Im Gespräch: Oliver Gloden und Boris Schlimbach, Schloss Wachenheim

Schloss Wachenheim baut margenstarkes Geschäft mit entalkoholisierten Getränken aus

Der Getränkeproduzent Schloss Wachenheim, bekannt u.a. für die Sektmarke "Faber", baut das Geschäft mit entalkoholisierten Getränken wie "Light live" und dem Kinderparty-Getränk "Robby Bubble" aus. Weil der Konzern mit der bestehenden Entalkoholisierungsanlage an Kapazitätsgrenzen stoße, wird in eine zweite investiert. Betriebswirtschaftlich ist das sinnvoll, denn „unsere entalkoholisierten Getränke sind margenstärker als die alkoholhaltigen“, sagt Vorstandssprecher Oliver Gloden im Gespräch mit der Börsen-Zeitung.

Schloss Wachenheim baut margenstarkes Geschäft mit entalkoholisierten Getränken aus

Im Gespräch: Oliver Gloden und Boris Schlimbach

Wachenheim setzt auf entalkoholisierte Getränke

Die Vorstände des Sektherstellers über Nachfrageverschiebungen, Margen und Preiserhöhungen

Von Martin Dunzendorfer, Frankfurt

Der Name lässt eher an ein Ausflugsziel als an ein börsennotiertes Unternehmen denken. Tatsächlich ist Schloss Wachenheim aber in erster Linie ein Hersteller von Sekt, Schaum- und Perlweinen sowie anderen Getränken. Das gleichnamige kleine Barockschloss im pfälzischen Wachenheim, das bis heute dem Konzern gehört, gilt zwar als Kulturdenkmal, die historischen Räumlichkeiten werden aber als Büros und für Tagungen oder Seminare genutzt. Die Marke „Schloss Wachenheim“ ist nicht einmal einer der großen Umsatzbringer, verrät Oliver Gloden, Vorstandssprecher des Getränkekonzerns, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Der Sekt ist – wie andere Marken im Portfolio, etwa „Nymphenburg“ und „Schweriner Burggarten“ – regional geprägt und wird daher vor allem in der Pfalz samt Umgebung vertrieben; „im gedachten geografischen Dreieck zwischen Trier, Frankfurt und Karlsruhe“, wie Gloden sagt.

Oliver Gloden (47), seit Juli 2016 Vorstandssprecher von Schloss Wachenheim. Er verantwortet neben Marketing, Technik/Produktion und Einkauf u.a. auch Logistik, Produktentwicklung, Public Relations sowie Akquisitionsplanung/M&A. Foto: Schloss Wachenheim

Werbung regional und zielgruppenorientiert

Wegen der regionalen Ausrichtung mache der Konzern z.B. auf dem rheinland-pfälzischen Hörfunksender RPR1 Werbung für „Schloss Wachenheim“. Wie der Vorstandssprecher ausführt, „werben wir zielgruppenorientiert: So haben wir mehrere Jahre TV-Sponsoring für „Robby Bubble“ im Umfeld der Sat.1-Show „The Voice Kids“ gemacht. Entsprechendes gilt für „Light live“; die Marke richtet sich vorrangig an Frauen im Alter von 25 bis 45 Jahren.“ Diese drei Marken hätten die größten Werbebudgets für den deutschen Markt. Allerdings stellt Gloden klar: „Wir arbeiten im Preiseinstiegsbereich. Produkte wie „Faber“ lassen bei diesen Preisen keine hohen Werbeausgaben zu.“

In Trier befindet sich die Konzernzentrale, seit – nach turbulenten Jahren in den frühen 1990ern – die Sektkellerei Schloss Wachenheim AG von der Trierer Sektkellerei Faber und deren Mehrheitseigentümer, der Familie Reh, zunächst übernommen und 1996 auf Schloss Wachenheim verschmolzen wurde.

Standortkonzentration belastet

Im Geschäftsjahr 2022/23 (30. Juni) hat der Konzern 426 (i.V. 384) Mill. Euro umgesetzt und einen operativen Gewinn (Ebit) von 27,4 (29,2) Mill. Euro erzielt. Den Ergebnisrückgang erklärt Gloden in erster Linie mit den Einmalkosten durch die Verlagerung der Produktionskapazitäten innerhalb Frankreichs von Wissembourg im Elsass auf den bestehenden Standort Tournan-en-Brie, südlich von Paris.

Gründe für die Standortkonzentration im Bereich Tankgärung seien rückläufige Absatzvolumina im französischen Teilkonzern in den letzten Geschäftsjahren sowie die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Preise für Rohstoffe und Energie gewesen.

Boris Schlimbach, im Vorstand u.a. für die Finanzen zuständig, geht ins Detail: „2022/23 haben wir für die Produktionsverlagerung innerhalb Frankreichs Kosten von knapp 4,5 Mill. Euro verbucht, im Wesentlichen für Verpflichtungen aus dem Sozialplan. Im laufenden Geschäftsjahr werden rund 1,2 Mill. Euro für den Umzug unserer mehr als 70 Tanks sowie von Maschinen von Wissembourg nach Tournan-en-Brie hinzukommen.“

Die Absatzmenge – eine in der Branche stark beachtete Größe – lag 2022/23 bei 234 (235) Millionen 0,75-Liter-Flaschen. Im laufenden Turnus erwartet der Vorstand konzernweit eine stabile bis leicht rückläufige Absatzmenge sowie ein Umsatzwachstum von rund 5%. Für das operative Ergebnis wird eine Zielspanne von 28 bis 30 Mill. Euro genannt, der Jahresüberschuss soll zwischen 19 und 21 (19) Mill. Euro liegen – „wobei wir aufgrund der Entwicklungen in den ersten neun Monaten davon ausgehen, dass die entsprechenden Kennzahlen für 2023/24 jeweils im unteren Bereich dieser Bandbreiten liegen werden“, wie es im jüngsten Zwischenbericht heißt.

Schloss Wachenheim
Konzernzahlen nach HGB9 Monate9 Monate
in Mill. Euro2023/24*2022/23*
Flaschenabsatz in Mill. (je 0,75 Liter)170179
Umsatz337,9322,5
davon:
Ostmitteleuropa162,9144,9
Deutschland109,5107
Frankreich7178
Rohertrag139136,1
Ebitda34,534,4
Operatives Ergebnis (Ebit)20,721,7
davon:
Ostmitteleuropa1818
Deutschland3,85,5
Frankreich-1,1-1,7
Periodenüberschuss13,615,2
Überschuss nach Anteilen Dritter6,18,3
Operativer Cashflow17,217,5
Investitionen (Capex)17,27,5
Eigenkapitalquote (%)54,655,7
*) 1. Juli bis 30. Juni
Quelle: Zwischenbericht von Schloss Wachenheim

„Der Sektmarkt in Deutschland stagniert bzw. ist leicht rückläufig", sagt Gloden – wobei zu berücksichtigen ist, dass sich Schloss Wachenheim in drei Teilkonzerne gliedert: Deutschland, Frankreich und Ostmitteleuropa, „wo wir in Polen, Tschechien, Slowakei und Rumänien aktiv sind“, wie Boris Schlimbach ausführt, der im Vorstand u.a. für die Finanzen zuständig ist. Ostmitteleuropa steuerte 2022/23 fast 44% zum Konzernumsatz bei, Deutschland rund 32% und Frankreich knapp ein Viertel.

Umsatzanteil „normaler“ Weine knapp unter 30 Prozent

Aufgeteilt nach Produktgruppen machten Sekt, Schaum- und Perlwein im vergangenen Geschäftsjahr knapp die Hälfte des Umsatzes aus. Mit einigem Abstand folgen die Stillweine – also „normale“ Weine – mit knapp 29% und sonstige Getränke, vor allem entalkoholisierte, mit einem Viertel der Konzernerlöse.

Je nach Teilkonzern ist die Nachfrage stark unterschiedlich. In Deutschland setze sich der Umsatz zusammen aus 40% Sekt, inklusive Perlweine, sowie einem Viertel Stillweine, die hauptsächlich direkt an Verbraucher verkauft werden. Der Rest entfalle größtenteils auf entalkoholisierte Getränke sowie die Kinderparty-Marke „Robby Bubble“. Wie Schlimbach weiter ausführt, stammen in Frankreich die Erlöse nahezu ausschließlich aus dem Geschäft mit Sekt und Schaumwein. „In Ostmitteleuropa haben die Stillweine einen Umsatzanteil von fast 50%. Sekte, Schaumweine und Perlweine kommen dort auf rund ein Viertel.“ Der Rest sei breit gefächert.

Die Rohertragsmarge lag 2022/23 konzernweit bei 42%. „Auf diesem Niveau liegt der Teilkonzern Ostmitteleuropa“, sagt Schlimbach und schlüsselt weiter auf: „In Frankreich sind wir bei 37% und in Deutschland bei rund 43%.“

Diversifizierung in alkoholfreie Getränke

„Gegen den leichten Abwärtstrend im Sektkonsum stemmen wir uns durch Diversifizierung – insbesondere durch Entwicklung von Produkten und Kategorien, die nicht nur das klassische Sektumfeld bedienen“, so Gloden. Große Hoffnungen setzt der Vorstand auf entalkoholisierte Getränke. „In Deutschland dominiert unsere Marke „Light live“, ein alkoholfreier Wein und Sparkling", wie Gloden berichtet. „Es folgt „Robby Bubble“; diese Kinderparty-Marke ist auch in einigen Ländern Ost- und Mitteleuropas sehr beliebt.“ Hierzulande sei auch noch „Faber“ wichtig, "obwohl die Bedeutung der Marke über die Jahre abgenommen hat, während gerade in Deutschland die entalkoholisierten Getränke an Gewicht gewonnen haben“, sagt Gloden.

„Unsere entalkoholisierten Getränke sind margenstärker als die alkoholhaltigen.“

Oliver Gloden, Vorstandssprecher von Schloss Wachenheim

Dass der Markt für entalkoholisierte Getränke wächst – „nicht nur in Deutschland, sondern auch in Skandinavien, den Niederlanden und Großbritannien“, wie Gloden sagt –, ist aus Renditegesichtspunkten gut für Schloss Wachenheim. Denn „unsere entalkoholisierten Getränke sind margenstärker als die alkoholhaltigen“. Weil der Konzern mit der bestehenden Entalkoholisierungsanlage an Kapazitätsgrenzen stoße, „investieren wir gerade in eine zweite“.

Boris Schlimbach (50), seit Juli 2016 Vorstandsmitglied von Schloss Wachenheim. Er verantwortet neben Finanzen, IR und Personal u.a. auch Controlling, IT, Steuern, Rechtssachen sowie Risiko- und Compliance-Management. Foto: Schloss Wachenheim

„Im Preiseinstieg positioniert“

„Wir sind im Preiseinstiegsbereich positioniert“, sagt Schlimbach. Eine Flasche „Faber“-Sekt kostet im Webshop des Konzerns 3,70 Euro, eine Standard-Flasche „Schloss Wachenheim“ 4,50 bis 6,50 Euro. „Mit Ausnahme einer Kette sind wir Partner aller großen Lebensmittel-Einzelhändler in Deutschland, u.a. von Edeka, Rewe, Aldi und Lidl“, ergänzt Gloden. In Deutschland liege der Umsatzanteil der Konzernmarken bei 60%; der Anteil von Getränken, die an Lebensmittel-Einzelhändler verkauft werden und die diese unter ihren Handelsmarken veräußern, bei 40%.

Auch für Schloss Wachenheim haben sich die Kosten erhöht. Zuletzt habe man eine Preiserhöhung ab Februar dieses Jahres im Handel durchgesetzt. „Sie liegt im Schnitt bei 10 bis 15%“, sagt Gloden. „Im Moment ist keine weitere Preiserhöhung geplant, denn das war schon die dritte Erhöhung in den vergangenen zwei Jahren. Weitere Kostensteigerungen versuchen wir durch günstigeren Einkäufe zu kompensieren.“

„Wir können ja nicht noch Geld an unsere Flaschen drankleben.“

Oliver Gloden, Vorstandssprecher von Schloss Wachenheim

Mit einer Lebensmittelkette, die großflächige Läden betreibt, sei der Konzern nicht handelseinig geworden. „Dort stehen unsere Produkte jetzt nicht mehr im Regal“, so Gloden. „Aber wir können ja nicht noch Geld an unsere Flaschen drankleben. Gewisse Preiserhöhungen mussten wir bedingt durch höhere Kosten für Rohstoffe, Energie und Personal durchsetzen.“

Wein aus Deutschland ist zu teuer für Sekt im Preiseinstiegsbereich

Der Hauptkostentreiber sei jedoch Wein – das Ausgangsprodukt in der Sektproduktion. Im Teilkonzern Deutschland liege der Anteil der Weine, die aus Spanien und Italien kommen, bei 95%. „Ins Verhältnis gesetzt, kommt Spanien dabei auf 70% und Italien auf 30%“, sagt Gloden. Der geringe Anteil deutscher Weine zur Sektherstellung liege an der mangelnden Verfügbarkeit in der benötigten Menge und den hohen Preisen. „Wir bewegen uns mit unseren Produkten im Preiseinstiegsbereich – das könnten wir nicht machen, wenn wir zu den in Deutschland geforderten Weinpreisen einkaufen würden.“

Immerhin wird nicht alles teurer: „Glas ist wieder günstiger geworden“, berichtet Gloden, schränkt jedoch ein: „Der Preis ist aber nicht auf das Niveau zurückgekommen, das vor dem Krieg in der Ukraine bestand.“ In der Regel schließe der Konzern Kalenderjahreseinkaufskontrakte mit den Materiallieferanten ab. Dies betreffe Glas, aber auch Kartonagen und andere Rohwaren. 

Auch in Krisenzeiten stoßen Verbraucher zu besonderen Anlässen gern mit Sekt an. Foto: Schloss Wachenheim

Die verbreitete These, dass in Krisen im Konsumgüterbereich gerade billige Produkte weniger nachgefragt werden, weil sich Verbraucher zwar bei großen Ausgaben wie Fernreisen oder Autokäufen zurückhalten, sich aber dafür den „kleinen Luxus“ – also z.B. eine teure Flasche Sekt – gönnen, kann Schlimbach nicht bestätigen. „In den vergangenen Krisen haben wir keine Kaufzurückhaltung bei unseren Produkten gespürt", sagt er. „Im Gegenteil: Wir sind sehr gut durch diese Phasen gekommen“, berichtet das Vorstandsmitglied und betont: "Wir sind krisenfest, da die Konsumenten auch und gerade in schwierigen Zeiten ihre kleinen besonderen Momente feiern möchten.“ Dabei würden sie dann auf Produkte mit gutem Preis-Genuss-Verhältnis zurückgreifen.

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