Private Equity

Gerresheimer-Milliardendeal droht zu platzen

Der Kurs von Gerresheimer ist am Freitag eingebrochen. Damit reagiert die Aktie auf den Rückzug von KKR aus dem Konsortium der Bieter für die Pharmaverpackungsfirma.

Gerresheimer-Milliardendeal droht zu platzen

Gerresheimer-Milliardendeal droht zu platzen

Finanzinvestor KKR wendet sich ab – Kurs des Medikamentenverpackers bricht ein – Lage für Private Equity wird durch US-Zölle noch schwieriger

ab/cru Köln/Frankfurt

Der milliardenschwere Verkauf des Medikamentenverpackungskonzerns Gerresheimer droht zu platzen. Im März hatten mehrere Finanzinvestoren indikative Angebote für das Unternehmen aus Düsseldorf abgegeben, darunter auch ein Konsortium aus den Private-Equity-Firmen KKR, Warburg Pincus und dem Staatsfonds Adia aus Abu Dhabi. Jetzt hat sich KKR laut Finanzkreisen zurückgezogen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg zuerst berichtet hat. KKR selbst lehnte auf Anfrage einen Kommentar dazu ab.

Für KKR ist das augenscheinliche Platzen des Deals ein weiterer Rückschlag. Der Kurs des US-Finanzinvestors hat seit Dezember bereits um 30% nachgegeben. In Deutschland ist KKR unter Europachef Philipp Freise gerade dabei, sich vom Mediengeschäft des Springer-Konzerns zu trennen, nachdem die Reputationsrisiken gewachsen sind. Auch der in der Pandemie teuer eingekaufte und hoch verschuldete Fahrradhersteller Accell aus den Niederlanden bereitet zunehmende Schwierigkeiten und hat nach Qualitätsproblemen an Wert verloren.

Euphorie verflogen

Nach der anfänglichen Euphorie der Private-Equity-Branche über Donald Trump stiegen die Deals und Exits bei sinkenden Zinsen und eingedämmter Inflation kurzfristig an. Jetzt macht sich Ernüchterung angesichts der drohenden Stagflation breit, die Exits zusätzlich erschwert. Der Ausstieg per IPO misslingt oft. Zuletzt haben Bain und Cinven das IPO von Stada vorerst abgeblasen.

Flaute beim Fundraising

Auch der Kapitalzustrom aus dem Fundraising beginnt, schmaler zu werden. Weil die Finanzinvestoren in der Exit-Flaute kaum Kapital an ihre institutionellen Geldgeber zurückgezahlt haben, sind diese auch knauseriger bei den neuen Zusagen geworden. Der Wert der Ausschüttungen der Private-Equity-Branche an Investoren schrumpfte laut Bain-Report im Jahr 2024 auf den niedrigsten Stand seit über zehn Jahren. Zudem beschränkt der wegen sinkender Aktienkurse steigende Private-Equity-Anteil an den Portfolios das Fundraising-Potenzial.

Nun tut der Protektionismus der USA ein Übriges. Paul Condra, Global Head of Private Markets Research beim Analysehaus PitchBook in Seattle, kommentiert: „Die Zollpläne bringen wenig Erleichterung für die Private-Equity-Märkte, die bereits unter dem Druck der geringen Exit-Aktivitäten zu kämpfen haben." Die Branche sei nun mit zusätzlichen Risikodimensionen konfrontiert, wenn es darum gehe, das Zollrisiko in den verschiedenen Portfolios zu bewerten, während die zusätzliche Unsicherheit das anhaltende Zögern beim Abschluss von Deals und beim Kapitaleinsatz noch verstärkt.“

Uneins über den Preis

Offenbar konnten sich der Vorstand von Gerresheimer und KKR vor diesem Hintergrund nicht auf einen angemessenen Preis einigen. Der Kurs von Gerresheimer gab am Freitag um zeitweise 15% auf 54,70 Euro nach (Marktkapitalisierung: 1,9 Mrd. Euro). Es ist der niedrigste Kurs seit zweieinhalb Jahren.

Für den Verkauf hatte der Vorstand von Gerresheimer die Kanzlei Hengeler Mueller und Morgan Stanley engagiert. Einen dominierenden Großaktionär hat das Unternehmen nicht. Bei Gerresheimer will man den angestrebten Deal aber so schnell nicht aufgeben: „Wir befinden uns weiter in Gesprächen“, sagte eine Sprecherin des Herstellers von Spezialverpackungen für die Pharma- und Kosmetikindustrie. Ross und Reiter nannte sie nicht. „Ohne offizielle Offerte äußern wir uns nicht." Den Kurssturz, der sich am Freitag beschleunigte, wollte sie ebenfalls nicht kommentieren. Stattdessen verwies sie auf das von der US-Zollthematik belastete Umfeld. Gerresheimer selbst sei von den Zöllen kaum betroffen.

Insider am Werk?

Gleichwohl fällt auf, dass sich der Kurs des MDax-Werts schon seit Mitte März im Rückwärtsgang bewegte. Zu diesem Zeitpunkt war der enttäuschende Ausblick auf 2025 längst eingepreist. Bei der Bilanzvorlage hatte Gerresheimer zudem davor gewarnt, dass das organische Wachstum im ersten Quartal schwach ausfallen werden. Der Zwischenbericht wird am 11. April vorgelegt. In Reaktion auf die jüngste Entwicklung nahm DZ-Bank-Analyst Sven Kürten die Aktie von der Liste der „Equity Long Ideas“: „Grundsätzlich wird mit dem Rückzug eine Übernahme von Gerresheimer zu einem attraktiven Preis – die wir als Grund für die Aufnahme in unsere Topliste gesehen hatten – weniger wahrscheinlich.“

Der Kurs von Gerresheimer ist am Freitag um zeitweise 15% auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren eingebrochen. Damit reagiert die Aktie auf den Rückzug von KKR aus dem Konsortium der Bieter für die Pharmaverpackungsfirma. Für den US-Finanzinvestor ist der augenscheinlich geplatzte Deal ein Rückschlag.

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