Eskalation im Zollstreit treibt Anleger aus Aktienmärkten
Eskalation im Zollstreit treibt Anleger aus Aktienmärkten
China kündigt Gegenzölle an – Dax verliert bis zu 6 Prozent – Starke Bund-Nachfrage
tom/kjo Frankfurt
Die Aktienmärkte haben ihre Talfahrt am Freitag nicht nur fortgesetzt, sondern sogar noch beschleunigt. Auf Donald Trumps Zoll-Ankündigungen vom Mittwoch folgte am Freitag die Reaktion aus China. Diese war erwartbar, verdarb den Anlegern aber vollends die Laune. In der Spitze verlor der deutsche Leitindex 5,9%. Ähnlich herbe Verluste hatte das Börsenbarometer zuletzt bei Russlands Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 hinnehmen müssen. Aus dem Handel ging der Dax mit einem Abschlag von 5% bei 20.642 Zählern. Auch MDax und Euro Stoxx mussten herbe Verluste hinnehmen. Zuvor hatte bereits der japanische Nikkei 2,6% nachgegeben. Der breiter gefasste Topix verlor sogar 3,4%. Auch an den US-Börsen ging der Ausverkauf am Freitag weiter.
Trump hatte am Mittwoch eine ganz Welle an neuen Zöllen verkündet. Für China sind 34% vorgesehen, für die EU 20%. China schlug nun am Freitag zurück. Auf alle amerikanischen Waren werde ebenfalls ein Zoll in Höhe von 34% fällig. Die Regierung in Peking kündigte zudem Kontrollen für den Export von Seltenen Erden in die USA an. Daraufhin ging der Dax zeitweise in den freien Fall über. Die deutlichen Gewinne von bis zu 17,5%, die sich der deutsche Leitindex seit Anfang 2025 erarbeitet hatte, sind dadurch auf nur noch 4% zusammengeschrumpft. Chinas Gegenmaßnahmen hätten Befürchtungen einer weiteren Eskalation der Zollspirale geschürt, kommentiert Sören Hettler von der DZ Bank: „Eine Flucht in sichere Häfen an den Finanzmärkten ist aktuell die Folge.“ Auch für Thomas Altmann von QC Partners bleibt an den nächsten Handelstagen Vorsicht gefragt. Weitere Kursverluste seien jederzeit vorstellbar.
Bank-Titel geben nach
Besonders unter Druck standen am Freitag Bankaktien. Die Papiere der Deutschen Bank verzeichneten am Dax-Ende zeitweilig zweistellige Verluste. Auch die Commerzbank-Aktie zählte zu den größten Verlierern im Leitindex. Die Bank of America sieht die Branche besonders schlecht vorbereitet auf globale Wirtschaftsturbulenzen.
Die Kehrseite der Entwicklung an den Aktienmärkten zeigte sich bei Bundesanleihen, die verstärkt angesteuert wurden. Die zehnjährige Bundrendite fiel infolge der Flucht in Sicherheit bis auf 2,49% nach 2,64% tags zuvor. Das war der tiefste Stand seit rund einem Monat. Am kurzen Ende der Kurve fiel die zweijährige Rendite unter die Marke von 2%.
Ölpreis rutscht weiter ab
Auch die Ölpreise rutschen immer stärker ab. Brent-Öl stand bis zu 8,5% im Minus bei 64,14 Dollar je Fass. Der Preis für US-Öl WTI stürzte um 9,2% auf 60,81 Dollar je Fass ab.
Kommentar Seite 2
Schwerpunkt Seite 6
Berichte Seiten 5, 9 und 11