Konsumgüterkonzern

Beiersdorf beruhigt Anleger mit Zuversicht

Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf sieht sich als führender Hautpflegeinnovator und will weiterhin stärker wachsen als die Konkurrenz. Bei Anlegern kommt der Ausblick aus Hamburg gut an.

Beiersdorf beruhigt Anleger mit Zuversicht

Beiersdorf beruhigt Anleger mit Zuversicht

Konsumgüterkonzern will nach Umsatzrekord weiterhin stärker wachsen als Konkurrenz – Dividende bleibt unverändert – Vertrag von Vorstandschef verlängert

Beiersdorf sieht sich als führender Hautpflege-Innovator und will nach Umsatzrekord 2024 weiterhin stärker wachsen als die Konkurrenz. Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr soll zwar trotz Gewinnsteigerung und robustem Kassenbestand nicht steigen. Anlegern gefällt aber der Ausblick aus Hamburg.

ste Hamburg

Beiersdorf dämpft nach einer neuen Umsatzbestmarke im vergangenen Geschäftsjahr die Wachstumserwartungen für 2025. Der Hamburger Konsumgüterkonzern geht zwar davon aus, auch im laufenden Turnus stärker als der Markt zuzulegen. Den Analystenkonsens traf Beiersdorf mit der Wachstumsprognose bei der Vorlage der Geschäftsjahresbilanz 2024 allerdings nicht.

Zugleich würdigte J.P. Morgan, das avisierte Wachstum sei in Anbetracht von Schwächen bei Konkurrenten in der Kosmetikbranche eine beruhigende Botschaft. Die Beiersdorf-Aktie, nach einem Zugewinn 2023 von knapp 27% im abgelaufenen Turnus trotz eines im zweiten Quartal bei 147,25 Euro erreichten Allzeithochs um 8,4% gesunken, stieg am Donnerstag um bis zu 4,1% auf 132,40 Euro.

Bremseffekte im Markt

Vorstandschef Vincent Warnery erklärte in einer Analysten- und Medienkonferenz, nach einem Wachstum des weltweiten Hautpflegemarktes 2024 um rund 5,5% sei in diesem Jahr mit einem kleineren Plus von etwa 5% zu rechnen. Dabei seien erneut stärkere Impulse aus Wachstumsmärkten und geringere aus Europa und Nordamerika zu erwarten.

Das Dax-Unternehmen selbst avisiert für 2025 eine organische Erlössteigerung im Hauptsegment Consumer um 4 bis 6%, im Tesa-Segment um 1 bis 3%. Analysten hatten im Schnitt mit Wachstumsraten von 6,1% bzw. 3,8% gerechnet. Die um Sondereffekte bereinigte Umsatzrendite von Beiersdorf soll im Consumer-Bereich – im Einklang mit der strategischen Vorgabe – erneut um 50 Basispunkte über dem Vorjahreswert (von 13,4% im Jahr 2024) landen. Für Tesa werden rund 16 (i.V. 16,3)% in Aussicht gestellt.

Auftrieb zum Jahresschluss

Im Consumer-Segment, auf das mehr als 80% der Konzernerlöse entfallen, beschleunigte sich das Wachstum im Schlussquartal 2024 verglichen mit dem Vorquartal auf 8,2%. Die Visible-Alpha-Konsensschätzung von 7,5% wurde übertroffen. Im Gesamtjahr legte Beiersdorf konzernweit organisch um 6,5% und nominal um 4,3% auf 9,85 Mrd. Euro zu. Allein die Consumer-Kernmarke Nivea holte 5,6 Mrd. Euro bei einem organischen Zuwachs um 9%. Dabei ragte die Luminous-630-Serie mit dem Anti-Pigment-Wirkstoff Thiamidol mit einem Plus von 34% hervor.

Laut Warnery wuchs Beiersdorf im Consumer-Segment 2024 um 7,5% stärker als die wichigsten Konkurrenten – nach einem Plus von 12,5% im Jahr zuvor. Der seit Mai 2021 amtierende Konzernchef, dessen Vertrag der Aufsichtsrat nun bis Ende 2030 verlängerte, äußerte sich positiv über die mittelfristigen Aussichten, nachdem Beiersdorf wieder zum führenden Hautpflege-Innovator geworden sei.

Weiße Flecken

So wuchsen etwa die Umsatzerlöse bei Produkten verschiedener Marken mit dem Thiamidol-Wirkstoff von 53 Mill. Euro im Jahr 2019 auf 435 Mill. Euro im vergangenen Jahr, wie Warnery ausführte. Der Franzose, seit 2017 Mitglied im Beiersdorf-Vorstand, hob zudem „weiße Flecken“ auf der Weltkarte hervor: Nivea-Gesichtspflege- und Eucerin-Produkte würden „in 50% der Welt“ noch nicht verkauft. So sollen etwa in Indien im laufenden Jahr Nivea-Produkte aus der Luminous-Serie in gleicher Konzentration, aber zu erschwinglicheren Preisen auf den Markt kommen. Auch bei der 2024 mit einem Umsatzrückgang von 6,2% weiterhin schwächelnden Luxusmarke La Prairie sowie bei Chantecaille bereitet Beiersdorf den Markteintritt in Indien für 2025 vor.

Das Unternehmen hat sich gemäß der beim Kapitalmarkttag im Juni 2024 aktualisierten strategischen Ausrichtung zum Ziel gesetzt, das weltweit beste Hautpflegeunternehmen zu sein. Dabei setzt Beiersdorf im Wettbewerb auf Innovationen in den Bereichen Hyperpigmentierung, alternde Haut und Akne, die als drei zentrale Zukunftsfelder des Hautpflegemarktes angesehen werden.

Zuversicht bei US-Geschäft

Über die Aussichten im US-Markt äußerte sich Konzernchef Warnery ebenfalls zuversichtlich. Er betonte, dass man in der Körperpflege-Kategorie stärker zulege als der Markt und dass man den Auftritt nun auch mit Gesichtspflegeprodukten verstärke. Allerdings würde die Zollpolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump auch die Hamburger treffen. Laut Finanzchefin Astrid Hermann könnte eine Zusatzabgabe von 25% das Wachstum mit rund 50 Basispunkten belasten. Rund ein Drittel der im US-Markt verkauften Produkte stellt der Konzern in den USA her. Zwei Drittel werden im Ausland, zu einem erheblichen Teil in Mexiko, gefertigt.

Nach einem 2024 um 24% auf 928 Mill. Euro gestiegenen Jahresüberschuss will Beiersdorf den Aktionären, darunter die mit rund 52% beteiligte Maxingvest-Holding der Herz-Familie, eine im Vorjahresvergleich unveränderte Dividende von 1 Euro je Aktie zahlen. Wie 2024 ist auch in diesem Jahr ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 500 Mill. Euro geplant. Die wegen des Programms 2024 auf 4,57 (4,62) Mrd. Euro gesunkene Nettoliquidität blieb robust.

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