Industrie sorgt für bessere Laune
Industrie sorgt für bessere Laune
Stimmung im Euroraum steigt stärker als erwartet – Frankreich und Deutschland schieben an
ba Frankfurt
Die Wirtschaft im Euroraum ist im Februar zwar nur geringfügig gewachsen, die Stimmung allerdings hat sich unerwartet deutlich aufgehellt. Allerdings ergibt die Erhebung der EU-Kommission ebenso wie die Einkaufsmanagerumfrage, dass nun auch Dienstleister merklichere Anzeichen der Schwäche zeigen.
Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hellt sich seit Jahresbeginn sukzessive weiter auf, im Februar sogar unerwartet deutlich. Allerdings ist die Erholung nicht breit basiert, sondern ruht allein auf den positiveren Einschätzungen der Industrie und der Verbraucher. Das Niveau ist aber immer noch niedrig. Auch die Aussichten für den Jobmarkt trüben sich ein.
Dennoch unterdurchschnittlich
Der Economic Sentiment Indicator (ESI) der EU-Kommission kletterte um 1,0 auf 96,3 Punkte, liegt damit aber weiter deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 100 Zählern. Ökonomen hatten zwar den zweiten Anstieg in Folge erwartet, jedoch nur einen neuen Zählerstand von 95,9 prognostiziert.
In der kriselnden Bauwirtschaft sank die Stimmung trotz der Zinssenkungen der EZB um 0,5 auf −3,5 Punkte. Die Hoffnungen der Branche ruhen auf weiteren Lockerungsschritten, in deren Folge die Finanzierungskonditionen attraktiver werden dürften. Eine Senkung in der nächsten EZB-Ratssitzung am kommenden Donnerstag gilt als gesetzt, Experten rechnen mit einer Größenordnung von 25 Basispunkten. Der Vertrauensindikator der Dienstleister gab im Februar nach drei Anstiegen in Folge nach, und zwar um 0,5 auf 6,2 Punkte. Der Stimmungsindikator des Einzelhandels stagnierte auf dem Vormonatsniveau von −5,3 Punkten.
Die Stimmung der Industrie kletterte um 0,7 auf −11,4 Punkte, nachdem sich die Produktionserwartungen verdoppelt haben und vollere Auftragsbücher erwartet werden. Auch der Teilindex der Exportaufträge legte zu. Bei den Verbrauchern erholte sich der Vertrauensindikator um 0,6 auf −13,6 Zähler. Obwohl die eigene finanzielle Situation in Gegenwart und Zukunft nahezu unverändert gesehen und entsprechend gespart wird, trauen sich die Konsumenten wieder an größere Anschaffungen. Auch machen sie sich weniger Sorgen um ihre Jobs.
Uneinigkeit bei Personalfragen
Mit Blick auf den Jobmarkt zeigt die Umfrage der EU-Kommission ein uneinheitliches Bild. So ist das Beschäftigungsbarometer der EU-Kommission, der Employment Expectations Indicator (EEI), für den Euroraum um 1,5 auf 97,0 Zähler gesunken und hat damit den Anstieg des Vormonats egalisiert. Der EEI für die EU fiel gleichfalls, nämlich um 1,2 auf 98,1 Punkte. Der Labour Hoarding Indicator (LHI) hingegen stieg um 0,3 auf 10,5 Punkte. Dieser misst für die 27 EU-Mitgliedsländer die Bereitschaft der Unternehmen, am Personal festzuhalten oder Jobs aufbauen zu wollen, obwohl sie mit einem geringeren Geschäft rechnen. Er liegt zudem weiter über dem langjährigen Schnitt von 9,7 Zählern, wohingegen der EEI sowohl für den Euroraum als auch die EU unter dem langjährigen Mittel von 100 Punkten bleibt.
Das unter europäischen Arbeitsmarktservices erhobene European Labour Market Barometer zeigt, dass in der EU immer noch die leicht pessimistischen Erwartungen überwiegen. Auch wenn der Indikator im Februar zum ersten Mal seit fünf Monaten gestiegen ist, und zwar um 0,3 auf 99,5 Punkte. Ursächlich dafür war allerdings die erstmalige Berücksichtigung Spaniens – ohne diesen Sonderfaktor wäre das Frühbarometer um 0,5 Punkte niedriger ausgefallen.
Südländer schwächeln
Unter den Euro-Schwergewichten verlief die Entwicklung ebenfalls uneinheitlich: So stieg der ESI in Frankreich (+2,3 Punkte), Deutschland (+1,2) und den Niederlanden (+0,8). Rückgänge verzeichnete die EU-Kommission in Italien (−0,4) und Spanien (−2,0).
Bericht zum Einkaufsmanagerindex: Politische Unsicherheit lastet auf Euro-Wirtschaft