Rüstungs-Start-ups aus Europa sind gefragt
Rüstungs-Start-ups aus Europa sind gefragt
VC-Investitionen laut Studie in den Sektoren Verteidigung, Sicherheit und Resilienz auf Allzeithoch – Deutschland Spitzenreiter
Das Interesse von Wagniskapitalgebern an Rüstungs- und Sicherheitstechnologien ist 2024 in Europa erneut gestiegen. Entgegen dem allgemeinen Trend in der VC-Branche legten die Investitionen laut einer Studie von Dealroom und dem Innovationsfonds der Nato um fast ein Viertel zu. Das meiste Geld floss nach Deutschland.
kro Frankfurt
Start-up-Investoren sind 2024 in Europa zwar insgesamt erneut auf die Bremse getreten. Im Rüstungsbereich haben die Geldgeber aber eine Ausnahme gemacht. Die Wagniskapitalinvestitionen in den Kategorien Verteidigung, Sicherheit und Resilienz sind in der Region 2024 um fast ein Viertel auf 5,2 Mrd. Dollar gestiegen, wie aus einer Studie des Datendienstleisters Dealroom und des Innovationsfonds der Nato hervorgeht. Das war deutlich mehr als im Boom-Jahr 2021, wo das Geld bei Wagniskapitalinvestoren bekanntlich ganz besonders locker saß. Größter Treiber war dabei der Bereich der Verteidigungstechnologie, in dem sich die Investitionen mit 1 Mrd. Dollar gegenüber 2024 fast verdoppelten.
„Verteidigung, Sicherheit und Resilienz wachsen viel schneller als die meisten anderen VC-Sektoren in Europa“, heißt es in der Studie. In den vergangenen zwei Jahren stiegen die Investitionen hier sogar um 30%, während der VC-Markt insgesamt um 45% schrumpfte.

Im Ländervergleich flossen die meisten Mittel in Rüstungs- und Sicherheitstechnologien aus Deutschland und Großbritannien, mit jeweils rund 1,3 Mrd. Dollar. Mit großen Deals wie etwa der 450 Mill. Euro schweren Series-C-Finanzierungsrunde für das Münchener Militärtechnik-Start-up Helsing liege Deutschland aber noch leicht vor dem Vereinigten Königreich, heißt es in der Studie weiter. Die Mitte Juli gesetzte Kapitalspritze war generell europaweit das größte VC-Funding im Rüstungsbereich 2024. Helsing entwickelt KI-gestützte Software für den militärischen Einsatz und produziert seit Kurzem auch Kampfdrohnen, die laut früheren Medienberichten auch in der Ukraine zum Einsatz kommen. Auch neuartige Militär-Roboter vom ebenfalls in München ansässigen Start-up Arx Robotics werden in dem von Russland überfallenen Land erprobt. Arx hatte seinerseits im Juni eine Seed-Finanzierung in Höhe von 9 Mill. Euro erhalten – unter anderem vom Innovationsfonds der Nato.
München wichtigstes Drehkreuz
Im Städteranking sei München mittlerweile zum wichtigsten Drehkreuz für Investitionen in Start-ups aus den Bereichen Verteidigung, Sicherheit und Resilienz aufgestiegen, heißt es in der Studie. Von den gut 5 Mrd. Dollar an Wagniskapitalinvestitionen ging demnach fast ein Fünftel in die bayerische Landeshauptstadt.
Der Sicherheitsbereich umfasst dabei laut Studie unter anderem Technologien zum Schutz der Energieversorgung und andere kritischer Infrastruktur. Hierzu zählt aus Sicht der Autoren das Münchener Kernfusions-Start-up Proxima Fusion, das im April in einer Seed-Runde 20 Mill. Euro eingesammelt hatte. Mit Start-ups aus dem Resilienz-Bereich meinen die Autoren etwa jene, die Technologien zur Vorbeugung von Gesundheitskrisen oder zur Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung entwickeln. Als Beispiel aus dieser Kategorie wird das französische Start-up Abolis Biotechnologies genannt, das im September 35 Mill. Euro erhalten hatte – unter anderem vom Venture-Arm des Spezialchemieunternehmens Evonik und vom DeepTech & Climate Fonds der Bundesregierung.