Nordex kommt dem mittelfristigen Margenziel näher
Nordex kommt dem mittelfristigen Margenziel näher
Unter dem Strich steht ein kleiner Gewinn – Windturbinenbauer zahlt weiter keine Dividende
hek Frankfurt
Nach der Stabilisierung in den vergangenen beiden Jahren steuert der Windturbinenhersteller Nordex nach eigener Einschätzung in eine Phase profitablen Wachstums. Die Umsatzrendite vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) soll im laufenden Jahr auf 5 bis 7% des Umsatzes steigen. Auf mittlere Sicht peilen die Hamburger 8% an, doch hält sich Vorstandschef José Luis Blanco bedeckt, wann genau das Ziel erreicht werden soll.
Guidance übertroffen
Im vergangenen Jahr kam Nordex auf 4,1% Ebitda-Marge, was geringfügig über den oberen Rand der Zielbrandbreite von 3 bis 4% hinausgeht. Die Investmentbank Jefferies bescheinigt dem Onshore-Windanlagenbauer ein starkes viertes Quartal. Die Konsenserwartung der Analysten für das operative Ergebnis sei deutlich übertroffen worden. Die im MDax vertretene Aktie, die an den Vortagen mehr als 10% zugelegt hatte, profitierte am Donnerstag allerdings kaum: Der Kurs pendelte im Handelsverlauf um den Vortagsschluss.
Schnellere Genehmigungsverfahren
Nach einer längeren Marktflaute profitiert Nordex von der Energiewende mit den schnelleren Genehmigungsverfahren für Windräder. „Die Nachfrage steigt überall in Europa, besonders in Deutschland“, sagt Blanco im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Infolgedessen kletterte der Auftragseingang im vergangenen Jahr um 20% auf den Rekordwert von 7,5 Mrd. Euro. Der Auftragsbestand liegt nun bei 12,8 Mrd. Euro nach 10,5 Mrd. Euro Ende 2023. Laut Blanco ist Nordex Nummer 1 in Europa mit rund 40% Marktanteil. In Deutschland liege der Marktanteil bei einem Drittel. Hauptwettbewerber sei der globale Marktführer Vestas aus Dänemark.
In den USA, wo der Marktanteil stark geschrumpft ist, arbeite man an der Rückkehr auf das frühere Niveau von 15 bis 18%, sagt Blanco. Auch wenn US-Präsident Donald Trump fossile Energieträger favorisiert, bleibe genug Raum für die Windkraft, ist der CEO überzeugt. Denn Digitalisierung und Rechenzentren erhöhten den Strombedarf kräftig. Daher hielten die Kunden an ihren Investitionsplänen fest.
Eigenkapital reicht aus
Nach Steuern verbucht Nordex 9 Mill. Euro Gewinn. Im Vorjahr standen 303 Mill. Euro Verlust unter dem Strich. Blanco geht davon aus, dass sich der Jahresüberschuss weiter verbessern wird, doch auf eine Ausschüttung müssen die Aktionäre nach wie vor verzichten. „Nach vielen Verlustjahren haben wir nun einen kleinen Nettogewinn. Da müssen wir noch etwas warten mit der Dividende“, meint der CEO. Die auf den ersten Blick niedrige Eigenkapitalquote von rund 18% hält Blanco für ausreichend. Begründung: Die hohen Anzahlungen treiben den Zahlungsmittelbestand und damit die Bilanzsumme nach oben. Die liquiden Mittel beliefen sich Ende 2024 auf 1,15 Mrd. Euro, ein Fünftel der Bilanzsumme.
Breite Spanne für Umsatzprognose
Das 2025er-Umsatzziel liegt zwischen 7,4 Mrd. und 7,9 Mrd. Euro. Bezogen auf die Mitte der Spanne wären das 5% mehr als 2024. Im Berichtsjahr erwirtschaftete Nordex 7,3 Mrd. Euro Umsatz, 12,5% mehr als 2023. Für die zweite Hälfte 2025 stellt der Konzern eine leichte Ausweitung von Umsatz und Profitabilität in Aussicht.
Die Ebitda-Marge hat sich nach Firmenangaben im gesamten Jahresverlauf 2024 erhöht. Im vierten Quartal seien 4,9% erreicht worden. Das absolute Ebitda betrug 107 Mill. Euro nach 69 Mill. Euro im Vorjahresquartal und 296 (2023: 2) Mill. Euro im Gesamtjahr. Der Service-Umsatz legte um 14% auf 777 Mill. Euro zu. Das Segment, das laut Blanco höhere Margen als das Projektgeschäft abwirft, stellt damit gut ein Zehntel der Gesamterlöse.
Cashflow beeindruckt
Beeindruckt zeigen sich Analysten vom freien Cashflow, der von 20 Mill. Euro im Jahr 2023 auf 271 Mill. Euro sprang. Er habe die Erwartungen übertroffen, konstatiert Goldman Sachs. Die US-Investmentbank geht davon aus, dass sich die Cashflow-Dynamik fortsetzt.