Bilanzvorlage

Telekom setzt ungehemmt auf die US-Tochter

Die wachstumsstarke US-Tochter der Telekom muss 2025 erstmals Steuern zahlen, das bremst den Cashflow-Anstieg des Konzerns. Ein Rückkauf eigener Aktien bleibt auf der Agenda.

Telekom setzt ungehemmt auf die US-Tochter

Telekom setzt ungehemmt auf die US-Tochter

Steueraufwand bremst Cashflow-Zuwachs 2025 - Höttges priorisiert Rückkauf eigener Aktien vor Investitionen in Europa - T-Aktie gibt nach

hei Bonn

Die Deutsche Telekom bleibt nach dem Regierungwechsel in den USA unbesorgt bei einem klaren Fokus auf den Ausbau des US-Geschäfts, wo T-Mobile US sich stärker als bisher der Strategie der Mutter im Heimatmarkt annähern und auf Infrastrukturausbau als Wettbewerbsvorteil setzen soll. Konzernchef Tim Höttges, dessen Vertrag kürzlich bis 2028 verlängert wurde, zeigte sich auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Bonn „daher sehr froh“, dass der bisherige Deutschlandchef Srini Gopalan „ein Angebot“ der US-Tochter erhalten habe. Seine Aufgabe dort solle es sein, künftig noch stärker die Vorteile eines global skalierenden Geschäftsmodells im Konzern auszuschöpfen. Zugleich betonte Höttges, dem Aufsichtsrat sei es vor dem Hintergrund der anstehenden Herausforderungen in einem veränderten wirtschaftlichen Umfeld um „Stabilität und Kontinuität“ an der Telekom-Spitze gegangen und er habe „diesem Wunsch gerne entsprochen“.

Der Telekom-Vorstand geht davon aus, dass der politische Wechsel in den USA sich für den Konzern eher positiv bemerkbar macht. Unter anderem hofft Höttges, dass die Kartellwächter unter der Trump-Administration die in der Warteschleife steckenden Übernahmen, die T-Mobile US anstrebt, um den Glasfaserausbau voranzubringen, schneller billigt. Folgen einer „America fist-Strategie“ fürchtet die Telekom laut Finanzvorstand Christian Illek nicht, denn „T-Mobile US ist ein amerikanisches Unternehmen, das in den USA investiert und Arbeitsplätze schafft“. Die Telekom hat ihren Anteil an der Tochter aktuell auf 51,5% ausgebaut, weil sie am jüngsten Aktienrückkaufprogramm nicht teilgenommen hat. Illek wertet auch positiv, dass unter Trump „jedenfalls nicht von Steuererhöhungen“ ausgegangen werden müsse.

Gewinnmitnahmen belasten

Denn T-Mobile US muss im laufenden Jahr erstmals seit langem wieder Steuern zahlen. Dies bremst neben erhöhten Investitionen im dortigen Markt die Dynamik des Free Cashflow, der im vergangenen Jahr um knapp 19% auf 19,2 Mrd. Euro angeschwollen war. Für 2025 ist ein deutlich geringeres Plus von 4% auf 19,9 Mrd. Euro avisiert. Bei der T-Aktie, die seit Mitte 2024 einen Rekordlauf hatte und den Dax hinter sich ließ, nahmen Anleger Gewinne mit. Das Papier gab in der Spitze um 5% nach, grenzte die Verluste im Verlauf - nach einer Reihe von Kaufempfehlungen - aber ein.

Das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen und nach Leasingkosten (Ber. EbitdaAL),das die Telekom im abgelaufenen Jahr um 6,2% auf 43 Mrd. Euro gesteigert hat, soll 2025 nun bei 44,9 Mrd. Euro landen, was ein geringeres Wachstumstempo von 4,5% impliziert. Das bereinigte Ergebnis je Aktie, das Maßstab für die Dividende ist, soll auf 2 Euro von 1,90 Euro um 9% zulegen. Mit dem Gewinnanstieg hatte die Telekom die Erwartungen der Analysten im Mittel übertroffen, die bei 1,85 Euro gelegen hatten. Der Bonner Riese will eine Dividende von 0,90 Euro zahlen, zusätzlich zum Aktienrückkauf von 2 Mrd. Euro. Damit belaufe sich der Total Shareholder Return auf 38%, unterstrich der Vorstand.

Höttges beklagte unterdessen, dass Europa in der Technologieentwicklung und bei den Weichenstellungen für den Ausbau einer digitalen Infrastruktur zurückfalle. Die Telekom sei prinzipiell bereit, in den Ausbau von Data Centern zu investieren. Aktuell hält der langjährige CEO die T-Aktie als solches allerdings für das bessere Investment für den Konzern. Ohne den Anteil von T-Mobile US an der Marktkapitalisierung der Telekom kommen die restlichen Geschäfte aktuell nur auf einen Börsenwert von rund 20 Mrd. Euro. „Damit ist das Multiple für uns an dieser Stelle sogar geringer als das der Wettbewerber jeweils im Ganzen, da bietet sich ein Aktienrückkauf förmlich an“, sagte Höttges der Börsen-Zeitung am Rande der Bilanzpressekonferenz. Illek betonte, die Telekom manage bei der Verwendung ihrer überschüssigen Liquidität „ein Dreieck zwischen Investitionen in den USA, Rückkauf von T-Aktien und „alternativen Verwendungen.“

Das Deutschlandgeschäft der Telekom, das künftig unter neuer Leitung steht, war im „Ranking“, wie Höttges erklärte, im vergangenen Jahr auf Platz vier von vier, mit einem Ergebniszuwachs von 2,6%. Dabei schlugen sich laut Illek erhöhte Personalkosten und ein verschärfter Wettbewerb wieder. Dabei hat im Heimatmarkt vor allem die Entwicklung der Breitbandgeschäfts enttäuscht, wo im vierten Quartal nur 16.000 Neukunden gewonnen wurden. Der Marktanteil lag anstelle des Bestands (40%) bei nur 25%.„Damit sind wir nicht zufrieden“, so der Manager. Den größten Gewinnzuwachs (unter den großen Sparten) erzielte im vergangenen Jahr erneut die USA, mit einem Plus von 7,4%. Höttges unterstrich derweil die positive Entwicklung bei T-Systems.

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