Trump knüpft Zollverhandlungen an Bedingungen
Trump knüpft Zollverhandlungen an Bedingungen
Handelspartner müssen aber etwas „Phänomenales“ anbieten – US-Finanzminister warnt vor Vergeltungsmaßnahmen
lz Frankfurt
US-Präsident Donald Trump hat sich offen für eine Senkung der unlängst angekündigten „reziproken Zölle“ gezeigt – aber nur, falls Länder etwas „Phänomenales“ anbieten würden. „Die Zölle verliehen uns große Verhandlungsmacht“, zeigt er sich an Bord der Air Force One zuversichtlich. Auch China stellte er einen Zollnachlass in Aussicht, allerdings auch hier unter Bedingungen. Peking müsse grünes Licht für den Verkauf des Kurzvideodienstes TikTok geben. Allerdings hat China inzwischen seinerseits Gegenzölle von 34% für US-Produkte verhängt, was eigentlich zu neuerlichen US-Reaktionen führen dürfte. Denn US-Finanzminister Scott Bessent will mögliche Zollnachlässe nur debattieren, falls es keine Vergeltungsmaßnahmen gebe.

Der geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Kristalina Georgiewa zufolge stellen die umfassenden US-Zölle ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft dar. Es sei wichtig, Schritte zu vermeiden, die der Weltwirtschaft weiter schaden könnten, so die IWF-Chefin. Die Zölle hatten rund um den Globus für Empörung gesorgt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief europäische Firmen dazu auf, Investitionen in den USA auszusetzen. In Japan sagte Ministerpräsident Shigeru Ishiba, die Zölle hätten eine „nationale Krise“ heraufbeschworen. Kanadas neuer Regierungschef Mark Carney betonte, die USA hätten ihre einst führende Rolle für internationale Kooperation in der Wirtschaftspolitik aufgegeben.
Prognosen revidiert
Trump zielt mit seinen Zöllen darauf, dass Unternehmen ihre Produktion in die USA verlagern. Dass dies geschieht, bezweifeln indes die Ökonomen der Commerzbank. Angesichts der „teilweise alle paar Tage neuen Volten in der US-Zollpolitik“ sei kaum absehbar, was in vier oder fünf Jahren gelten werde, wenn solche Produktionsstätten ihren Betrieb aufnehmen würden. Bereits vor einigen Wochen hatte die Commerzbank die US-Wachstumsprognose für 2025 von 2,3% auf 2,0% reduziert und veranschlagt aktuell eine Rezessionswahrscheinlichkeit von etwa einem Drittel. Die Helaba revidierte ihre US-Prognose von bisher 2,2% auf 1,7%. Die UBS geht sogar davon aus, dass das Wachstum unter die Ein-Prozent-Schwelle fällt. Bei der Inflation erwartet die UBS eine um zwei Prozentpunkte höher ausfallende Teuerung. Die Helaba hob ihre Prognose für 2025 von 2,8% auf 3,3% an und für 2026 von 2,5% auf 3%.
Rezession in Sicht
Was die Gefahr einer globalen Rezession anbelangt, so beziffert die US-Investmentbank J.P. Morgan die Wahrscheinlichkeit bis zum Jahresende nun auf 60%, nachdem sie zuvor von 40% ausgegangen war. Die Deutsche Bank rechnet damit, dass das Wachstum in der EU um 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte niedriger ausfällt als vorher, in Großbritannien um 0,3 bis 0,6 Punkte. Für Deutschland erwartet die Helaba für 2025 eine Stagnation; für 2026 aber wieder ein Wachstum – allein wegen der steigenden Staatsausgaben infolge der neuen Schuldenpakete.
Trump unter Druck
Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier geht davon aus, dass US-Präsident Donald Trump wegen seiner Zollpolitik innenpolitisch unter Druck kommen wird. Die US-Amerikaner seien nicht bereit, auf Wohlstand zu verzichten, sagte die Ökonomin im Deutschlandfunk. Den USA stehe nun ein „Inflationsschock“ bevor, und der werde der Trump-Regierung zugerechnet werden. Die negative Reaktion der Börsen und Finanzmärkte sei ein deutliches Signal, was die Wirtschaft davon halte. Mit Blick auf die EU hofft Malmendier auf „Verhandlungen statt Eskalation“. Grundsätzlich müsse man jedoch davon ausgehen, dass Trump von seiner Idee, die amerikanische Industrie zu beschützen, nicht abrücken werde. Die Europäer müssten jetzt ihren Binnenmarkt stark machen und noch bestehende Hemmnisse in der EU abbauen. Nötig sei auch eine Kapitalmarktunion.