Finanzmarktkalender31. März ‒ 4. April

Hannover Messe umwirbt Kanada

Die Weltleitmesse der Industrie öffnet in der kommenden Woche erneut ihre Pforten. Das Timing ist gut, denn das Partnerland Kanada muss sich dank Donald Trumps Zöllen in seiner internationalen Handelspolitik ohnehin gerade neu orientieren. Die Innovationskraft der Kanadier ist aber nicht nur für Europa interessant.

Hannover Messe umwirbt Kanada

31. März – 4. April

Hannover Messe umwirbt Kanada

Die Weltleitmesse der Industrie öffnet in der kommenden Woche erneut ihre Pforten. Das Timing ist gut, denn das Partnerland Kanada muss sich dank Donald Trumps Zöllen in seiner internationalen Handelspolitik ohnehin gerade neu orientieren. Die Innovationskraft der Kanadier ist aber nicht nur für Europa interessant.

Von Karolin Rothbart, Frankfurt

Die Hannover Messe bekommt in diesem Jahr eine ganz besondere geopolitische Dimension. Denn mit dem Partnerland Kanada gastiert vom 31. März bis zum 4. April eine Wirtschaftsnation in Niedersachsen, die angesichts des heftigen Zollstreits mit den USA künftig noch enger an die EU heranrücken könnte. In manchen Teilen der Gesellschaft wird sogar schon ein Beitritt des Landes zum europäischen Staatenverbund diskutiert.

Ob es so weit kommt, sei dahingestellt. Wichtig sei aber in jedem Fall, „eine gemeinsame geo- und wirtschaftspolitische Strategie entschlossen voranzutreiben“, wie Messe-Chef Jochen Köckler im Februar bei einer Vorschau auf die ausstellenden Unternehmen sagte. Dafür habe das Land auch einiges zu bieten: Nicht nur hat es Kanada im vergangenen Jahr in einem Bloomberg-Ranking erstmals auf Platz 1 der weltweit besten Standorte für den Aufbau einer Lieferkette für E-Auto-Batterien geschafft. Auch in anderen für die Industrie entscheidenden Bereichen wie künstliche Intelligenz oder Quantencomputing sei das Land führend. Zudem ist es ein bedeutender Produzent von grünem Wasserstoff.

Codefreies Programmieren gegen den Fachkräftemangel

In Hannover wollen nun mehr als 230 kanadische Aussteller die Innovationskraft ihres Heimatlandes unter Beweis stellen. Eines von ihnen, das 2020 gegründete Start-up Maple Advanced Robotics, hat in diesem Jahr den in der Robo-Community begehrten Robotics Award von der Deutschen Messe verliehen bekommen. Bei dem ausgezeichneten Projekt geht es um codefreies Programmieren – eine Technologie, die gerade kleinen und mittleren Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels neue Möglichkeiten eröffne, wie Annika Raatz von der Leibniz Universität sagte.

Geht es nach dem derzeit hinter Maple Advanced Robotics stehenden Investor – der China Canada Angel Alliance (CCAA) –, sollen allerdings vor allem chinesische Unternehmen von diesen Möglichkeiten profitieren. „Die CCAA widmet sich dem Aufbau eines grenzüberschreitenden Ökosystems für innovative kanadische Unternehmen in der Frühphase, um den heute größten und am schnellsten wachsenden Markt der Welt, nämlich China, zu erschließen“, heißt es auf der Website der 2014 in Toronto gegründeten Organisation.

Die EU ist also nicht der einzige Player, der an der Innovationskraft Kanadas interessiert ist, und die USA nicht das einzige Land mit strategischem Fokus auf wirtschaftspolitischem Eigennutz. Das weiß auch Köckler: In China zeige sich, „dass der Staat seine Industrie massiv unterstützt und den wirtschaftlichen Kurs gezielt steuert“, so der Messe-Chef. Die Hannover Messe wolle vor diesem Hintergrund in den kommenden Jahren „sowohl als technologische Innovationsplattform der europäischen Industrie und ihrer Partner als auch als Impulsgeber für eine stärkere internationale Zusammenarbeit an Bedeutung gewinnen“.