HSBC-Chef setzt die Axt weit oben an
HSBC-Chef setzt die Axt weit oben an
CEO Elhedery will rund 8 Prozent beim Personal einsparen, vor allem in den Führungsetagen – Schlussquartal und Ausblick übertreffen Markterwartungen
hip London
Die HSBC hat trotz überraschend hoher Wertberichtigungen die Markterwartungen übertroffen. CEO Georges Elhedery will nun die Personalkosten um 8% drücken. Der Fokus liegt künftig auf den Heimatmärkten Hongkong und Großbritannien sowie auf dem Wealth-Geschäft.
HSBC-Chef Georges Elhedery will die Personalkosten um rund 8% drücken, nachdem das Institut einen Rekordgewinn eingefahren hat. Man „eliminiere“ große Teile der komplexen Matrix-Governance-Struktur der Bank, sagte er in einer Telefonkonferenz mit Journalisten nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen des vergangenen Jahres.
Bis Ende kommenden Jahres werde das mit Kosten von 1,8 Mrd. Dollar verbunden sein. Dafür winken um 1,5 Mrd. Dollar niedrigere jährliche Kosten. Die Zahl wurde bereits in der vergangenen Woche in Medienberichten unter Berufung auf Unternehmenskreise genannt.

Kehraus in den Führungsetagen
Die Mitarbeiterzahl werde um weniger als 8% sinken, sagte der HSBC-Chef, der sein Amt im September 2024 antrat. Die Betroffenen sind also vor allem gut bezahlte Führungskräfte. Genauer wollte er nicht werden. Die Mitarbeiterzahl sei keine Zielgröße bei der Planung.
Elhedery wollte die Stellenstreichungen auch nicht regional aufschlüsseln. Der Großteil werde aber wohl auf die Zentrale in London entfallen, sagte er. Das Institut geht nicht davon aus, dass die Maßnahmen wesentliche Auswirkungen auf die Erträge haben werden. Das kann man als Hinweis darauf werten, in welchem Maße es Dopplungen in der Matrix gegeben hat.
Fokus auf Heimatmärkte
Auch William Winters setzte die Axt weit oben an, als er vor einem Jahrzehnt beim Rivalen Standard Chartered den Chefsessel übernahm. Er kehrte nach seinem Amtsantritt nahezu alle Führungskräfte, die unter seinem Vorgänger Peter Sands gedient hatten, aus den Führungsetagen der Bank hinaus.
Im Fokus stehen bei der HSBC künftig die beiden Heimatmärkte Hongkong und Großbritannien sowie das Segment Wealth. Zu den Wachstumsfeldern, in die der HSBC-Chef rund 1,5 Mrd. Dollar umleiten will, gehören unter anderem das Geschäft mit vermögenden Privatkunden (Wealth) in der ehemaligen Kronkolonie und das britische Firmenkundengeschäft.
Hongkong überrundet Schweiz
„Hongkong ist auf dem Weg, der größte Hub weltweit für das grenzüberschreitende Wealth-Geschäft zu werden, noch vor der Schweiz“, sagte Elhedery. Auch Singapur, die Vereinigten Arabischen Emirate und Großbritannien seien wichtige Zentren dafür. Und im Vereinigten Königreich habe man 800.000 Firmenkunden, vor allem Mittelständler, um die sich die Bank stärker kümmern wolle.
Eine Immobilienkrise in Hongkong zeichnet sich aus Sicht des Managements nicht ab. „Wir betrachten unser Hongkonger Immobilien-Portfolio nicht als wesentlichen Treiber unserer Wertberichtigungen, sagte Elhedery. Der Ausblick sei angesichts sinkender Zinsen positiv. Finanzchefin Pam Kaur verwies darauf, dass 56% besichert seien. Die restlichen 46% seien zu 90% Investment Grade. Sie sei „zunehmend optimistisch“.
Corporate Broking fällt weg
Vom Geschäft mit Börsengängen und der Beratung bei Übernahmen und Fusionen in Europa und Amerika verabschiedete sich HSBC bereits. Das beinhalte auch das Corporate Broking in Großbritannien, sagte Elhedery. Man werde sich im Investment Banking auf die Bereiche konzentrieren, in denen man wirklich eine Führungsrolle innehabe.
Das bereinigte Vorsteuerergebnis von 7,3 (i.V. 6,6) Mrd. Dollar für das Schlussquartal lag um 9% bzw. rund 600 Mill. Dollar über den Markterwartungen. Höhere Erträge glichen aus, dass die Wertberichtigungen auf Problemkredite um mehr als ein Viertel über dem Schnitt der Analystenschätzungen lagen.
Zuversichtlicher Ausblick
Das Management gab zudem einen optimistischen Ausblick, der im frühen Londoner Handel positiv aufgenommen wurde. Die Analysten der Bank of America lobten das „selbstbewusste Update“. Der Bankenanalyst Edward Firth von Keefe, Bruyette & Woods sprach von einem „respektablen“ Quartal. Der angekündigte 2 Mrd. Dollar schwere Aktienrückkauf fühle sich etwas schwach an, nachdem zuletzt auf diesem Wege 3 Mrd. Dollar an die Anteilseigner ausgekehrt wurden.
Dafür sei die Dividende von 36 Cent pro Aktie höher als die am Markt erwarteten 34 Cent ausgefallen, vermerkte Firth. Bereits am Vortag war die Aktie auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen.
Retailgeschäft in Bahrain verkauft
Eine Verlegung der Börsennotierung ist für HSBC offenbar kein Thema. Man sei mit dem dualen Listing in London und Hongkong sowie den Hinterlegungsscheinen (ADR) in New York zufrieden, sagte Elhedery. Man habe auch „absolut nicht“ vor, den Firmensitz aus der britischen Metropole weg zu verlegen.
Die Arrondierung des Portfolios geht unterdessen weiter. Zuletzt veräußerte HSBC ihr Retail Banking in Bahrain an die Bank of Bahrain and Kuwait. Ein Verkauf des Geschäfts in Mexiko, über den zuletzt am Markt spekuliert wurde, steht aber offenbar nicht unmittelbar an.
Mexiko wichtiger Markt für HSBC
„Mexiko ist für uns ein wichtiger Markt“, sagte Elhedery. Das Land erhalte hohe ausländische Direktinvestitionen. HSBC sei dort im Retailgeschäft unter den Top 5 und habe damit die nötige Größe.