Preisdruck

Noch keine Entspannung bei der Dienstleistungsinflation

Preise für Dienstleistungen gehören aktuell zu den Treibern der Inflation. Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht.

Noch keine Entspannung bei der Dienstleistungsinflation

Noch keine Entspannung
bei der Dienstleistungsinflation

Erzeugerpreise für Services legen stärker zu

mpi Frankfurt

Der Inflationsdruck im Dienstleistungssektor ist hoch. Die Erzeugerpreise in Deutschland für diesen Bereich legten im Schlussquartal 2024 stärker zu als in den vorangegangenen Monaten, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom Freitag hervorgeht. Gegenüber dem Vorjahresquartal zogen die Preise im vierten Quartal um 3,3% an. Im Drei-Monats-Abschnitt davor war die Jahresrate mit 3,2% noch etwas geringer gewesen.

Erzeugerpreise gelten als Indikator für die Entwicklung der Verbraucherpreise. Firmen geben veränderte Kostenstrukturen häufig mindestens teilweise an ihre Kunden weiter. Die Inflation für Dienstleistungen ist inzwischen der Treiber der Teuerung in Deutschland und in der gesamten Eurozone. Ein Grund dafür ist das relativ hohe Lohnwachstum, was insbesondere im arbeitsintensiven Service-Bereich den Preisdruck verstärkt.

Lange Zeit verharrte die Dienstleistungsinflation bei den Verbraucherpreisen sowohl in Deutschland als auch in der Eurozone bei 4,0% und leicht darüber. Im Februar gaben die Raten jedoch leicht nach. Die EZB hofft und erwartet, dass dies der Beginn eines Trends wird. Dies ist für die Notenbank auch von großer Bedeutung, denn die Dienstleistungsinflation muss Richtung 3% fallen, damit die EZB ihr Inflationsziel für den gesamten Warenkorb von 2% erreichen kann.

Fundamentaler Strukturwandel

Die Entwicklung der Dienstleistungsinflation wird mit der Zeit für die EZB sogar noch entscheidender. Denn der Trend geht in Europa zu einem größeren Anteil von Services am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Volkswirtschaften. Dies untermauert auch eine Untersuchung des Münchner Ifo-Instituts, welche die Wirtschaftsforscher am Freitag publizierten. „Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland ist in einem fundamentalen Strukturwandel“, heißt es dort.

Die Industrie setzt gemäß der Studie verstärkt auf hybride Produkte, bei denen Waren mit produktbegleitenden Dienstleistungen kombiniert werden. Eine Schlussfolgerung der Forscher ist, dass die Zahlen zur klassischen Industrieproduktion die wirtschaftliche Leistung im verarbeitenden Gewerbe nicht vollständig wiedergeben. „Die Industrie passt ihre Geschäftsmodelle an und konzentriert ihre inländische Aktivität zunehmend auf Forschungs- und Serviceleistungen“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.