Dax lässt Bankensorgen weit hinter sich
An den Märkten nahm die Angst vor größeren Verwerfungen in der Bankenbranche weiter ab, die den Dax am Montag zunächst kurz auf ein Tief seit Anfang Januar gedrückt hatte.
Gegen Dienstagmittag baute der Leitindex sein Plus mit 15.192,72 Punkten auf 1,74% aus. Der MDax gewann 1,87% auf 27.089,21 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,8% hoch.
Nach dem ersten Schock wegen der notwendigen Credit-Suisse-Rettung hatte sich der Dax bereits zu Wochenbeginn stark erholt. Auch im Bankensektor hatte letztlich die Erleichterung dominiert, dass größere Verwerfungen vermieden wurden. Diese Erleichterung hatte am Dienstag Bestand, wie die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank zeigten. Sie erholten sich an der Dax-Spitze nochmals um bis zu 7,1%. Der europäische Bankensektor legte um knapp vier Prozent zu. Im März hat der Branchenindex rund 14 Prozent verloren.
Rätselraten über Fed-Entscheidung
Auch die Aussicht auf ein gedrosseltes Zinserhöhungstempo der US-Notenbank galt als Faktor, der Anleger wieder anlockte. Wenn die Fed am Mittwoch den Zinsentscheid bekannt geben wird, dürften die Währungshüter wegen der jüngsten Turbulenzen im Bankensektor vorsichtiger werden, so der Glaube der Anleger. Laut der Commerzbank preist der Markt nicht einmal mehr einen Zinsschritt um 25 Basispunkte voll ein.
Commerzbank-Expertin Antje Praefcke vergleicht den US-Zinsentscheid aber mit einem Griff in die Pralinenschachtel. „Meines Erinnerns nach gingen die Erwartungen vor einer Zinssitzung der Fed noch nie so weit auseinander, von 0 über 25 bis 50 Basispunkte“, schrieb sie am Morgen. Sie glaubt, dass selbst die Notenbanker noch nicht so recht wissen, was der beste Weg ist: Hätten sie einen Wunsch frei, so wäre es ihnen vermutlich lieber, „diese Woche keine Sitzung zu haben“.
Neben den Finanzwerten blieb die Rheinmetall-Aktie nach ihrem Dax-Aufstieg auf Bergfahrt. Der Kurs steuerte hier mit plus 3,8% den zwei Wochen alten Rekord an. Der Rüstungskonzern gilt als wichtiger Profiteur steigender Verteidigungsausgaben und der Munitionslieferungen an die Ukraine.
Mit 2,2% Plus lagen die RWE-Aktien im Dax-Mittelfeld. Mit Blick auf den finalen Jahresbericht des Energiekonzerns erwähnten Händler solide Jahresziele für 2023 positiv. Im Detail galt dies auch für den Dividendenausblick: Mit einem Euro solle die Auszahlung für 2023 höher ausfallen als bisher von Analysten gedacht.
Viele Gewinner und wenige Verlierer
Besonders gut kam der Ausblick von Amadeus Fire an, die Titel zogen an der SDax-Spitze um fast 8% an. Der Personaldienstleister erwartet im neuen Geschäftsjahr weitere Zuwächse bei Umsatz und operativem Ergebnis. Die Aktionäre sollen für 2022 außerdem eine deutlich höhere Dividende erhalten.
Pfeiffer Vacuum waren mit einem Abschlag von 0,9% einer der wenigen Verlierer im SDax. Der Vakuumpumpen-Spezialist rechnet wegen höherer Kosten in diesem Jahr mit weniger Gewinn im Tagesgeschäft. Laut Händlern enttäuscht der Ausblick margenseitig.
Thyssenkrupp gehörten dagegen mit 6,6% zu den MDax-Gewinnern. Hier rückt nach einem „Handelsblatt“-Artikel die Zukunft der Stahlsparte in den Blick. Darin heißt es, die mit dem Verkauf beauftragte Investmentbank Goldman Sachs habe mit dem Finanzinvestor CVC immerhin einen Interessenten gefunden. Auch wenn nur ein symbolischer Betrag von einem Euro im Raum stehe, komme wieder neuer Schwung in die Angelegenheit, erwähnte ein Händler positiv.
Nachrichten gab es noch von Vantage Towers, hier ging es um 0,3% bergab. Wenig überraschend sollen die Aktien der Ex-Vodafone-Tochter nach nur etwas mehr als zwei Jahren Börsennotiz wieder vom Kurszettel verschwinden. Der Vorstand des Unternehmens habe mit dem neuen Eigentümer Oak Holdings einen Vertrag über den Rückzug von der Börse abgeschlossen, teilte der derzeit noch im MDax gelistete Funkturmbetreiber mit.