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Viel Potenzial für Enttäuschungen an den Finanzmärkten

Die Finanzmärkte preisen wegen der Zölle mehr Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr ein. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie sich dabei täuschen.

Viel Potenzial für Enttäuschungen an den Finanzmärkten

Fed

Viel Potenzial für Enttäuschungen

Von Martin Pirkl

Auch wenn es Donald Trump nicht wahrhaben will, seine Kriegserklärung an den Welthandel wird das Wirtschaftswachstum der USA senken und die Inflation erhöhen. Die Fed steckt damit in einem Dilemma. Denn während ersteres nach mehr Zinssenkungen ruft, spricht letzteres dagegen. Für die Finanzmärkte ist klar, welcher der gegenläufigen Effekte überwiegen wird. Die Konjunkturängste dominieren, was sich nicht nur an den tiefroten Aktienkursen zeigt, sondern auch an den revidierten Zinsprognosen. Die Markterwartung liegt nach den Zollankündigungen bei Lockerungen von 100 Basispunkten in diesem Jahr, nach zuvor nur drei Zinsschritten nach unten.

Gut möglich, dass die US-Notenbank jedoch deutlich restriktiver vorgehen wird angesichts der Inflationsgefahren durch die Zölle. Fed-Gouverneurin Lisa Cook spricht davon, dass die Notenbank sich Zeit nehmen werde, die Lage neu zu bewerten, bevor eine Zinsanpassung ein Thema ist. Der Präsident der Fed Atalanta, Raphael Bostic, wird konkreter. Er erwartet nur eine einzige Lockerung in diesem Jahr.

Längere Rezession unwahrscheinlich

Einiges spricht dafür, dass diese Prognose realistischer ist als gleich vier Lockerungen bis zum Jahresende. Die Inflation in den USA ist ohnehin noch auf einem Niveau, das weitere zeitnahe Zinssenkungen infrage stellt. Die Zölle werden nun noch zu einem zusätzlichen Inflationsschock führen. In einem solchen Umfeld besteht die Gefahr von Zweitrundeneffekten. Die hohe Teuerung treibt die Löhne, was wiederum die Inflation erneut erhöht. Ein solches Szenario muss die Fed vermeiden.

Hinzu kommt: Die US-Wirtschaft wird zwar unter den Zöllen stark leiden, eine längere Rezession, wie von einigen Anlegern befürchtet, dürfte jedoch ausbleiben. Bereits seit langem zeigt sich beispielsweise der US-Arbeitsmarkt deutlich robuster, als viele Analysten es erwartet hatten. Die US-Wirtschaft ist zudem weniger vom Außenhandel abhängig als Europa oder China. Gut möglich also, dass sich die US-Konjunktur 2025 besser schlagen wird, als viele erwarten. Zumindest das wären gute Nachrichten.

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