Branchenkrise erfasst Grammer mit voller Wucht
Grammer macht 93 Mill. Euro Miese
Autozulieferer zollt Branchenkrise Tribut – Ausblick mau
sck München
Die Krise der deutschen Autoindustrie hat auch Grammer mit voller Wucht erwischt. Der Autozulieferer aus Bayern verbuchte im vergangenen Jahr einen Konzernverlust nach Steuern von 93 Mill. Euro. 2023 verzeichnete das Unternehmen noch einen kleinen Nettogewinn von 3 Mill. Euro. Der Fehlbetrag setzt sich aus Defiziten der fortgeführten (48 Mill. Euro) und der nicht fortgeführten Aktivitäten (45 Mill. Euro) zusammen.
Der hohe Verlust ist das Resultat von Restrukturierungsaufwendungen (36 Mill. Euro), dem Verkauf der amerikanischen TMD-Gruppe und eines Umsatzrückgangs. So schrumpften die Konzernerlöse um 7% auf 1,9 Mrd. Euro. Grammer räumte ein, dass sich entgegen den ursprünglichen Erwartungen des Managements das Marktumfeld nicht erholt habe. Unter der Nachfrageschwäche litt vor allem das Geschäft mit Nutzfahrzeugsitzen.
Handelskrieg dämpft
Aufgrund der Zusatzaufwendungen brach das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um nahezu 90% oder 64 Mill. Euro auf 8 Mill. Euro ein. Infolge des Defizits verminderte sich das Eigenkapital des Konzerns um 15% auf 267 Mill. Euro. Der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme fiel um 4,7 Prozentpunkte auf 15,7%. Nach dem Rückschlag im vergangenen Jahr übt sich die Konzernspitze mit Blick auf das laufende Jahr in Zweckoptimismus. Während der Vorstand für den Nutzfahrzeugbereich ein sich erholendes Geschäft erwartet, stimmt er Molltöne für den Pkw-Sektor an. Grammer leidet auch unter den drastisch steigenden Zöllen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Die „negative Entwicklung aufgrund handelspolitischer Unsicherheiten im Pkw-Markt“ werde „anhalten“, warnte Grammer.
Stagnierende Erlöse
Vor diesem Hintergrund rechnet die Unternehmensführung für 2025 allenfalls mit einem auf 1,9 Mrd. Euro stagnierenden Umsatz. Während das Sparprogramm die Profitabilität erhöht, belasten laut Grammer die steigenden Lohn- und Zollkosten. Der Vorstand peilt ein operatives Ebit von „rund“ 60 Mill. Euro an. Das wäre ein Zuwachs von 18 Mill. Euro. Beim „operativen“ Ebit lässt Grammer Sonderaufwendungen aus. Im vergangenen Jahr brach diese Ergebnisposition um die Hälfte auf 42 Mill. Euro ein.
Seit 2018 in chinesischer Hand
Grammer befindet sich seit 2018 mehrheitlich in der Hand des chinesischen Industriezulieferers Ningbo Jifeng. Über die Jiye Auto Parts GmbH halten die Chinesen 86,2% des in 13,1 Millionen Aktien aufgeteilten Grundkapitals.
Auf der am 22. Mai dieses Jahres stattfindenden Hauptversammlung muss Ningbo Jifeng fünf vakant gewordene Aufsichtsratsposten der Kapitalseite neu besetzen. Im Zuge der turnusmäßigen auslaufenden Mandate legten im Februar nach Unternehmensangaben fünf Vertreter der Anteilseigner, darunter Chefaufseher Martin Kleinschmitt, per Ende März ihre Mandate nieder.