US-Zölle

J.P. Morgan beobachtet bei Großinvestoren wachsende Unsicherheit

Großinvestoren werden laut J.P. Morgan weltweit vor allem durch die US-Zölle verunsichert. In Deutschland dagegen weckt laut Investmentbanker Scott Hamilton das Infrastrukturpaket "Hoffnungen auf mehr öffentlich-private Partnerschaften".

J.P. Morgan beobachtet bei Großinvestoren wachsende Unsicherheit

J.P. Morgan beobachtet wachsende Unsicherheit der Investoren

Investmentbanker Scott Hamilton: Infrastrukturpaket in Deutschland könnte bei guter Umsetzung für Europa zum „Wendepunkt“ werden

Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt

Ein Achterbahnquartal für die Märkte endet nach Einschätzung der Investmentbank J.P. Morgan mit wenig Erleichterung. Die Handelspolitik von Präsident Donald Trump und zunehmende Stagflationsängste bringen die Anleger dazu, Risiken zu meiden. „Für viele unserer institutionellen Kunden, darunter Banken und Vermögensverwalter, stehen die Auswirkungen der Zölle im Vordergrund“, sagt Scott Hamilton, Managing Director und Global Co-Head Sales & Research bei J.P. Morgan in London. „Die Kunden überdenken auch die Vorstellung von der Ausnahmestellung („exceptionalism“) der USA, die traditionell die steigenden Aktienkurse von US-Unternehmen unterstützt hat. Aus europäischer Sicht werden die jüngsten Entwicklungen in Deutschland als wachstumsfördernd wahrgenommen, und das Infrastrukturpaket der deutschen Regierung wird positiv gesehen.“

Weltweit haben sich die Aktienkurse im ersten Quartal so schlecht entwickelt wie seit dem dritten Quartal 2023 nicht mehr. Investoren suchen Zuflucht in sicheren Anlagen. So ist der Bloomberg-Indikator für US-Staatsanleihen seit Jahresbeginn um 2,6% gestiegen, während der Goldpreis weiterhin neue Rekorde aufstellt.

Dax als Outperformer

Die wichtigste Frage mit Bezug auf Deutschland sei, wie lange die Outperformance des Dax anhalten wird, sagte Hamilton. „Bislang beobachten wir eine Rotation von US-Aktien zu europäischen Titeln“, sagte der J.P.-Morgan-Banker und wies darauf hin, dass die 500 Mrd. Euro, die die deutsche Regierung für die Infrastruktur ausgeben will, eine sehr große Summe seien. „Wenn es gut umgesetzt wird, könnte es ein Wendepunkt sein“, fügte er hinzu. „Das Paket weckt Hoffnungen auf mehr öffentlich-private Partnerschaften, und wir erwarten keine Verdrängung privater Investoren“.

Angesichts eines sich ausweitenden globalen Handelskriegs und der zunehmenden Wahrscheinlichkeit einer drastischen Verlangsamung des US-Wirtschaftswachstums schränken globale Vermögensverwalter ihre Risiken ein oder passen ihre Portfolios neu an. Der Wirtschaftswissenschaftler Ed Yardeni hat die Wahrscheinlichkeit eines Stagflationsszenarios auf 45% angehoben und vor einer möglichen Rezession gewarnt, und er rechnet mit ähnlichen Risiken einer sich verschärfenden Korrektur am US-Aktienmarkt.

So nimmt das Verbrauchervertrauen in den USA laut J.P. Morgan stetig ab. Der US-Aktienmarkt rechnet bereits mit einer Rezession. Der Dollar ist seit November gestiegen, weil man von einer Ausnahmesituation ausging und viele Anleger in China und Europa sich zu stark im Dollar positioniert hatten, aber in letzter Zeit ist er zusammen mit den Aktienkursen gefallen, was sonst selten ist. „Die US-Handelszölle öffnen mehr Korridore für den Handel zwischen Asien und Europa. Die USA und Europa sollten Freunde und Verbündete sein, aber die Tatsache, dass sich die Dinge zu verschlechtern scheinen, „erhöht die Unsicherheit bei vielen Anlegern“, sagte Investmentbanker Hamilton.

US-Inflation wird angeheizt

Seiner Meinung nach sind die Zölle der größte Unsicherheitsfaktor. "Sie können potenziell die Inflation anheizen und das Risiko einer Stagflation schaffen“, sagte er. In den Schatten gestellt werde aber all dies von der geopolitischen Entwicklung: „Für alle ist eine Eskalation des Krieges in der Ukraine das größte Risiko“.

Trump hat die Hoffnung auf einen begrenzten Umfang der Zölle, die an diesem Mittwoch bekannt gegeben werden, zunichte gemacht, als er Reportern mitteilte, er wolle „alle Länder“ mit reziproken Zöllen belegen. In der Zwischenzeit haben die Wirtschaftsdaten vom Freitag, die einen drastischen Rückgang der US-Verbraucherstimmung, schwache Ausgaben und einen Anstieg der Preise zeigen, die Besorgnis über breitere wirtschaftliche Auswirkungen der Handelspolitik verstärkt.

„Die erwarteten Auswirkungen von Trumps Herrschaft der Zölle 2.0 untergraben unsere frühere Zuversicht“, erklärte Yardeni laut Bloomberg. „Es hat auch das Vertrauen in die US-Wirtschaft bei allen geschwächt - von CEOs über Verbraucher bis hin zu Anlegern.“ Die Abkehr vom Leitmotiv der Ausnahmestellung der USA hat den Status des Dollars als Zufluchtsort ausgehöhlt, und die Währung hat in diesem Jahr gegenüber den meisten anderen wichtigen Währungen an Wert verloren. In Erwartung höherer Staatsausgaben auf dem Kontinent wandten sich die Anleger dem Euro zu.

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