Neue Herausforderung für OpenAI

Ex-OpenAI-Managerin Murati nimmt Kampf um KI-Hoheit auf

Mira Murati gilt als einflussreichste Entwicklerin der KI-Szene. Nun fordert die einstige Technologiechefin von OpenAI ihren Ex-Arbeitgeber heraus.

Ex-OpenAI-Managerin Murati nimmt Kampf um KI-Hoheit auf

Ex-OpenAI-Managerin Murati kämpft um Kontrolle über KI

Von Alex Wehnert, New York

Im November 2023 wird Mira Murati einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Die damalige Technologiechefin von OpenAI wird in turbulenten Tagen und Wochen zu einem der Gesichter des Putschs gegen Sam Altman, den CEO des Startups. Der Verwaltungsrat, der das Vertrauen in Altman verloren hatte und ihm damals vorwirft, in seiner Kommunikation „nicht durchgängig ehrlich“ gewesen zu sein, setzte Murati als Interimschefin ein. Die gebürtige Albanerin galt bereits zuvor als treibende Kraft im Tagesgeschäft von OpenAI, ihre Zeit an der Spitze des ChatGPT-Entwicklers dauert aber nur kurz an: Nach lediglich vier Tagen kehrt Altman auf Druck der Belegschaft und von Investoren um Microsoft auf den Chefposten zurück.

Bekannteste Frau im Sektor

Doch die Pläne des CEO für die Umwandlung von OpenAI in ein gewinnorientiertes Unternehmen sorgen in der Folge zunehmend für Dissonanzen. Zahlreiche langjährige Schlüsselmitarbeiter verlassen den Vorreiter auf dem Feld der künstlichen Intelligenz, darunter auch die Mitgründer John Schulman und Ilya Sutskever. Murati, seit 2018 bei OpenAI und ab 2022 Chief Technology Officer, hält es noch etwas länger aus – im September 2024 zieht aber auch sie sich zurück. Damals kündigt sie an, sie wolle „Zeit and Raum für ihre eigene Entdeckungsarbeit schaffen“. Bei Investoren kommt die Befürchtung auf, der Abschied der „bekanntesten Frau im KI-Sektor“ werde der jungen Firma die Vermarktung erschweren.

Doch die Erfolgsgeschichte von OpenAI geht weiter: Bei einer Funding-Runde im Oktober 2024 sammelt das Startup 6,6 Mrd. Dollar ein und erzielt eine Bewertung von 157 Mrd. Dollar. Die nächste gewaltige Mittelaufnahme ist schon in Arbeit: Ende Januar dringen Verhandlungen über eine Finanzierungsrunde an die Öffentlichkeit, bei der OpenAI angeblich 40 Mrd. Dollar einspielen und auf eine Bewertung von 340 Mrd. Dollar kommen will – dies alles ohne profitables Geschäftsmodell. Derweil treibt Altman trotz Kritik und Gegenwinds seines alten Widersachers Elon Musk, der mit einem feindlichen Übernahmeangebot an das Startup herantritt, die Umgestaltung des ChatGPT-Entwicklers in eine gewinnorientierte Public Benefit Corporation voran.

Sam Altmans profitorientierter Kurs bei OpenAI bereitet Wissenschaftlern zunehmend Sorge. Foto: picture alliance / abaca | Blondet Eliot/ABACA.

Die Konzentration der Macht über die Zukunftstechnologie in den Händen der verfeindeten Unternehmer Musk und Altman ruft an der Wall Street und im Silicon Valley zunehmende Bedenken hervor. Murati gehört nun zu den Köpfen der Tech-Szene, die diese Dominanz aufzubrechen suchen. Mitte Februar kündigte die 36-Jährige den Start ihrer eigenen Firma Thinking Machines Lab an. Diese soll „KI-Systeme breiter verständlich, anpassbarer und generell fähiger“ machen.

Das Wissen zur Technologie konzentriere sich auf wenige Spitzen-Research-Einrichtungen, was den öffentlichen Diskurs zu KI und einen effizienten Einsatz der Technologie hemme. „Zum Wohle der Öffentlichkeit“ will Thinking Machines Lab Codes und Forschungspapiere veröffentlichen. Die Entwicklerin, die im Alter von 16 Jahren ein Stipendium gewann und am Pearson United World College of the Pacific auf Vancouver Island studierte, und Abschlüsse des Colby College in Maine sowie der Thayer School of Engineering der renommierten Universität Dartmouth hält, hat für ihr neues Projekt einige alte Kollegen angeworben. Bereits 2023 lobte Microsoft-Chef Satya Nadella in einem Beitrag für das „Time"-Magazin Muratis Fähigkeit, „Teams mit technischer Expertise, scharfem Geschäftssinn und einem tiefen Verständnis der Bedeutung ihrer Mission“ zusammenzustellen. Dies habe es ihr ermöglicht, an „einigen der spannendsten KI-Technologien zu arbeiten, die wir je gesehen haben“.

Offene Herausforderung

Bei Thinking Machines Lab sollen Murati OpenAI-Mitgründer Schulman, der ehemalige Leiter für Sonderprojekte des Startups Jonathan Lachman und der kurz nach ihr ausgeschiedene Spitzenmanager Barret Zoph zur Seite stehen. Zudem hat sie Forscher und Softwareentwickler angeheuert, die Erfahrung von Konkurrenten wie Alphabet, Meta Platforms oder Mistral mitbringen. „Wissenschaftlicher Fortschritt ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, heißt es in einer Mitteilung von Thinking Machines Lab. Erklärtes Ziel des Startups ist es, mit einer möglichst großen Gemeinschaft an Forschern zusammenzuarbeiten. Murati führt wohl seit ihrem Abschied von OpenAI Gespräche mit Investoren – nun fordert sie ihren einstigen Wegbegleiter Altman und dessen Widersacher Musk im Kampf um die KI-Kontrolle also öffentlich heraus.

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