Im GesprächSebastian Külps, Vanguard

„Es ärgert mich, wie teuer manche Anlagelösungen hierzulande noch sind“

Der Deutschland-Chef von Vanguard über zu hohe Gebühren in der Finanzbranche, Life-Strategy-ETFs, warum die Deutschen falsch sparen sowie eine flexible und effiziente Altersvorsorge.

„Es ärgert mich, wie teuer manche Anlagelösungen hierzulande noch sind“

Im Gespräch: Sebastian Külps

„Wichtig ist, dass Anleger einen fairen Deal bekommen“

Der Deutschland-Chef von Vanguard über zu hohe Gebühren in der Finanzbranche, Life-Strategy-ETFs sowie eine flexible und effiziente Altersvorsorge

Von Werner Rüppel, Frankfurt

Vanguard befindet sich in Deutschland auf ungebremstem Wachstumskurs und hat hierzulande über eine Million Kunden, erklärt Sebastian Külps. Der Assetmanager hat seine Partnerschaften und sein Programm für Berater ausgebaut. In Sachen Altersvorsorge sei der flexible Zugang zum Kapitalmarkt und Wahlfreiheit wichtig.

Vor 50 Jahren, am 1. Mai 1975, hat der amerikanische Assetmanager Vanguard seinen Geschäftsbetrieb aufgenommen. Inzwischen zählt Vanguard mit verwalteten Geldern von mehr als 10 Bill. Dollar und mehr als 50 Millionen Anlegern zu den weltweit größten Vermögensverwaltern. Seit mehreren Jahren ist der US-Assetmanager, der auf ETFs und für den Anleger kostengünstige Fondsprodukte fokussiert ist, auch in Europa und in Deutschland aktiv. „Wir sind in Deutschland weiterhin auf ungebremsten Wachstumskurs“, erklärt Sebastian Külps, Leiter Deutschland und Nordeuropa bei Vanguard, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. „2024 haben wir Rekordmittelzuflüsse erzielt und wir sind auch stark in 2025 gestartet. Wir sind jetzt deutlich bei einem verwalteten Vermögen von über 40 Mrd. Euro und wir zählen inzwischen über eine Million Deutsche, die uns einen Teil ihres Vermögens anvertrauen.“

Gebührensenkungen möglich

Die harte Arbeit des Teams zahle sich jedenfalls aus. „Nachdem wir sieben Jahre auf dem deutschen Markt sind, ist das ein Ergebnis, auf das unser Team stolz sein kann“, sagt Külps.

Viele Jahre war Tim Buckley CEO von Vanguard. Buckley hat sich im vergangenen Jahr nach mehr als 30 Jahren Tätigkeit für Vanguard in den Ruhestand verabschiedet. Seit Mitte 2024 steht nun der frühere Blackrock-Manager Salim Ramji als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des Vermögensverwalters. „Bei Vanguard haben wir einen neuen CEO, der neue Impulse setzt. In den USA haben wir eine große Preissenkung gesehen“, erläutert Külps. „Auch in Europa sind weitere Gebührensenkungen vorstellbar. Wir sind quasi genossenschaftlich aufgestellt. Wenn wir mit wachsendem Volumen Gewinne erwirtschaften, investieren wir diese in den Ausbau unseres Geschäfts und geben sie in Form von Preissenkungen weiter an unsere Kunden.“

Partnerschaften ausgebaut

Die langfristig ausgerichtete Investmentphilosophie von Vanguard werde hierzulande zunehmend verstanden. „In Deutschland sehen wir, dass immer mehr Sparer zu Anlegern werden", sagt Külps. "Wir haben unsere Vertriebspartnerschaften mit Neobanken und Direktbanken weiter ausgebaut. Zugleich haben wir bei unserem Beraterprogramm das Angebot erweitert, gerade in Bezug darauf, wie Berater ihrem Geschäft optimal nachgehen können.“ Eine ganzheitliche Beratung könne aus Themen wie zum Beispiel Steueroptimierung, Vererbung oder Verhaltenscoaching Mehrwert generieren. Wenn ein Berater Portfoliomanager spiele, erziele er damit keinen Mehrwert. Immer mehr Berater hätten Interesse, dass Vanguard das Portfoliomanagement für sie übernehme.

„Wir sind weltweit einer der Marktführer im Multi-Asset-Bereich. Hier haben wir vor drei Jahren auch in Deutschland breit diversifizierte Life-Strategy-Lösungen als ETFs aufgelegt. Diese gibt es in unterschiedlichen Gewichtungen, aus denen der Anleger ein passendes Risiko-Rendite-Profil auswählen kann“, erläutert Külps. „International sind diese ETFs bereits etabliert und in UK und in den USA, wo sie steuerlich im Rahmen der 401K-Sparpläne gefördert werden, sehr beliebt. In Deutschland sind solche Multi-Asset-Produkte vor allem als aktive Fonds am Markt, damit wiesen sie aber deutlich höhere Gebühren als ETFs auf.“

„Wichtig ist für Vanguard, dass Anleger bei uns einen fairen Deal bekommen“, betont Külps. „Aufklärung tut in der Finanzbranche Not. Es ärgert mich, wie teuer manche Anlagelösungen hierzulande noch sind. Das ist natürlich nicht im Interesse der Anleger, gerade für diejenigen, die versuchen für ihr Alter vorzusorgen.“ Alles sei in den vergangenen 25 Jahren teurer geworden, das Investieren aber nicht. Das sei auf das Wachstum der ETFs zurückzuführen. Denn in den vergangenen zehn Jahren sei der Marktanteil von passiven Strategien von 12% auf ungefähr 26% gestiegen.

Wahlfreiheit wichtig

„Bei der Altersvorsorge appellieren wir, dass wir in Deutschland eine Förderung der privaten Altersvorsorge bekommen, die es ermöglicht, Investitionen am Kapitalmarkt zu tätigen. Das ist dringend notwendig", erklärt der Vanguard-Deutschlandchef. "Wichtig ist, dass wir dann eine Wahlfreiheit haben, also kein Zwang zu Garantien oder einer Leibrente, sondern es den Anlegern ermöglichen, flexibel zu agieren, und selbst auszuwählen, welches Produkt letztendlich für sie am besten ist.“

Es gelte, ein deutlich besseres Produkt als Riester zu entwickeln. „Ein nachgelagertes Altersvorsorgedepot würde eine optimale Lösung darstellen", sagt Külps. "Wir sehen ja, dass das in anderen Ländern sehr gut funktioniert. Wichtig sind dabei dann natürlich auch steuerliche Anreize für Anleger.“

Hierzulande werde falsch angelegt, der Anteil von Cash sei zu hoch. „Wir sind in Deutschland Weltmeister im Sparen, aber im Vermögensaufbau hinken wir hinterher", erklärt Külps. "Es wird bei uns sehr viel Rendite liegen gelassen.“

Vanguard sei bereit für ein kostengünstiges Produkt. „Wenn in Deutschland eine Reform der Altersvorsorge kommt, würden wir natürlich schauen, dass wir dazu dann auch die passenden Produkte anbieten. Aber wir würden damit nicht selbst in die Distribution gehen, sondern unsere Produkte über unsere Partner vertreiben.“

ETF-Siegeszug setzt sich fort

ETFs stünden für eine Demokratisierung der Kapitalanlage. „In Europa wird sich der Siegeszug des ETF-Mantels fortsetzen. Wir sehen sowohl bei Institutionellen als auch bei Privatanlegern eine stetig steigende Nachfrage“, sagt Külps. „Wir kommen von einem Push-Effekt zu einem Pull-Effekt. Mehr Aufklärung, zusätzliche Informationen und die Digitalisierung führen dazu, dass Anleger ETFs von selbst nachfragen.“ Der Vanguard-Deutschlandchef ist daher überzeugt: „Effiziente Anlageprodukte werden sich durchsetzen.“

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