Unicredit-CEO will mit Commerzbank „Vorsprung auf Wettbewerber ausbauen“
Orcel setzt auf Commerzbank als Wachstumstreiber
Unicredit-CEO stellt sich auf langen Übernahmeprozess ein – BPM weiter im Visier
bl Mailand
Unicredit-CEO Andrea Orcel sieht die geplante Übernahme der italienischen Bank BPM und eine mögliche Akquisition der Commerzbank als Möglichkeiten, „unser Wachstum zu beschleunigen und den Vorsprung auf unsere Wettbewerber auszubauen“. Bei der Vorstellung des Zahlenwerks für 2024 betonte der Chef der HVB-Mutter erneut, dass Zukäufe das Szenario einer Stand-alone-Basis verbessern und „unsere strengen strategischen und finanziellen Kriterien“ erfüllen müssten.
EZB-Genehmigung binnen Tagen erwartet
Unicredit hat 28% der Commerzbank übernommen. 9,5% werden direkt, der Rest über Finanzinstrumente gehalten. Eine Genehmigung der EZB, bis zu 30% der Anteile zu halten, wird für die nächsten Tage erwartet. Orcel rechnet damit, dass eine mögliche Übernahme noch viele Monate oder Jahre dauern wird. Man werde nichts unternehmen, bevor in Deutschland eine neue Bundesregierung im Amt sei und grünes Licht gebe. Das könne drei bis fünf Monate dauern. Dann dauere es weitere neun Monate bis zu einer möglichen Übernahme. „Ich bin optimistisch, alle zu überzeugen“, sagte Orcel. Der CEO schloss aber erneut auch einen Rückzug nicht aus.
Rückkehr nach Polen
Orcel sähe eine Übernahme als Chance, in Deutschland Wert zu schaffen und nach Polen zurückzukehren, wo Unicredit seit dem Verkauf der polnischen Bank Pekao 2016 nicht mehr präsent ist. Die Commerzbank ist dort über die Tochter MBank vertreten.
BPM-Offerte vor Aufstockung?
Der Unicredit-CEO sieht große Potenziale bei der Commerzbank und betrachtet eine mögliche Übernahme nicht als grenzüberschreitenden Zusammenschluss, sondern als innerdeutsche Fusion zwischen der Tochter HVB und der Commerzbank. Es gebe eine riesige „Leistungslücke“ zwischen beiden. Orcel hat Zweifel, dass die Commerzbank ausreichend in Netzwerke und Technologien investiert und dass deren Ziele realistisch sind. Orcel schloss eine Aufstockung des Angebots für die Bank BPM über die derzeitigen 10 Mrd. Euro hinaus nicht aus.
Zusammen werde man eine deutlich bessere Marktposition in Italien erreichen. Es gebe kaum Überlappungen. Die jährlichen Synergien beziffert er vor Steuern auf 1,2 Mrd. Euro. Orcel erwartet keinen Widerstand der Regierung, die das Vorhaben über eine Golden-Power-Regelung verhindern könnte. Er zeigte sich offen für Gespräche mit BPM-Großaktionär Crédit Agricole, der 15% der Anteile hält.
Unicredit hat die Generali-Beteiligung auf 5% erhöht. Es sei weder eine Übernahme noch eine gemeinsame Aktion mit Aktionären wie Caltagirone oder der Holding Delfin der Familie Del Vecchio geplant: „Das ist für uns eine rein finanzielle Investition, die uns signifikante Kapitalgewinne beschert hat.“
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