Absturz der Aktienmärkte geht weiter
Finanzmärkte
Absturz der Aktienmärkte geht weiter
Dax verliert deutlich über 5 Prozent – Ölpreise geben deutlich nach
tom Frankfurt
Donald Trumps Zollhammer hat den Aktienmärkten auch zum Wochenausklang deftige Verluste beschert. Beim deutschen Leitindex verstärkte sich der jüngste Kursrutsch noch. Der Dax stürzte um 5% auf 20.642 Zähler ab und hat damit nun auch die runde Marke von 21.000 Punkten nicht länger halten können. Das erst in diesem Jahr aufgestellte Allzeithoch bei 23.476 Zählern ist in weite Ferne gerückt. Von dem einst stattlichen Gewinn seit Jahresbeginn ist wenig geblieben. Notierte der Dax nach den ersten Handelswochen des Jahres stolze 17,5% im Plus, sind davon nun nur noch weniger als 3% geblieben.
Bei anderen Aktienindizes sah es nicht besser aus: Auch der deutsche MDax verlor am Freitag über 6%, der Euro Stoxx 50 musste Verluste in ähnlicher Größenordnung hinnehmen. Der amerikanische Nasdaq 100 hat inzwischen 20% auf sein Allzeithoch verloren.
China reagiert mit Gegenzöllen
Nach der Ankündigung von Donald Trump, einen Basiszollsatz von 10% auf alle Importe in die USA und noch höhere Zölle auf die EU (20%) und Länder wie China (34%) erheben zu wollen, waren die Aktienmärkte abgestürzt. Am Freitag reagierte China mit der Ankündigung von Gegenzöllen in gleicher Höhe auf US-Güter. Die Regierung in Peking kündigte zudem Kontrollen für den Export von Seltenen Erden in die USA an - darunter Samarium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Lutetium, Scandium und Yttrium. Seltene Erden sind für viele High-Tech-Produkte wie Handys und auch in der Rüstungsindustrie unverzichtbar. Die Angst vor einem umfassenden Handelskrieg und einer globalen Rezession trieb die Anleger vollends in die Flucht und stürzte die Aktienmärkte in einen freien Fall. Auf Tagessicht hatte der Dax zuletzt nach Russlands Einmarsch in die Ukraine über 5% verloren. Auf Wochensicht summiert sich das Minus beim Leitindex nun auf deutlich mehr als 7%. Heftige Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und auch weitere Kursverluste seien jederzeit vorstellbar, sollten die Zölle in Kraft treten und lange bestehen bleiben, warnte Thomas Altmann von QC Partners. Zuletzt schwanden die Hoffnungen der Investoren, dass sich die Spirale aus Zöllen und Gegenzöllen durch Verhandlungen noch aufhalten lässt.

Am deutschen Aktienmarkt gerieten besonders Banken-Titel unter die Räder. Die Papiere der Deutschen Bank verzeichneten am Dax-Ende zweistellige Verluste. Die Commerzbank-Aktie verlor fast 7%. Die Bank of America sieht Bankaktien besonders schlecht vorbereitet auf globale Wirtschaftsturbulenzen. Ihr Szenario schwächeren Wachstums, höherer Risikoprämien und niedriger Anleiherenditen spreche dafür, dass Banken dem Gesamtmarkt deutlich hinterherhinken dürften, schrieb sie.

Die Aktie der Deutschen Bank hat nun binnen zwei Tagen 18% verloren und fiel erstmals seit September unter ihre 100-Tage-Linie. Auch Commerzbank-Titel mussten an beiden Handelstagen starke Verluste hinnehmen, beide Papiere liegen 2025 aber noch satt im Plus - die Commerzbank gar mit gut einem Viertel.
Gerresheimer verlieren deutlich
Im MDax waren Gerresheimer der größte Verlierer. Beim Ringen um eine Übernahme des Verpackungsherstellers schrumpft die Zahl der Bieter weiter. Die Beteiligungsgesellschaft KKR habe das mit Warburg Pincus gebildete Konsortium verlassen, berichtete Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das sei eine negative Nachricht, sagte ein Händler. Die Gerresheimer-Aktie brach um über 15% ein.

Die Kehrseite der Entwicklung an den Aktienmärkten zeigte sich bei Bundesanleihen, die verstärkt angesteuert wurden. Die zehnjährige Bundrendite fiel infolge der Flucht in Sicherheit bis auf 2,49% nach 2,64% tags zuvor. Das war der tiefste Stand seit rund einem Monat. Am kurzen Ende der Kurve fiel die zweijährige Rendite unter die Marke von 2%.
Die Angst vor einem weltweiten Konjunktureinbruch hat auch die Ölpreise am Freitag auf Talfahrt geschickt. Die Preise für Rohöl aus der Nordsee und US-Rohöl fielen auf den tiefsten Stand seit 2021. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 64,78 Dollar, 5,36 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel um 5,64 Dollar auf 61,32 Dollar. Bereits am Donnerstag waren die Notierungen um jeweils mehr als vier Dollar je Barrel gefallen.