Konjunktur

Sorge um Weltwirtschaft wächst

Der IWF hat unlängst seine Prognosen für das globale Wachstum nochmals deutlich gesenkt und die Debatte über die Gefahr einer globalen Rezession befeuert. Auch die OECD befürchtet nun noch mehr Schwäche.

Sorge um Weltwirtschaft wächst

ms Frankfurt

Die Sorgen vor einem starken Einbruch oder sogar einer Rezession der Weltwirtschaft haben neue Nahrung erhalten. Die Indus­trieländerorganisation OECD teilte am Dienstag mit, dass ihre neuen Frühindikatoren auf eine weitere Verschlechterung des Wachstumsausblicks in den größten Volkswirtschaften hindeuteten. Besonders groß sind die Bedenken mit Blick auf die deutsche Wirtschaft. Diese wurden am Dienstag auch von neuen Daten und Aussagen aus der deutschen Wirtschaft geschürt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte vor wenigen Tagen seine Prognosen für das globale Wachstum noch einmal deutlich gesenkt und damit die Debatte über die Gefahr einer globalen Rezession befeuert (vgl. BZ vom 6. August). Hintergrund ist vor allem die hohe Inflation und der Ukraine-Krieg. Für die Zentralbanken kommt die Konjunkturschwäche zur Unzeit, weil sie eigentlich mit entschlossenen Zinserhöhungen und anderen Maßnahmen gegen die hartnäckig viel zu hohe Inflation vorgehen wollen. Die Warnungen, dass die Zentralbanken überziehen und der Konjunktur den Garaus machen, nehmen zu.

Hohe Inflation belastet

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) teilte nun mit, dass ihre Composite Leading Indicators (CLIs) auf eine Abschwächung des Wachstums insbesondere in Kanada, Großbritannien und den USA sowie in Frankreich, Deutschland und Italien hindeuteten. In dem Zusammenhang wies die OECD insbesondere auf an­haltende Unsicherheiten wegen des Kriegs in der Ukraine, erneuter Covid-19-Bedrohungen, Unterbrechungen der Versorgungskette und der Auswirkungen der Inflation auf das reale Haushaltseinkommen hin.

Als besonderes Sorgenkind gilt Deutschland – nicht zuletzt wegen der Schwäche der Industrie. Indus­triepräsident Siegfried Russwurm sagte der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag, dass das Wachstum in Deutschland stärker in Gefahr sei als noch im Juni erwartet. Damals ging der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bereits nur noch von 1,5% Wachstum für die Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr aus. Zu Jahresbeginn, also vor Beginn des Kriegs, hatte der BDI noch ein Plus von etwa 3,5% prognostiziert.

Derweil deutet ein geringerer Lkw-Verkehr auf den Autobahnen auf einen schwachen Start der deutschen Wirtschaft in die zweite Jahreshälfte hin. Die Fahrleistung mautpflichtiger Lastkraftwagen mit mindestens vier Achsen auf Bundesautobahnen ist im Juli um 1,4% zum Vormonat gesunken, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Index gibt frühe Hinweise zur aktuellen Konjunkturentwicklung in der Industrie.

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