Neue US-Handelspolitik

Trumps Zölle sorgen für schwarzen Donnerstag

Die von US-Präsident Donald Trump ausgerufenen neuen US-Zölle schocken die Finanzmarktakteure: S&P 500 und Nasdaq stürzen ab, Apple verliert 9,5%. Auch die deutschen Schlüsselbranchen Auto- und Maschinenbau sind stark betroffen. Sie hoffen auf neue Freihandelsabkommen mit Schwellenländern wie Indien.

Trumps Zölle sorgen für schwarzen Donnerstag

Trumps Zölle sorgen für schwarzen Donnerstag

Aktienkurse brechen global ein − Maschinenbau fordert neue Handelsabkommen

ku/kro/lz Frankfurt

Die Welt rätselt auch am Tag nach dem „Liberation Day“ über die langfristigen Ziele von Präsident Donald Trump. Kurzfristig hat die enorme Anhebung der US-Einfuhrzölle für Schockwellen an den internationalen Finanzmärkten gesorgt. Rund um den Globus brachen die Aktienmärkte ein. Der amerikanische Leitindex S&P 500 verlor im frühen US-Handel um 4%, der technologielastige Nasdaq Composite mehr als 5%. Allein die Aktie von Apple verlor zeitweise bis zu 9,5% an Wert. Der vorwiegend in Asien produzierende iPhone-Konzern büßte rund 300 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung ein.

Adidas brechen ein

Derweil rutschte der Dax um gut 3% unter die Marke von 21.800 Punkten ab. Schlusslicht im Index war Adidas mit einem prozentual zweistelligen Kursverlust. Der Euro, für den unmittelbar nach den US-Wahlen bereits mit einem Abrutschen auf Parität zum Greenback gerechnet worden war, kletterte ungewöhnlich stark um 2,5% auf 1,11 Dollar. Der Goldpreis markierte mit 3.168 Dollar je Unze ein Rekordhoch.

Schlüsselbranchen betroffen

In Deutschland dürften die Zölle wichtige Schlüsselbranchen wie den Auto- und den Maschinenbau hart treffen – für beide Sektoren sind die USA der größte Exportmarkt. Allein im Maschinenbau sehen sich rund 60% der Unternehmen von den neuen Regeln stark oder sehr stark betroffen, wie eine Umfrage des Branchenverbands VDMA ergeben hat. Die EU müsse als Antwort auf den US-Zollhammer nun mit allen wichtigen Partnern – auch jenen außerhalb der großen Blöcke wie China oder den USA – Freihandelsabkommen vorantreiben, sagt VDMA-Außenwirtschaftsexperte Ulrich Ackermann im Interview. Neben der Ratifizierung des Mercosur-Abkommens brauche es schnell ein Freihandelspakt mit Indien.

Rezession befürchtet

Die Probleme dürften auch auf die Gesamtwirtschaft durchschlagen. Das Ifo-Institut erwartet für Deutschland zunächst einen dauerhaften Rückgang des BIP um 0,3%. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer fürchtet, dass das Bruttoinlandsprodukt über zwei Jahre hinweg um insgesamt ein halbes Prozent niedriger ausfallen wird. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat errechnet, dass die Zusatzzölle Deutschland über die vierjährige Amtszeit von Trump rund 200 Mrd. Euro kosten könnten. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt läge dann 2028 um etwa anderthalb Prozent niedriger als ohne Zölle.

„Regimewechsel an den Märkten“

Allerdings könnte die US-Wirtschaft selbst am stärksten getroffen werden, sollte das Vertrauen in den Dollar als Weltwährung verloren gehen. George Saravelos, Devisenchef der Deutschen Bank in London, warnt vor einer „sich selbst erfüllenden Abkehr von extremen Übergewichtungen.“

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