Nächste Runde im Handelskrieg

US-Autobauer fürchten erheblichen Zoll-Druck auf Gewinne

Die US-Strafzölle auf Auto-Importe drohen auch inländische Fahrzeughersteller hart zu treffen. Selbst Tesla ächzt mit Blick auf steigende Kosten bereits.

US-Autobauer fürchten erheblichen Zoll-Druck auf Gewinne

US-Autobauern droht Druck auf Gewinne

Ford, GM und Tesla befürchten infolge von Strafzöllen erhebliche Mehrkosten

xaw New York

Die geplanten US-Strafzölle auf Automobileinfuhren drohen die Gewinne von Amerikas Fahrzeugherstellern abzuwürgen. Der Finanzdienstleister Wedbush Securities bezeichneten die Abgaben in Höhe von 25% auf sämtliche Import-Pkw und -Kleinlaster als „Hurricane-artigen Gegenwind“ für die Branche, das Analysehaus Bernstein spricht von einem „Schlag“. Die protektionistischen Handelsmaßnahmen könnten die operativen Gewinne von Ford und General Motors im laufenden Jahr demnach um 30% drücken – selbst wenn diese ihre Preise entsprechend erhöhten und Anpassungen in den Lieferketten vornähmen.

Kursziele herabgesetzt

Entsprechend standen die Branchenwerte im frühen New Yorker Handel am Donnerstag unter Druck. J.P. Morgan verwies auf „gewichtige Risiken für die Gewinne angesichts drakonischer Zölle“ und senkte das Kursziel für Ford von 13 auf 11 Dollar und jenes für GM von 63 auf 54 Dollar. Erstgenannter Konzern stellt bisher rund 80% der in den Vereinigten Staaten verkauften Fahrzeuge im Inland her, bei der Konkurrenz aus Detroit sind es indes lediglich 55%.

Die US-Autobauer sähen sich „der Vision von Präsident Donald Trump verpflichtet, die Automobilproduktion und die Zahl der Jobs in den USA zu erhöhen“, teilte Matt Blunt, Präsident des Branchenverbands AAPC, mit. Die Interessensvereinigung von GM, Ford und Stellantis wolle „weiter mit der Administration zusammenarbeiten“ und sicherstellen, dass „die Strafzölle so umgesetzt werden, dass sich Preisanstiege für Verbraucher verhindern lassen und die Wettbewerbsfähigkeit des integrierten nordamerikanischen Automobilsektors bewahrt wird“. Diese sei entscheidend für den Erfolg des Freihandelsabkommens USMCA gewesen, das Trump in seiner ersten Amtszeit in Nachfolge der Nafta-Vereinbarung unterzeichnet hatte. Präziser äußerte sich das AAPC auf Anfrage zunächst nicht zu den Effekten der Strafzölle auf den US-Automobilsektor oder möglichen notwendigen Verschiebungen innerhalb der Lieferketten.

Explodierende Lohnkosten voraus

Die Gewerkschaft United Auto Workers begrüßte die Strafzölle: Es sei Zeit gewesen, das „Freihandelsdesaster“ zu beenden, das in der US-Arbeiterklasse in den vergangenen Jahrzehnten Verheerungen angerichtet habe, teilte Präsident Shawn Fain mit. Für die Autobauer bedeutet eine verstärkte Verlagerung der Produktion ins Inland indes deutlich höhere Lohnkosten. Ein Mitarbeiter in der mexikanischen Fertigung verdient rund 3 Dollar pro Stunde, ein Kollege innerhalb der USA ungefähr das Zehnfache.

Tesla gilt indes stärker als die alteingesessene Konkurrenz vor Effekten von Strafzöllen geschützt, da sie in den USA verkaufte Autos bereits im Inland produziert. Der innerhalb der Trump-Administration mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattete CEO Elon Musk betonte allerdings, „dass Tesla hier nicht ungeschoren davonkommt“. Die Strafzölle beträfen schließlich auch Teile und Rohstoffe, die Tesla auch bei heimischer Produktion aus anderen Ländern importieren müsse. „Der Kosteneffekt ist nicht trivial“, sagte Musk. Der E-Autobauer verfügt zudem über Werke in China und Grünheide bei Berlin.

Branche klammert sich an Hoffnungszweige

Lange war es Tesla dank seiner hoch effizienten Fertigungsplattformen und der resultierenden Kostenführerschaft gelungen, die Profitabilität auf im Sektor weithin beneideten Niveaus zu halten. Doch begegnet das Musk-Unternehmen der schleppenden Nachfrage nach Stromern inzwischen seit über zwei Jahren mit einer aggressiven Discount-Strategie, in deren Folge die operative Marge von einst 19,2% auf zuletzt 6,2% abgesackt ist. Zuletzt warnte Tesla in einem Brief an den US-Handelsbeauftragten James Greer bereits vor den negativen Effekten protektionistischer Maßnahmen. In der Vergangenheit sei das Unternehmen bei Handelskonflikten schnell von Gegenzöllen anderer Länder betroffen gewesen und habe seine Fahrzeuge auch in fremden Märkten teurer anbieten müssen, was die Wettbewerbsposition geschwächt habe.

Die US-Fahrzeugbranche klammert sich nun an zwei Hoffnungszweige. So kündigte Trump an, das Zinszahlungen auf Kredite für amerikanische Autos steuerlich absetzbar werden sollen, was negative Effekte von Preiserhöhungen auf die Nachfrage dämpfen könnte. Zudem enthalten die Zölle eine Ausnahmeregelung für aus Kanada und Mexiko importierte Fahrzeuge, die Teile aus den Vereinigten Staaten enthalten. Für diese könnte die Abgabe von 25% nicht auf den Gesamtwert des eingeführten Autos gelten.

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