KommentarStellenabbau bei der Commerzbank

Giftpille der anderen Art

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp schafft Fakten. Im Abwehrkampf gegen Unicredit hat sie sich die Zustimmung der Arbeitnehmer für den Abbau für 3.900 Stellen erkauft.

Giftpille der anderen Art

Commerzbank

Von Anna Sleegers

Die Spatzen haben es schon von Dächern gezwitschert, jetzt ist es raus. Um den Renditeversprechen von Unicredit-Chef Andrea Orcel Paroli zu bieten, kappt die Commerzbank nochmals Tausende Stellen. Insgesamt 3.900 Stellen sollen bis Ende 2027 wegfallen, die meisten davon in Deutschland. Bis 2028 will das Institut auf diese Weise die Aufwand-Ertrags-Relation auf wettbewerbsfähige 50% drücken und eine Eigenkapitalrendite von 15% erreichen. Und die Arbeitnehmervertreter? Stehen voll hinter der neuen Strategie, wie der neue Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat der Commerzbank, Kevin Voß, betont.

Im Abwehrkampf gegen Unicredit hat sich die
Commerzbank den Rückhalt der Arbeitnehmer für einen Stellenabbau erkauft.
Das Nachsehen könnten die Aktionäre haben.

Die strategische Weiterentwicklung war offensichtlich weniger betriebswirtschaftlicher als vielmehr politischer Natur. Konzernchefin Bettina Orlopp hat es verstanden, die Arbeitnehmerseite hinter sich zu bringen. Dadurch kann sie in Sachen Umsetzungsrisiko gegen den Aggressor aus Mailand punkten. Verdi zufolge haben die Abbaupläne bereits die Gremien passiert. Dahin müsste Unicredit erstmal kommen, vorausgesetzt, Orcel zieht die unfreundliche Übernahme entgegen anderslautenden Beteuerungen tatsächlich durch.

Burgfrieden erkauft

Orlopps Coup ist nicht ihrem Erfahrungsschatz als frühere Personalvorständin oder gar der angeblich typisch weiblichen Sozialkompetenz geschuldet. Der Burgfrieden bei der Commerzbank ist teuer erkauft. Die mit dem Gesamtbetriebsrat getroffene Transformationsvereinbarung schließt betriebsbedingte Kündigungen aus. Niemand wird gegen seinen Willen die Bank verlassen müssen. Insgesamt 700 Mill. Euro kalkuliert die Commerzbank für Abfindungen und Vorruhestands- und Altersteilzeitregelungen, die den Beschäftigten den Abschied versüßen sollen. Zudem sollen alle Beschäftigten Aktien im Wert von je 500 Euro erhalten, um sie an die Commerzbank zu binden.

Großzügige Zugeständnisse also an die Belegschaft. Angesichts der mauen konjunkturellen Aussichten und des angekündigten Ausbaus in Polen und Asien könnten die Aktionäre das Nachsehen haben. In jedem Fall schaffen die bereits unterzeichneten Verträge mit den Arbeitnehmervertretern Fakten, mit denen sich ein strategischer Investor arrangieren müsste. Nachdem Orlopp eigene Zukäufe als Abwehrstrategie ausgeschlossen hat, präsentiert die Commerzbank hier eine Giftpille der anderen Art.

Giftpille
der anderen Art

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