Finanzmärkte

Trumps Zollpaket schockt die Märkte

Das Zollpaket von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag für reichlich Unruhe gesorgt. Besonders das Ausmaß sorgte für Schockwellen. Die Aktienmärkte weltweit gingen in die Knie. Der Goldpreis erreichte Rekordniveau, der Ölpreis stürzte ab.

Trumps Zollpaket schockt die Märkte

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Trumps Zollpaket schockt die Märkte

Die Aktienmärkte weltweit sind nach der Ankündigung von Donald Trumps drastischem Zollpaket in die Knie gegangen. In Deutschland rutschte der Dax deutlich unter die 22.000-Punkte Marke und fiel um 3% auf 21.717 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar. Auch der Euro Stoxx 50 gab satte 3,5% nach. Ebenso ergriffen die Anleger an der japanischen Börse die Flucht.

Trump hatte am Mittwoch beispiellose Zollerhöhungen auf Importe der USA per Dekret erlassen. Ab dem 5. April soll ein Basiszoll von 10% auf alle US-Importe gelten. Zudem kündigte der Republikaner noch höhere Zölle für einige der größten Handelspartner an, die am 9. April wirksam werden sollen. Für die Europäische Union sollen 20% gelten, für China sind sogar 34% vorgesehen. Marktteilnehmer hatten zwar mit neuen Zöllen Trumps gerechnet, ihr Ausmaß sendete am Donnerstag dann aber Schockwellen durch die Märkte. „Trump pokert hoch, die Börsen fallen tief“, resümierte Jochen Stanzl von CMC Markets. Aus Sicht von QC-Partners-Analyst Thomas Altmann rückt der US-Präsident „die Weltwirtschaft näher an den Abgrund heran“. Dieses Vorgehen werde weltweit Wachstum kosten, viele Staaten könnten in die Rezession rutschen. „Was als Handelskonflikt begonnen hat, hat sich spätestens mit den jetzigen US-Maßnahmen zum globalen Handelskrieg entwickelt“, sagte Altmann. Christian Subbe, Chief Investment Officer von HQ Trust, warnte: „Die Korrektur dürfte noch nicht beendet sein: Der aktuelle Konflikt sollte länger anhalten und immer wieder zu Verunsicherung an den Märkten führen. Aktien werden in den nächsten Wochen volatil bleiben.“ Für den Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater, vollzieht sich nun ein Umbau der Weltwirtschaft, aber kein Abbau. Große Wirtschaftsblöcke würden die internen Handels- und Produktionsprozesse intensivieren und untereinander bilaterale Handelsabkommen abschließen.

Sportartikelhersteller mit deutlichen Verlusten

Sportartikelhersteller sind besonders von den neuen Zöllen betroffen, da wichtige Produktionsländer wie Kambodscha, Vietnam, Bangladesch oder Indonesien mit Zöllen zwischen 32 und 49% belegt wurden. Im Dax brachen Adidas-Titel um über 11% ein und markierten den tiefsten Stand seit knapp einem Jahr. Puma-Papiere waren im MDax mit einem Abschlag von zeitweise 11,5% auf 20,24 Euro so billig wie seit fast neun Jahren nicht mehr. Die beiden Titel gehörten damit zu den größten Verlierern am Aktienmarkt. Auch die an der Frankfurter Börse notierten Aktien von Nike rutschten deutlich ab. Unter Druck gerieten am Donnerstag aber so ziemlich alle Branchen. Schwer traf es auch die Papiere von Autobauern und Chemiewerten, die sich jedoch im Tagesverlauf wieder etwas berappelten.

DHL Group reagierten mit Abschlägen von über 5% auf das US-Zollpaket. DHL-Chef Tobias Meyer rechnet mit einer zunehmenden Komplexität des Welthandels: „Die Handelsrouten werden sich verändern, und sie werden komplexer werden.“ Zu möglichen Auswirkungen auf die Ergebnisse von DHL gab sich der Manager zunächst abwartend.

Immobilien-Titel legen zu

Zu den wenigen Gewinnern am Aktienmarkt zählten bei fallenden Marktzinsen am Donnerstag Immobilienwerte. Vonovia verteuerten sich im Dax um über 7%. Im MDax lagen TAG, Deutsche Wohnen, Aroundtown und LEG auf den vorderen Plätzen. Die Titel des Immobilienfinanzierers Hypoport führten den SDax mit einem Aufschlag von fast 6% an. Auch Pharma-Aktien legten teilweise zu, weil Zölle für diese Branche vorübergehend nicht gelten sollen.

Unter die Räder gerieten dagegen die Titel vieler europäischer Luxusfirmen. Die Aktien des Cartier-Mutterkonzerns Richemont und des Uhrenkonzerns Swatch rutschten ab. Die Papiere des dänischen Schmuckherstellers Pandora brachen sogar zweistellig ein. Auch die Titel von Burberry und dem Gucci-Mutterkonzern Kering verbuchten Verluste.

Abschläge nach Siemens-Übernahme

Neben Trumps Zollpaket gab es wenig kurbewegende Nachrichten. Eine Ausnahme war Siemens. Der Dax-Konzern übernimmt den Anbieter von Forschungs- und Entwicklungssoftware im Bereich Life Sciences, Dotmatics. Der Kaufpreis liege bei 5,1 Mrd. Dollar. Die Übernahme sei sinnvoll, aber nicht billig, hieß es dazu von den Analysten der kanadischen Bank RBC. Die Siemens-Aktie verlor gut 8%. Laut Siemens-Finanzchef Ralf Thomas wird die Finanzierung der Übernahme „in erster Linie durch den Verkauf von Anteilen an börsennotierten Unternehmen, einschließlich Siemens Healthineers, erfolgen“. Auch die Healthineers-Papiere gaben daraufhin nach.

Goldpreis erreicht neuen Rekord

Die Ankündigung eines umfassenden Zollregimes mit hohen Abgaben auf Importe aus praktisch sämtlichen Ländern der Welt hat auch jenseits der Aktienmärkte für große Verunsicherung an den Finanzmärkten gesorgt. Anleger begaben sich in sichere Häfen. So erreichte der Goldpreis ein weiteres Rekordhoch von 3.167,57 Dollar je Barrel. Die Rally des gelben Metalls hat sich zuletzt noch einmal deutlich beschleunigt. Dem gegenüber gab Bitcoin weiter nach. Am Nachmittag notierte die wichtigste Kryptowährung zu 81.770 Dollar, ein Minus von 5%. Damit hat sich Bitcoin weit von seinem Allzeithoch kurz nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen von mehr als 106.000 Dollar entfernt.

Greenback gibt nach

Am Devisenmarkt geriet der Dollar kräftig unter Druck. Der Dollar-Index, der die Entwicklung der US-Devise gegenüber den Währungen der sechs wichtigsten Handelspartner misst, gab deutlich um mehr als 1% nach, ein für die Währung ungewöhnlich großer Tagesverlust. Der Euro erreichte in der Spitze 1,1144 Dollar, damit den höchsten Stand seit September vergangenen Jahres. Kurz nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten war damit gerechnet worden, dass der Euro bis zur Parität zum Dollar fallen könnte. Nun zeigt er sich sehr fest und der Dollar schwach.

Sorgen wegen der Stabilität des Dollar

Devisenanalyst George Saravelos von der Deutschen Bank schreibt in einem Kommentar, er sei zunehmend besorgt, dass es eine tiefgreifende Vertrauenskrise des Dollars geben könnte. Er verweist auf die Korrelation zwischen amerikanischen risikobehafteten Assets und dem Kurs des Greenback. Die Verluste europäischer Investoren mit amerikanischen Assets seien nun größer als während der Corona-Krise der Jahre 2022 und 2023. Die Position des Dollar als sicherer Hafen erodiere. Das bringe deutliche Belastungen für nicht währungssicherte Positionierungen im Dollar. Darüber hinaus bereite ihm Sorgen, dass das Vertrauen in die amerikanische Konjunkturentwicklung und die mittelfristige Attraktivität von Dollar-Allokationen unterminiert würde.

Damit drohe ein sich verstärkender Abbau der Übergewichtungen in US-Assets vom Investoren aus denjenigen Ländern, die in den vergangenen zehn Jahren Kapital in die USA exportiert hätten, so Saravelos. Da die USA ein großes Handelsbilanzdefizit hätten, sei die US-Währung für ihre Stabilität auf Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen. Die Kombination aus einem Fall des Dollars, Verlusten am US-Aktienmarkt und einem Anstieg der US-Renditen wäre ein starkes Signal dafür, dass sich der Rückzug internationaler Investoren aus den USA beschleunigt.

Renditen von Staatsanleihen geben nach

Am Bondmarkt gab die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen um 9 Basispunkte auf 2,639% nach. Mit einem Tagestief von 2,625% fiel sie zwischenzeitlich auf die niedrigsten Stand seit dem 4. März. Luis de Guindos, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, sagte, dass die ökonomischen Unsicherheiten extreme Vorsicht erforderten, weil die Handelsbarrieren die Inflation in beide Richtungen bewegen könnten. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries markierte mit ihrem Tagestief von 4,015% das niedrigste Niveau seit mehreren Monaten.

Ölpreis stürzt ab

Sehr stark unter Druck geriet der Ölpreis. Er stürzte um 7% auf 69,66 Dollar je Barrel ab. Dies ist der größte Tagesverlust seit August 2022. Händler sagten, es gebe nun verstärkt Rezessionssorgen wegen der Belastungen durch die neuen US-Zölle. Darüber hinaus wird am Markt davon ausgegangen, dass das Kartell Opec plus seine Förderung ausweiten wird. Die Analysten der schweizerischen Großbank UBS haben ihre Prognose für den Brent-Ölpreis 2025/26 um 3 Dollar auf 72 Dollar gesenkt.