzureichen – Aktie steigt auf Jahreshoch

cru Frankfurt

Der aktivistische Investor Elliott Advisors drängt RWE zu milliardenschweren Aktienrückkäufen. „Wir begrüßen die Entscheidung von RWE, das Investitionsprogramm für die Jahre 2025 bis 2030 um 10 Mrd. Euro bzw. 25% zu kürzen und gleichzeitig strengere Investitionskriterien einzuführen, die Renditeziele zu erhöhen und die Stilllegungsstrategie zu beschleunigen“, teilte der US-Investor, der fast 5% an dem Energiekonzern hält, am Montag in London mit. „Diese Maßnahmen sind ein wichtiger erster Schritt zu einer disziplinierteren Kapitalallokation.“ Elliott teile „jedoch die Enttäuschung des Marktes über den Mangel an Klarheit hinsichtlich der Verpflichtung des Unternehmens zur Steigerung der Aktionärsrenditen“. In Anbetracht der angekündigten Investitionskürzungen und der anhaltenden Unterbewertung von RWE sei Elliott der Meinung, dass es jetzt eine zwingende Gelegenheit gebe, das laufende Aktienrückkaufprogramm deutlich zu erhöhen und zu beschleunigen: „Wir freuen uns darauf, unseren konstruktiven Dialog fortzusetzen.“

Im November 2024 eingestiegen

Elliott verwaltet ein Vermögen von rund 72,7 Mrd. Dollar. Im November 2024, als Elliott bei RWE eingestiegen war, trat der Investor für strategische Veränderungen bei RWE ein, leugnete aber jede direkte Auseinandersetzung mit dem Management. Zuvor, im Jahr 2024, hatten andere Aktivisten, darunter Selwood, die Anleihen an RWE hielten, auf eine Klärung des Aktienrückkaufprogramms gedrungen. Wenige Tage nach dem Elliott-Einstieg im November hatte RWE ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 1,6 Mrd. Dollar angekündigt. Im Hintergrund dürfte dazu auch der Hedgefonds Covalis von Zach Mecelis beigetragen haben, der eine größere RWE-Position hält.

Enkraft mit im Boot

Ebenfalls beteiligt ist der kleinere deutsche Aktivist Enkraft aus München. „Es ist kein Geheimnis, dass wertorientierte Aktionäre seit langem sehr unzufrieden mit RWEs mangelndem Fokus auf Risiko und Rendite von Investitionen sind“, sagt Benedikt Kormaier, Geschäftsführer von Enkraft Capital. „Die mangelnde Bereitschaft des RWE-Managements, eine wertsteigernde Strategie zu entwickeln und umzusetzen, wird dem Unternehmen nun zum Verhängnis.“ Der Druck auf das Management werde nun zunehmen.

Aktie auf Jahreshoch

Der Kurs der RWE-Aktie reagierte am Montag mit einem Plus von zeitweise 2,5% auf das Jahreshoch von 32,92 Euro. Damit hat sich der Börsenwert des Konzerns seit April 2017 verdoppelt auf 24,5 Mrd. Euro. Größter Anteilseigner ist Qatar mit 9%. Analyst Javier Garrido von J.P. Morgan glaubt, dass die jüngste Kursschwäche der Aktie auf mangelnde Klarheit hinsichtlich des Zeitpunkts und des Umfangs der Rückkäufe zurückzuführen war. Laut Garrido könnte Elliott dazu drängen, sich früher als Anfang 2026 zu diesem Thema zu äußern. Neben RWE hält Elliott in Deutschland auch Beteiligungen an Deutsche Wohnen, Hella, Vantage Towers und Synlab. Unter den aktivistischen Investoren liegt Elliott indes bei der Rendite mit jährlich 8,7% relativ weit abgeschlagen hinter dem Konkurrenten Cevian.

Management im Visier

Um RWE wieder auf Erfolgskurs zu bringen, braucht es nach Ansicht der größeren Anteilseigner mehr als nur die Steigerung der Kapitalrendite für die Aktionäre. „Die fehlende Shareholder- und Value-Orientierung des Vorstands bringt RWE in eine schwierige und verletzliche Lage“, kritisiert Enkraft-Chef Kormaier. „Dem Unternehmen fehlt eine klare, wertorientierte Strategie, die sich auf seine Kernkompetenzen, die europäische Stromerzeugung, konzentriert.“ RWE sei ein Paradebeispiel dafür, wie deutsche Unternehmen durch Unentschlossenheit an Stärke verlieren. „Dem Managementteam von Markus Krebber fehlt es an Glaubwürdigkeit, eine wertsteigernde Strategie umzusetzen“, sagt Kormaier. Krebbers Vertrag läuft in einem Jahr aus, und es wird erwartet, dass er unter dem kommenden Aufsichtsratschef und Ex-Post-Manager Frank Appel verlängert wird.

Der hohe Strompreis hat RWE lange Zeit die Kasse für neue, aber kaum lukrative Windräder und Solarparks im Ausland gefüllt. Jetzt fordert der aktivistische Investor Elliott, dass der Energiekonzern die in den USA eingesparten Milliardeninvestitionen per größeren Aktienrückkauf an die Aktionäre weiterreicht.

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