Meschke bleibt Vorstand der Porsche SE
Lutz Meschke bleibt Vorstand der Porsche SE
sck München
Das Beben im Vorstand der Porsche AG hat offensichtlich kein Nachbeben bei der gleichnamigen Beteiligungsholding Porsche SE ausgelöst. Nach den Personalrochaden beim Sportwagenbauer sah sich die ebenfalls in Stuttgart residierende, familiendominierte Dax-Gesellschaft zur gleichen Zeit veranlasst, öffentlich klarzustellen, dass der bei der Porsche AG geschasste Finanzvorstand und Vizechef Lutz Meschke im Vorstand mit Verantwortung für das Beteiligungsgeschäft verbleibt.
Lutz Meschke werde „mit voller Kraft die Aktivitäten im Portfoliosegment vorantreiben und die Investitionsstrategie weiterentwickeln“, teilte das Schwesterunternehmen mit, kurz nachdem die Porsche AG Meschkes Nachfolger ernannt hatte. Nach dem Machtkampf bei der operativ schwächelnden schwäbischen Edelmarke wurde spekuliert, dass der 58-jährige Diplom-Kaufmann auch seinen Posten bei der Porsche SE verlieren könnte.
Die Entscheidung für den Verbleib von Meschke im Vorstand der Porsche SE ist wohl eine salomonische Lösung der Familien Porsche und Piëch mit dem Ziel, die Wogen wieder zu glätten. Das Oberhaupt des Clan-Zweigs Porsche, Wolfgang Porsche (81), ist Aufsichtsratsvorsitzender der Autoluxusmarke und der Beteiligungsholding. Skurril ist das Resultat für Meschke ohnehin, ist doch sein Vorgesetzter bei der Porsche SE, der Vorstandsvorsitzende Hans Dieter Pötsch (73), zugleich Chefaufseher von VW und Aufsichtsratsmitglied der Porsche AG. In den beiden letztgenannten Rollen sorgte er mit dafür, dass Meschke seine Macht beim Sportwagenbauer verlor.
VW hält die Mehrheit an der Porsche AG. Bei Meschke sorgte das aber augenscheinlich für keine Loyalitätskonflikte. Ansonsten hätte er von sich aus bei der Holding seinen Hut genommen. Seine Doppelrolle ist er aber nun los.
Operative Krise führt zu Spannungen
Anfang Februar sorgte die Porsche AG mit einer Pflichtmitteilung für Aufsehen, dass der Aufsichtsrat Wolfang Porsche „beauftragt“ habe, mit Meschke und Vertriebsvorstand Detlev von Platen Gespräche zu führen über deren „einvernehmliches, vorzeitiges“ Ausscheiden aus dem Vorstand. Dem gingen vermutlich wochenlange Auseinandersetzungen innerhalb des Managements über die Margen- und Absatzkrise bei der Porsche AG voraus. Vor allem das Arbeitsverhältnis von Meschke und CEO Oliver Blume, der seit September 2022 zugleich den Mutterkonzern VW führt, soll Risse bekommen haben.
Meschke wurde nachgesagt, selbst Ambitionen auf den Chefposten bei der Porsche AG gehabt zu haben. Blume selbst steht wegen seiner Doppelrolle in der Kritik. Derweil sollen sich die Familienzweige in Beratungen befinden, wie Blume personell entlastet werden kann. Es könnte auf ein Ende seiner Position des zweifachen CEO im VW-Porsche-Konglomerat hinauslaufen.
Vor diesem Hintergrund dürfte die Neubesetzung im Vorstand der Porsche AG nur einen Zwischenschritt darstellen für eine größere, umfassendere Lösung. Als Nachfolger für Meschke installierte der Aufsichtsrat Jochen Breckner (47). Für von Platen kommt Matthias Becker (54). Beide gelten als Vertraute von Blume. Meschke und der 61-jährige Ex-Vertriebsvorstand hätten das Unternehmen „im gegenseitigen Einvernehmen“ verlassen.
Interessant an der Personalrochade ist, dass Breckner - anders als sein Vorgänger - nicht mehr noch zusätzlich das Amt des Vize-CEO einnimmt. In der Mitteilung der Porsche AG ist davon keine Rede. Das bedeutet faktisch, dass Blume seine Stellung im Mehrmarkenreich bis auf Weiteres ausbauen konnte.
Lange Karriere
Meschke gehörte dem Vorstand der Porsche AG seit 2009 an. 2015 stieg er zu Blumes Stellvertreter auf. Das Duo Meschke-Blume brachte die Edelmarke im Frühherbst 2022 wieder an die Börse. Der aus Hilden stammende Manager ist seit Juli 2020 im vierköpfigen Vorstand der Porsche SE, die insgesamt nur 50 Personen umfasst.