Neuer Commerzbank-Betriebsratschef gibt sich angriffslustig
Neue Töne aus
Commerzbank-Betriebsrat
lee Frankfurt
Sascha Uebel, neuer Gesamt- und Konzernbetriebsratschef und stellvertretender Aufsichtsrat der Commerzbank, hat den Widerstand der Arbeitnehmer gegen eine Übernahme durch die Großbank Unicredit bekräftigt. In einem dpa-Interview kündigte der 49-Jährige an, den Italienern im Zuge des „schmerzhaften“ Job-Abbaus möglichst viele Steine in den Weg zu legen. Der mit dem Vorstand abgeschlossene Transformationsvertrag gelte bis zum 30. Juni 2028, „daran ist für Andrea Orcel nichts zu rütteln. Er kann im Falle einer Übernahme nicht 2027 kommen und den Abbau von 3.000 weiteren Jobs verkünden“.
Neue Aufgabenteilung mit Verdi
Der erbitterte Widerstand der Commerzbank-Belegschaft gegen die Avancen aus Italien sind an sich nicht neu. Mit seinem kampfeslustigen Auftritt hebt sich Uebel jedoch deutlich von seinem Vorgänger Uwe Tschäge ab, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen ist. Letzterer äußerte sich eher selten öffentlich und wählte seine Worte dabei mit Bedacht. Das Poltern auf der großen Bühne überließ er lieber anderen. Zum Beispiel dem Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat, Stefan Wittmann. Auch er hat die Commerzbank zum Jahresende verlassen und Platz für seinen Verdi-Kollegen Kevin Voß gemacht.
Partisanen-Rhetorik
Uebels Ansage in Richtung Mailand erinnert an Partisanen-Rhetorik. „Wir machen den Weg, den Orcel im Kampf mit uns gehen muss, maximal matschig und tief“, sagt der aus Offenbach stammende Arbeitnehmervertreter, der vor gut zwei Jahrzehnten von der Volksbank Dreieich zur Commerzbank kam, wo er zunächst als Vertriebsbetreuer im Firmenkundengeschäft arbeitete. 2008 übernahm er die Leitung der Filiale Hofheim und Bad Soden, bis er sich 2016 für die Betriebsratstätigkeit freistellen ließ. Der Chef der italienischen HVB-Mutter unterschätze das starke Mitbestimmungsrecht in Deutschland, glaubt Übel und prophezeit: „Er wird sich bei den Verhandlungen mit uns die Zähne ausbeißen.“
„Kaskade von Hürden“ vereinbart
Die rund 700 Mill. Euro teure Vereinbarungen zum Abbau von bis zu 4.000 Stellen enthalten Uebel zufolge eine „Kaskade von Hürden“. So sei darin etwa verankert, dass den Beschäftigten regional zumutbare Arbeitsplätze angeboten werden müssen, damit sie zum Beispiel nicht nach München versetzt werden könnten: „Damit sind betriebsbedingte Kündigungen faktisch unmöglich.“
Jeder Vorruhestand kostet 380.000 Euro
Anders als bei „diversen Übernahmen der Unicredit“ seien die Vorruhestandsregelungen zudem nicht bei 300.000 Euro gedeckelt. Jeder Vorruhestand koste die Commerzbank im Schnitt 380.000 Euro, brüstete sich Uebel. Wie schon beim letzten Stellenabbau sind demnach zudem „Sprinterprämien“ in Höhe von 50.000 Euro vereinbart. Beschäftigte, die noch 2025 eine Altersteilzeitvereinbarung unterschrieben, könnten damit bis 2027 quasi abschlagsfrei in Rente gehen. „Am Ende wollen wir mit maximal 400 Aufhebungsverträgen auskommen.“