KommentarUS-Einfuhrzölle

Trumps Überzeugungstat ohne Rücksicht auf die Folgen

US-Präsident Donald Trump hat schon immer an Einfuhrzölle geglaubt, um Handelspartner unter Druck zu setzen und die US-Wirtschaft zu stützen. Die ökonomischen Konsequenzen versteht er aber nicht.

Trumps Überzeugungstat ohne Rücksicht auf die Folgen

Von Peter De Thier

US-Präsident Donald Trump hat oft gesagt, dass er Unberechenbarkeit für eine seiner größten politischen Stärken hält. Das sehen die meisten Beobachter zwar anders. So oder so ist Trump eines zugute zu halten: Aller Unvorhersehbarkeit zum Trotz sind seine handelspolitischen Überzeugungen immer konstant geblieben. Denn seit Jahrzehnten wettert Trump gegen die sichtbaren und unsichtbaren Handelsschranken der wichtigsten Partnerländer.

Er schimpft über Zölle, Wechselkurse, Subventionen und Industriestandards. Diese würden die Ausfuhren der Partnerländer beflügeln. Sie würden aber auch die US-Industrie zerstören, Jobs vernichten und die Abhängigkeit von ausländischem Kapital erhöhen. Das betonte er schon als junger Unternehmer in den 1980er Jahren. Das sieht er heute genauso. Folglich ist Trump in diesem Punkt eine gewisse Konsequenz nicht abzusprechen. 

Fragwürdige Interpretationen

Dennoch bleibt seine Interpretation der historischen Zölle, die der Präsident am Mittwoch verkündet hat, fragwürdig. Er glaubt, dass der ökonomische Schmerz nur kurzfristig sein wird. Preiserhöhungen würden nicht von Dauer sein, denn die Re-Industrialisierung der Wirtschaft würde die heimische Produktion ankurbeln und auch langfristig die Inflation im Keim ersticken. An eine Rezession will Trump schon gar nicht denken. Der Republikaner kündigte den Mittwoch als „Liberation Day“ an, also als einen Tag der Befreiung. Befreiung von den Fesseln ausländischer Unternehmen und Regierungen, die seiner Ansicht nach die US-Wirtschaft seit Dekaden eiskalt ausnutzen.

Nachvollziehbar ist das Ziel, das chronische Defizit im Außenhandel abzubauen. Fraglich sind aber die Methoden. Ob Trump einen globalen Handelskrieg losgetreten hat, das wird von den Reaktionen der anderen Länder abhängen. Sicher ist aber, dass es in den USA zu einem Inflationsschub kommen wird. Zudem ist eine Rezession nicht auszuschließen, falls ängstliche Verbraucher nun ihr Geld auf die hohe Kante legen und Unternehmen ihre Investitionen drosseln.

Taub gegenüber Beratern

Davon, dass Trump damit zwischen Washington und den wichtigsten Partnerländern eine tiefe Kluft aufreißt, ganz zu schweigen. Der Präsident ist seinen Überzeugungen treu geblieben. Wie so oft denkt er aber nicht an die Konsequenzen und ist auch nicht bereit, auf seine kompetentesten Berater zu hören. Das könnte nun gravierende Folgen haben, und zwar sowohl für die USA als auch für die Weltwirtschaft.