KommentarVerkauf statt Börsengang

OLB-Verkauf hat zwei Gewinner

Der Verkauf der Börsenkandidatin OLB überrascht. Die Eigentümer wollen in Zeiten weltpolitischer Unwägbarkeiten lieber Transaktionssicherheit.

OLB-Verkauf hat zwei Gewinner

OLB-Verkauf

Ein Deal mit
zwei Gewinnern

Von Carsten Steevens

Der Verkauf der OLB war für die Alteigentümer überfällig. Für die Bank ist der Deal eine Chance.

Geschichte wiederholt sich. Das erlebt gerade die Oldenburgische Landesbank (OLB). Das 1869 gegründete Privatinstitut, das übrigens nichts mit der Sparkassen-Finanzgruppe zu tun hat, sondern den Namen Landesbank erhielt, weil sie einst das Privileg zur Banknotenausgabe hatte und Aktien im Oldenburger Land platzierte, kehrt zurück unter ein Konzerndach. Erst vor sieben Jahren war sie diesem nach dem Verkauf durch die Mehrheitsgesellschafterin Allianz an die Bremer Kreditbank und damit an eine anglo-amerikanische Investorengruppe um Apollo Asset Management entflohen. Nun wird die OLB Teil der französischen Genossenschaftsbank Crédit Mutuel Alliance Fédérale.

Die Transaktion überrascht vielleicht auf den ersten Blick. Denn die einst börsennotierte OLB gilt schon seit einigen Jahren als Kandidatin für einen Börsengang. Spätestens die Berufung des ehemaligen Risikovorstands der Bawag, Stefan Barth, zum Vorstandschef im Jahr 2021 hatte Spekulationen genährt, die OLB könne dem Muster der einstigen österreichischen Gewerkschaftsbank folgen. Der auch im deutschen Bankenmarkt präsente US-Finanzinvestor Cerberus hatte die 2006 fast pleite gegangene Bawag 2017 zusammen mit dem Co-Investor Golden Tree an die Wiener Börse gebracht und weitere Anteile später mit Gewinn verkaufen können.

Zu viele Verwerfungen

Dass sich die OLB-Eigentümer nun gegen eine Platzierung von Anteilen des Instituts an der Börse entschieden haben, ist mit einem höheren Maß an Transaktionssicherheit zu erklären, der sich ihnen in Anbetracht weltpolitischer Unsicherheiten, volatiler Aktienmärkte und einem eisigen IPO-Klima durch einen Verkauf der Bank auf einen Schlag bot. Zuvor hatten sie bereits einige Geduld aufbringen müssen. Marktverwerfungen nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 sowie im Zuge der Pleite der Silicon Valley Bank in den USA und der Turbulenzen bei der Credit Suisse 2023 hatten bereits Pläne für ein IPO zu einem früheren Zeitpunkt durchkreuzt.

Für die Private_Equity-Eigner war ein Exit nach acht Jahren überfällig. Für die OLB ist der Deal eine Chance. Der einstigen Regionalbank, die zuletzt durch Übernahme der Degussa Bank 2024 ihre bundesweite Präsenz verstärkt hat und als Spezialfinanzierer in lukrativen Nischen unterwegs ist, bieten sich neue Wachstumsmöglichkeiten. Crédit Mutuel übernimmt ein renditestarkes Haus und kann durch Kombination komplementärer Geschäfte ihr Wachstum in Deutschland forcieren.