Corporate Finance Award:Die Preisträger (1)

Neue Eigentümer sichern Encavis langfristige Finanzierung

Encavis hat sich nach 26-einhalb Jahren von der Börse verabschiedet. Die neuen Eigentümer KKR und Viessmann bieten dem Wind- und Solarparkbetreiber bessere Wachstumsmöglichkeiten.

Neue Eigentümer sichern Encavis langfristige Finanzierung

Corporate Finance Award: Die Preisträger (1)

Neue Eigentümer sichern Encavis langfristige Finanzierung

KKR und Viessmann eröffnen Wind- und Soalrparkbetreiber neue Wachstumsmöglichkeiten

Von Carsten Steevens, Hamburg

Am 28. Juli 2023 wurde das 25-jährige Börsenjubiläum von Encavis im Frankfurter Handelssaal der Deutschen Börse noch feierlich gewürdigt. Inzwischen ist die Börsenpräsenz des Hamburger Unternehmens, das 2001 als Capital Stage AG durch Einbringung der Beteiligungen der Futura Capitalis in die seit 1998 börsennotierte HWAG Hanseatisches Wertpapierhandelshaus AG entstand, Geschichte. Ende Januar verabschiedete sich der zuletzt mit rund 2,8 Mrd. Euro bewertete Wind- und Solarparkbetreiber aus dem Handel im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse und der Börse Hamburg.

Eines der größten von mehr als 20 Delistings in Deutschland seit Anfang 2024 ist – wie auch andere – Folge einer Übernahme. Am 14. März vergangenen Jahres wurde die Absicht der US-Finanzinvestor KKR bekannt, in einem Konsortium mit dem nordhessischen Familienunternehmen Viessmann als Co-Investor eine Offerte für Encavis zu einem Preis von 17,50 Euro je Aktie abzugeben.

Strategie unterstützt

Die „Elbe BidCo“ hatte da bereits mit Abacon Capital, der Beteiligungsgesellschaft des Family Office der Hamburger Milliardärsfamilie Büll, und weiteren Encavis-Aktionären mit einem Anteil von insgesamt etwa 31% vereinbart, dass diese langfristig im Unternehmen investiert bleiben. Zugleich signalisierte das Konsortium, die aktuelle Wachstumsstrategie des Vorstands uneingeschränkt zu unterstützen sowie das bestehende Führungsteam, die Arbeitsplätze sowie die Unternehmenszentrale in Hamburg und weitere Standorte beizubehalten.

Auf Basis der Investorenvereinbarung und des Angebotspreises, der eine Prämie von 54% auf den Xetra-Schlusskurs des damaligen MDax-Unternehmens unmittelbar vor Bekanntwerden der Gespräche über eine mögliche Transaktion am 6. März 2024 vorsah, avisierten Vorstand und Aufsichtsrat von Encavis auch schon früh die Absicht, die Annahme der Offerte zu empfehlen. Für die offensichtlich gründlich vorbereitete Transaktion erhalten KKR und Viessmann nun den Corporate Finance Award der Börsen-Zeitung in der Kategorie Mid & Small Caps.

Vision geteilt

„Für uns", sagt Encavis-Vorstands- und Finanzchef Christoph Husmann der Börsen-Zeitung im Rückblick, „war der richtige Zeitpunkt gekommen, ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte aufzuschlagen – mit starken Partnern an unserer Seite, die unsere Vision teilen und gemeinsam mit uns weiteres Wachstum erreichen wollen.“ Das Übernahmeangebot habe ihn nicht überrascht. Zum einem sei das Geschäftsmodell des Unternehmens, das sich zu den führenden unabhängigen Stromerzeugern aus Erneuerbaren Energien in Europa zählt, „äußerst solide, risikoarm und überaus erfolgreich“. Zum anderen sei auch die Encavis-Aktie im Zuge der sinkenden Aktienkurse von Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbarer Energien unter Druck geraten.

Husmann verweist auf hohe Finanzierungskosten, das niedrige Strompreisniveau, Negativpreise und Lieferkettenprobleme, die Encavis wie andere Branchenunternehmen auch im vergangenen Jahr gefordert hätten. Umsatzerlöse und Ergebnis gingen 2024 deutlich zurück. „Wir freuen uns, dass KKR und Viessmann Encavis mit ihrer strategischen Investition an einem für uns entscheidenden Zeitpunkt mit der notwendigen langfristigen Finanzierung ausstatten und uns als strategische Partner zur Seite stehen.“ Dadurch könne man zusätzliche Chancen nutzen und Stärken im Bereich der sauberen Energien festigen, so der Vorstands- und Finanzchef. „Gleichzeitig tragen wir mit dieser Investition auch zur Förderung eines energieunabhängigeren Europas bei.“

Wechsel an der Spitze

Encavis war vor dem Angebot von KKR und Viessmann vor allem darauf angewiesen, den Eigenkapitalanteil für den Erwerb neuer Parks aus den Gewinnen des Vorjahres, dem laufenden Cashflow sowie auf AG-Ebene aufgenommenen Krediten zu finanzieren. „Diese Mittel waren aber begrenzt“, erläutert Husmann. Daher habe man seit 2023 bewusst und mit großer Zustimmung der Mehrheit der Investoren und Aktionäre auf die Auszahlung einer Dividende verzichtet. „Wir haben das Geld stattdessen verwendet, um mehr Parks zu kaufen und unser Wachstum zu forcieren.“

Durch die Übernahme würden Encavis künftig mehr Möglichkeiten beim Eigenkapital und erforderliche finanzielle Mittel genau dann zur Verfügung stehen, wenn sie das Unternehmen benötige, betont der Vorstands- und Finanzchef weiter, der nach der Hauptversammlung des Unternehmens im Juni 2025 und dem Abschluss des Squeeze-out der verbliebenen Minderheitsaktionäre seine Aufgaben abgeben wird. Bei Abgabe des an die Encavis-Aktionäre gerichteten Delisting-Erwerbsangebots am 18. Februar hielt das Konsortium 94,15% der Anteile.

Batteriegeschäft im Visier

Das Unternehmen sei für seine ambitionierten Wachstumsziele hervorragend aufgestellt, sagt Mario Schirru, Chief Operating Officer (COO) und Chief Investment Officer (CIO) von Encavis. In den Kernmärkten Deutschland, Italien, Dänemark, Niederlande und Spanien prüfe man permanent Akquisitionsprojekte im Wind- und Solarbereich, zudem engagiere sich das Unternehmen zunehmend im Batteriegeschäft. „Wir wollen profitabel wachsen und akquirieren daher nur jene Projekte, die unseren hohen Anforderungen am besten entsprechen.“

Schirru, der nach der Hauptversammlung im Juni Vorstandsvorsitzender von Encavis werden soll, unterstreicht das funktionierende Geschäftsmodell des Unternehmens. „Eine unserer Stärken in den letzten zehn Jahren war jedoch immer, sich schnell an veränderte Marktbedingungen anpassen zu können“, sagt er weiter. Man sei offen wir notwendige Veränderungen. So steige Encavis früher in Projekte ein, habe zuletzt verstärkt Windprojekte erworben, die bereits am Netz sind oder kurz vor der Inbetriebnahme stehen, und sei zunehmend im Batteriegeschäft aktiv. Auch in der Stromvermarktung will sich das Unternehmen weiter entwickeln.

Fusion nicht in Sicht

Zusammenschlüsse oder Zukäufe sind dabei offenbar erst einmal nicht in Sicht. „Eine Fusion ist derzeit nicht geplant und aus heutiger Sicht auch nicht sinnvoll“, so Schirru, der aber auch hinzufügt, dass große strategische Entscheidungen immer auch von der Entwicklung der Märkte abhingen.

Der seit August 2022 amtierende COO und CIO hebt die Langfristperspektive der Eigentümer KKR, Viessmann und Abacon hervor. „KKR und Viessmann verfügen über umfangreiche Erfahrung und Expertise bei globalen Infrastrukturinvestitionen, insbesondere im Energiesektor, sowie über eine nachgewiesene Erfolgsbilanz bei langfristigen Unternehmensbeteiligungen und verfolgen den gleichen Investitionsansatz.“ Beide investierten in die Zukunft Erneuerbarer Energien und seien vom großen Potenzial von Encavis überzeugt. Zugleich blieben die Altaktionäre um Abacon beteiligt, um das langfristige Wachstum weiter zu unterstützen. „Konkret bedeutet das, dass wir auch intern mit allen Abteilungen weit in die Zukunft schauen, so Schirru. “Derzeit planen wir in einem ersten Schritt die kommenden zehn Jahre der Encavis AG."

Personal gesucht

Ausschüttungen an die neuen Eigentümer stehen den Angaben zufolge vorerst nicht auf der Agenda. „Momentan liegt der Fokus ganz klar darauf, den Übergang vom börsennotierten zum Privatunternehmen so professionell wie möglich zu gestalten und sich auf die ambitionierten Wachstumsziele zu konzentrieren“, sagt Schirru. Deshalb werde auch viel investiert in qualitativ hochwertige Wind-, Solar- und Batterieprojekte sowie in zusätzliches Personal. Nach Angaben des gebürtig aus Rom stammenden Italieners sucht Encavis derzeit 13 weitere Mitarbeiter - „Tendenz steigend." Ende 2023 zählte das Unternehmen insgesamt knapp 400 Beschäftigte.

Dass mit der Übernahme von Encavis der Rückzug von der Börse einherging, begrüßt das Management. „Der wesentliche Vorteil ist, dass wir als Unternehmen langfristiger planen und flexibler agieren können, wenn wir unser Handeln nicht mehr vorrangig an den Erwartungen der Akteure des Kapitalmarktes ausrichten müssen“, erklärt Vorstandssprecher Husmann.

Vorteile durch Börsenrückzug

Als privates Unternehmen habe man viel weniger Pflichten, Auflagen und Kosten, die mit der Börsennotierung einhergehen. Dazu gehöre unter anderem die Veröffentlichung von Finanzberichten, weitere Berichtspflichten und auch die Umlagen der Finanzaufsicht BaFin. „Zudem", so Husmann weiter, "sind wir nicht mehr mehrere Monate im Jahr mit Vorstand und Investor-Relations-Team auf Roadshows und Investorenkonferenzen in Europa oder den USA unterwegs, das spart Managementressourcen und Reisekosten.“

Eine Rückkehr von Encavis an die Börse lässt sich für den Vorstand derzeit nicht absehen. Jedes verantwortungsbewusste Management müsse diese strategische Option im Auge behalten, sagt der künftige CEO Schirru. „Da wir aber gerade die Börse verlassen und dadurch viele Vorteile haben, gibt es in unserem Fall keinen Anlass dazu.“ Gerade die Beschaffung von Eigenkapital, eine wesentliche Motivation für eine Börsennotierung, sei für Encavis nun kein Thema mehr.

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