Schwache Performance

China-Aktien schneiden erneut kümmerlich ab

Chinas Ausstieg aus der Null-Covid-Politik verhieß ein glanzvolles Börsenjahr. Doch im Zuge einer dürftigen Konjunkturerholung und von Verwerfungen am Immobilienmarkt kam es anders. Einer erneut miserable Performance bei China-Aktien stehen flotte Gewinne in anderen Schwellenländer-Märkten gegenüber.

China-Aktien schneiden erneut kümmerlich ab

Chinas Aktienperformance wird zum Schandfleck unter Schwellenländern

Erneut ein Jahr zum Vergessen – Bremsklotz für MSCI Emerging Markets Index

Von Norbert Hellmann, Schanghai

Die wenigsten hätten den Aktienmärkten in den USA und Westeuropa die strammen Zuwächse zugetraut, die das Jahr 2023 letztlich brachte. Absolut niemand aber mochte sich ausmalen, dass in China das mit dem Ausstieg aus der Null-Covid-Politik so hoffnungsvoll begonnene Börsenjahr 2023 im Bärenkummer enden würde.

Die Wette auf eine imposante postpandemische Konjunkturerholung mit begleitender Aktien-Rally hat sich als spektakulärer „bad call" erwiesen, räumen Emerging-Markets-Strategen bei Goldman Sachs reuevoll ein. Der prognostizierte Anstieg von etwa 15% für das Blue-Chip-Barometer der Börsen in Schanghai und Shenzhen verkehrte sich ins Gegenteil. Man landet bei einem Minus von gut 12% für den CSI 300 im Kalenderjahr.

Trauriger Hattrick in China

Chinas Festlandbörsen haben damit einen traurigen Hattrick hingelegt. Zum dritten Jahr in Folge geht es jeweils bergab. Insgesamt büßte der CSI 300 binnen drei Jahren glatt ein Drittel ein. Aus einer Jahresendrally wäre fast nichts mehr geworden. Von Novembermitte an legte der CSI 300 mit Rückgängen in sechs aufeinanderfolgenden Wochen sogar die längste Verluststrähne seit zwölf Jahren hin. Kurz vor Torschluss kam es dann aber noch zu einer Gegenbewegung in der letzten Dezemberwoche.

Noch trüber stellt sich die Situation im von internationalen Investoren stark frequentierten Hongkonger Markt dar. Hier rutschte der Leitindex Hang Seng trotz kräftigen Aufbäumens in der Schlusswoche des Jahres um 15% ab und landet damit bereits zum vierten Jahr in Folge in den Miesen. Der Hang Seng hat seit Dekadenbeginn gut 40% verloren. Im Kontrast dazu legte der S&P 500-Index an der Wall Street im Vierjahreszeitraum um mehr als 40% zu.

China-Aktien als Bremsklotz

Für Investoren drängt sich eine Lektion auf, nämlich die Entkoppelung des chinesischen Marktes vom restlichen Schwellenländer-Geschehen. Erwartet wurde, dass sich Schwellenländeraktien als Asset-Klasse 2023 wegen eines China-Effektes global gut behaupten würden. Tatsächlich aber waren China-Aktien der Bremsklotz für die Performance des MSCI Emerging Markets Index. Rechnet man jedoch "Ex-China", kamen Schwellenländer-Aktien in 2023 mit einem Anstieg um 16% sogar glänzend voran.

Die Gründe für die letztjährige Misere liegen auf der Hand. Chinas Konjunktur ist entgegen aller Beteuerungen der Pekinger Regierung nicht annähernd so gut in Schwung gekommen, wie die Abschaffung von Covid-Restriktionen verheißen ließ. Es hapert beim Konsum- und Investitionsvertrauen. Die Exportindustrie steckt in schwerem Fahrwasser. Die Deflationstendenz bei Erzeuger-und mittlerweile auch Verbraucherpreisen zeugt von schwacher Binnennachfrage und dämpft die Unternehmensgewinne.

Peking ist dem weder mit überzeugenden fiskalischen und monetären Stimuli entgegengetreten, noch hat man einen Ansatz gefunden, um der von einer Verschuldungskrise bei Bauträgern heraufbeschworenen Immobilienmarktflaute beizukommen. Auch die teilweise plumpe Charmeoffensive gegenüber ausländischen Unternehmen vermag keine rechte Wirkung zu entfalten, solange immer neue Pekinger Verhärtungen an der geo- und sicherheitspolitischen Front Unsicherheit schüren, und das Sentiment von ausländischen, aber auch heimischen Investoren negativ prägen.

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