Siemens kauft Softwarefirma für 5 Mrd. Dollar
Siemens steckt Milliarden in die USA
Mit Kauf von Dotmatics erschließt sich der Konzern ein neues Marktsegment
mic München
Kommentar Seite 2 Bericht Seite 9
Siemens kauft erneut ein Unternehmen in den USA. Man übernehme Dotmatics, einen Anbieter von Forschungs- und Entwicklungssoftware im Bereich Life Sciences, teilte der Konzern am Mittwochabend mit. Die Münchner geben 5,1 Mrd. Dollar für die Firma aus, die im Geschäftsjahr 2025 voraussichtlich rund 310 Mill. Dollar erlösen wird. Siemens zahlt das 39-Fache des Ebitda. Verkäufer ist Insight Partners.
Die Aktieninvestoren reagierten – soweit erkennbar – reserviert auf die Transaktion. In einem Handel, der von Kurseinbußen infolge der US-Zölle geprägt war, verlor die Siemens-Aktie bis zum Nachmittag 5%. Damit stand sie mehr als doppelt so stark im Minus wie der Dax 40 im Schnitt.
Neues Segment
Mit dem Zukauf steigt Siemens innerhalb der Pharmasparte in die Software für Forschung und Entwicklung ein. Dotmatics verbinde Wissenschaft, Daten und Entscheidungsprozesse, hieß es. In Life Sciences ist der Konzern als einzigem F&E-Markt nicht relevant vertreten. „Mit der Akquisition von Dotmatics stärken wir strategisch unsere Position im Bereich Life Sciences“, lässt sich Vorstandsvorsitzender Roland Busch zitieren.
Der adressierbare Gesamtmarkt für Industriesoftware von Siemens, der aktuell 68 Mrd. Euro betrage, werde so um 11 Mrd. Dollar erweitert, hieß es. Davon entfielen 9 Mrd. Dollar auf Pharma und 1,5 Mrd. Dollar auf angrenzende Gebiete wie Biotreibstoffe. Der Zukauf ist auf Expansion ausgelegt: Mittelfristig würden Umsatzsynergien von rund 100 Mill. Dollar pro Jahr erwartet, die sich langfristig auf mehr als 500 Mill. Dollar steigern würden.
Arzneimittelbedarf wächst
Der Bereich Life Sciences unterliege strukturellen Veränderungen wie dem steigenden Arzneimittelbedarf durch eine alternde Gesellschaft und einem verbesserten Zugang zur Gesundheitsversorgung, neuen Behandlungsmöglichkeiten sowie der Notwendigkeit verstärkter Kooperation und Transparenz entlang komplexer Wertschöpfungsketten, begründete Siemens die Transaktion. Es werde erwartet, dass sich die Ausgaben für Software in den nächsten fünf Jahren verdoppelten.