Folgen des Übernahmeversuchs

Commerzbank-Kunden suchen neue Bankverbindungen

National-Bank in Essen zieht Commerzbank-Kunden an: Mittelständler und Privatkunden prüfen Kreditmöglichkeiten angesichts Unsicherheiten bei Commerzbank-Übernahme durch Unicredit.

Commerzbank-Kunden suchen neue Bankverbindungen

Commerzbank-Kunden werden unruhig

National-Bank notiert vermehrt Anfragen – Unicredit erhöht Druck auf Übernahmeziel

ab/lee/wf Essen/Frankfurt

Des einen Leid, des andern Freud: Die National-Bank in Essen hat in jüngster Zeit von ungewohnter Seite Gesprächsanfragen bekommen. Gerade aus dem Mittelstand habe die Nachfrage von Kunden der Commerzbank deutlich angezogen, sagt Vorstandschef Thomas Lange im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Die Kunden seien zwar nicht direkt auf dem Sprung, doch fühlten sie vor, ob die National-Bank perspektivisch als Kreditgeber bereitstünde.

Die Commerzbank-Kunden klopften aber nicht nur bei der National-Bank an. Vielmehr registriere die gesamte deutsche Kreditwirtschaft vermehrt Anfragen aus dem Lager der Gelben. Für Lange ist dieses Vorgehen absolut nachvollziehbar, da nicht klar sei, ob und wie schnell Unicredit die Übernahme der Commerzbank durchziehe. Die Nachfrage von Commerzbank-Kunden beschränke sich dabei nicht auf die Firmenkunden, auch wohlhabende Privatkunden fühlten vor.

Unicredit-Chef Orcel erhöht den Druck

Unterdessen hat Unicredit-Chef Andrea Orcel in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ den Druck auf die Commerzbank noch einmal erhöht. Er gab sich überrascht über den Gegenwind, der ihm bei der Übernahme entgegenbläst. In den vergangenen zwei bis drei Jahren habe es eine zweistellige Zahl von Treffen mit den Institutionen in Deutschland und mit dem Top-Management der Commerzbank gegeben, in denen es um „konkrete Inhalte“ gegangen sei. Unicredit habe daher mit einer positiven Reaktion der Bundesregierung und einer zumindest neutralen Haltung der Bank gerechnet.

Die Commerzbank wies das zurück: „Es gab vor dem Einstieg der Unicredit kein Gespräch zwischen dem Unicredit-Management mit dem Commerzbank-Management über eine mögliche Kombination in den letzten zwei Jahren.“ Das Bundesfinanzministerium ließ sich auf Anfrage nicht zu dieser Darstellung ein. Stattdessen verwies eine Sprecherin auf frühere Aussagen. Bundesfinanzminister Jörg Kukies (SPD) stuft das Vorhaben als feindselige Übernahme ein, weil Unicredit nicht transparent gehandelt habe.

Im Gespräch Seite 4

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