Erlaubnis der Consob

Unicredit darf den BPM übernehmen

Unicredit hat von der italienischen Finanzmarktaufsicht Consob grünes Licht für die Übernahme des BPM erhalten. Das Vorhaben könnte aber auf diverse Hindernisse stoßen.

Unicredit darf den BPM übernehmen

Consob erlaubt Übernahme

Unicredit darf den BPM übernehmen

Finanzaufsicht stimmt zu – Aber BPM-Aktionär Crédit Agricole darf aufstocken

Von Gerhard Bläske, Mailand
bl Mailand

Unicredit hat von der italienischen Finanzmarktaufsicht Consob grünes Licht für ihr Angebot zur Übernahme von Italiens drittgrößter Bank BPM erhalten. Damit kann die Offerte starten. Vom 28. April bis zum 23. Juni nach Börsenschluss können die BPM-Anteilseigner eine Aktie gegen 0,175 neue Unicredit-Stammaktien tauschen. Das Settlement ist für den 1. Juli geplant. Unicredit hatte die Offerte, die bei dem BPM auf Ablehnung stößt, im November vorgelegt.

Unabhängig von Commerzbank

Die HVB-Mutter betont, dass die geplante Übernahme unabhängig von der Investition bei der Commerzbank erfolgt. An dem deutschen Institut hält Unicredit derzeit etwa 28% der Anteile, davon 18,5% über Derivate. Unicredit hat die Genehmigung erhalten, auf bis zu knapp unter 30% aufzustocken.

Giftpille

Bei der Übernahme des BPM gibt es dennoch Hindernisse für Unicredit. Denn BPM hat ein Übernahmeangebot für den Vermögensverwalter Anima vorgelegt, das noch bis zum 4. April läuft. Bis dato hat nach letzten Informationen knapp unter 50% des Anima-Kapitals der Offerte zugestimmt.

Eine Übernahme des Vermögensverwalters enthielte für Unicredit aber eine Giftpille. Denn die Bankenaufsicht EBA hat eine kapitalschonende Akquisition unter Nutzung des sogenannten Danish Compromise abgelehnt. Der BPM will dennoch an seinem Plan festhalten. Das hätte negative Auswirkungen auf die Kapitalquote des BPM und würde eine Übernahme für die Unicredit weniger attraktiv machen. Die BPM-Kapitalquote könnte um bis zu 268 Basispunkte sinken. Unicredit-CEO Andrea Orcel hat mehrmals darauf hingewiesen, dass eine Übernahme des BPM ökonomisch sinnvoll sein muss. Es werde deshalb sorgfältig geprüft, ob die Bedingungen für eine Übernahme noch stimmten. Er hat nicht ausgeschlossen, darauf zu verzichten.

Bei einer Hauptversammlung in der vergangenen Woche stimmten die Unicredit-Aktionäre der für die Übernahme erforderlichen Kapitalerhöhung aber mit überwältigender Mehrheit zu. Dabei ist der Preis der Transaktion seit der Vorlage der Offerte im November deutlich gestiegen – von etwa 10 auf 15 Mrd. Euro.

Hindernis Crédit Agricole

Ein weiteres Hindernis bei einer BPM-Übernahme ist dessen Großaktionär Crédit Agricole. Die EZB hat den Franzosen gerade die Genehmigung erteilt, ihre Beteiligung von 9,8% auf bis zu 19,9% zu erhöhen. Der Crédit Agricole hält etwa zur Hälfte über Derivate bereits 19,8%, braucht aber auch noch die Zustimmung der Banca d’Italia. Das französische Institut erklärte, kein Übernahmeangebot zu planen, aber langfristig Aktionär bleiben zu wollen. Nach Informationen der Börsen-Zeitung wurde mit Unicredit keine Einigung über eine Übernahme der Crédit-Agricole-Anteile erzielt. Der Crédit Agricole hat mehrere für sie attraktive Kooperationen mit dem BPM.

Synergien erhofft

Unicredit beziffert mögliche Synergien durch eine BPM-Übernahme auf jährlich 1,2 Mrd. Euro. Italiens zweitgrößte Bank würde dadurch vor allem in den wirtschaftsstarken norditalienischen Regionen Lombardei und Venetien ausbauen.

Die Aktien beider Institute gaben am Mittwoch nach. Binnen zwölf Monaten hat der Unicredit-Kurs um rund 48% zugelegt, der von BPM um etwa 53%.

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