Deutsche Bank steigt bei BPM ein
Übernahmeschlachten in Italien
Ja zu höherem Anima-Angebot
BPM-Aktionäre votieren klar für eine Aufstockung der Offerte
Von Gerhard Bläske, Mailand
bl Mailand
Die Chancen der HVB-Mutter Unicredit in der Übernahmeschlacht um Italiens drittgrößte Bank BPM verschlechtern sich. Eine Hauptversammlung der BPM billigte die Aufstockung der Offerte des Instituts für den Vermögensverwalter. Das sieht Unicredit kritisch. Unklar sind die Absichten des BPM-Großaktionärs Crédit Agricole.
Die Aktionäre der drittgrößten italienischen Bank BPM haben dem aufgestockten Angebot der Geschäftsführung für den Vermögensverwalter Anima mit überwältigender Mehrheit zugestimmt. Bei einer Anwesenheit von 56,6% des Kapitals votierten 97,64% der Anteilseigner für die höhere Offerte. Die Bank hatte das Angebot kürzlich von 6,2 Euro je Aktie auf 7 Euro erhöht. Außerdem hatte die BPM die Bedingung aufgegeben, Anima nur dann zu übernehmen, wenn die vorteilhaften EU-Eigenkapitalregelungen des „Danish compromise“ akzeptiert werden. Danach müssen Beteiligungen von Banken an Kapitalinstrumenten von Versicherern, die demselben Finanzkonglomerat angehören, nicht vom Eigenkapital abgezogen werden, sondern können mit einem Risikogewicht versehen werden. Schließlich soll die Integration bereits mit einer Zustimmung von 45% des Anima-Kapitals erfolgen.
Geringere Chancen für Unicredit
Mit der von der Hauptversammlung gebilligten Aufstockung, der auch BPM-Großaktionär Crédit Agricole zustimmte, sowie aufgrund von Veränderungen im BPM-Aktionärskreise verschlechtern sich die Chancen der HVB-Mutter Unicredit, die BPM zu übernehmen. Die HVB-Mutter hatte im November eine Offerte über 10,1 Mrd. Euro für das Institut vorgelegt. Unicredit hat Vorbehalte gegen die Erhöhung des BPM-Angebots für Anima angemeldet und will in diesem Fall womöglich auf eine Übernahme verzichten.
Der BPM-Aktienkurs ist seit der Vorlage des Unicredit-Angebots im November deutlich gestiegen: Die Kapitalisierung der drittgrößten italienischen Bank beträgt inzwischen 14,5 Mrd. Euro. Ohne eine deutliche Aufstockung hat Unicredit praktisch keine Chance, zum Erfolg zu kommen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Deutsche Bank am 27. Februar den Kauf von 5,2% an der BPM mitgeteilt hat. Die Beteiligung werde im Auftrag Dritter gehalten, teilte das Institut mit. Auch sie stimmte bei der Hauptversammlung der Aufstockung des Angebots für den Vermögensverwalter zu.
Von strategischer Bedeutung
Die Chancen der BPM, Anima übernehmen zu können, haben sich damit deutlich verbessert. Denn bereits zuvor hatten die Anima-Aktionäre Post und FSI sowie Teile der Anima-Geschäftsführung erklärt, der verbesserten Offerte zuzustimmen. Zusammen mit den bereits erworbenen Anteilen würde die BPM damit bereits 44,8% des Vermögensverwalters kontrollieren.
BPM-CEO Giuseppe Castagna erklärte im Anschluss an die Aktionärsversammlung, die geplante Übernahme sei auch für die Anima-Anteilseigner wertschöpfend. Das Projekt sei von strategischer Bedeutung. Die Integration solle nun so schnell wie möglich erfolgen. Bei Anwendung des Danish Compromise bleibe die Kernkapitalquote bei etwa 15%, andernfalls gehe sie auf 13 bis 13,5% zurück. Laut Unicredit könnte die Kernkapitalquote um bis zu 268 Basispunkte sinken.
Unklar sind jedoch die Absichten der Crédit Agricole. Die Franzosen haben über Derivate weitere 5% an der BPM erworben und kontrollieren nun 15%. Bei der Europäischen Zentralbank haben sie um eine Genehmigung ersucht, auf bis zu knapp 20% zu erhöhen.
Vereinbarungen bewahren
Womöglich will der Crédit Agricole damit seine strategische Verhandlungsposition gegenüber Unicredit verbessern. Das Institut, das auch eine Reihe von kleineren italienischen Instituten in Mittelitalien kontrolliert, hat Interesse, die 2027 auslaufende Vereinbarung seines Vermögensverwalters Amundi mit Unicredit zu verlängern. Die HVB-Mutter will die Vereinbarung eigentlich kündigen oder zumindest modifizieren. Außerdem will der Crédit Agricole die Zusammenarbeit mit der BPM bei Konsumentenkrediten und Versicherungen fortsetzen. Unicredit-CEO Andrea Orcel hat Kontakte mit dem Crédit Agricole bestätigt.