EZB liebäugelt trotz sinkender Inflation mit Zinspause
EZB liebäugelt mit Zinspause
Trotz fallender Inflation – Bankenverband sieht Teuerung mittelfristig über Zielwert
mpi Frankfurt
Die Inflation in der Eurozone nähert sich dem Zielwert der EZB an, was die Chancen auf eine weitere Zinssenkung in rund zwei Wochen erhöht. Die Finanzmärkte preisen einen solchen Schritt derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 80% ein. Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern deuten jedoch darauf hin, dass eine Zinspause wahrscheinlicher ist, als viele Anleger denken.
Für Aufsehen sorgten Äußerungen des italienischen Notenbankchefs Fabio Panetta. Angesichts der hohen Unsicherheit beim Inflationsausblick, die unter anderem von der Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trumps ausgeht, brauche es „ein umsichtiges Vorgehen bei Zinssenkungen“. In den vergangenen Monaten zählte der Italiener zu den lautesten Fürsprechern weiterer zeitnaher Lockerungen. Insofern könnte seine Aussage ein Indiz dafür sein, dass die Notenbank nach fünf Zinssenkungen in Folge ernsthaft eine Pause erwägt, um abzuwarten, wie sich der Zollkonflikt auf die Euro-Inflation auswirken wird.
Inflationsdaten sprechen für Zinssenkung
Ökonomen werten die Entwicklung der Verbraucherpreise, die Eurostat am Dienstag veröffentlichte, dagegen als Indiz für eine Zinssenkung im April. „Die Inflationsdaten für den März öffnen die Tür für weitere geldpolitische Lockerungen“, meint etwa Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Er merkt allerdings auch an, dass sich die EZB zuletzt vorsichtiger positioniert habe, was eine Lockerung in rund zwei Wochen betreffe.
Die Inflation im Euroraum ist im März von 2,3 auf 2,2% gefallen. Zufrieden dürften die Notenbanker auf die Entwicklung der Dienstleistungsinflation blicken. Die Jahresrate sank um 0,3 Prozentpunkte auf 3,4%. Damit ist der Preisanstieg für Dienstleistungen jedoch nach wie der Haupttreiber der Inflation. Dies liegt am Lohnwachstum, was insbesondere die Preise im arbeitsintensiven Service-Sektor erhöht. Die Kernrate als Indikator für den zugrunde liegenden Inflationstrend sank im März von 2,6 auf 2,4%.
Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) erwartet, dass der demografische Wandel auch in den kommenden Jahren zu einem vergleichsweise hohen Lohnwachstum und damit Inflationsdruck führen wird. „Mittelfristig wird der Leitzins aufgrund der Lohnentwicklung höher sein, als dies im historischen Schnitt der Fall war“, sagte UBS-Chefvolkswirt Felix Hüfner im Interview anlässlich der Konjunkturprognose des BdB, die der Börsen-Zeitung exklusiv vorab vorliegt. In den kommenden Jahren werde die Inflation mit etwa 2,3% über dem EZB-Ziel liegen, prognostiziert Hüfner, der aktuell Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik des BdB ist.
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