Hyundai setzt Volkswagen unter Zugzwang
US-Autozölle
Volkswagen
unter Zugzwang
Von Sebastian Schmid
Weil der chinesische Automarkt für internationale Autobauer schwieriger wird, gewinnt der US-Markt an Bedeutung. Hyundai zeigt den Europäern hier seit Jahren, wie es geht.
Wer sich in diesen Tagen mit europäischen Automanagern unterhält, bekommt mit Blick auf die US-Zölle eher beruhigende als alarmierte Botschaften serviert. Man müsse sich für den freien Handel einsetzen und beispielsweise eine Abschaffung der Einfuhrzölle auf US-Autos in Europa anbieten, um dem polternden US-Präsidenten entgegenzukommen. Im Prinzip bereite man sich aber auf alles vor. Was heißt das? Kurzfristig wurden vor Einführung der angedrohten Zölle schon einmal mehr Fahrzeuge in die USA exportiert. Eine Strategie ist das nicht. Allenfalls eine Taktik zur Überbrückung temporärer Zollstreitigkeiten.
Taktisch kluge Koreaner
Hyundai geht derweil in die Offensive und kündigt ein gut 20 Mrd. Dollar schweres Investment in den USA an. Dabei spielt es erst einmal eine untergeordnete Rolle, dass Teile davon bereits in die erste Amtszeit von Donald Trump gefallen sind. Der auch im Inland stark kritisierte US-Präsident nimmt die Ankündigung dankend auf und sieht sich von den Koreanern in seiner aggressiven Zollpolitik bestätigt. Taktisch ist es clever, vor Verkündung der Einfuhrzölle auf Trump zuzugehen, um die individuelle Verhandlungsposition zu verbessern. Der reine Verweis auf bestehende Produktionskapazitäten im Land, wie ihn die deutschen Autobauer vorbringen, dürfte den Präsidenten, der am liebsten eigene Deals verkündet, kaum milde stimmen.
US-Offensive nötig
Wichtiger als die taktische ist die strategische Komponente. Der chinesische Automarkt war über Jahre hoch lukrativ. Mittlerweile sind Chinas Autobauer mit ihren E-Autos aber so wettbewerbsfähig, dass sie andere Anbieter rasant verdrängen. Angesichts von Strompreisen, die etwa einem Zehntel der hiesigen entsprechen, sind E-Autos für chinesische Käufer wirtschaftlicher als Verbrenner. Für deutsche Hersteller droht der Markt fast komplett wegzubrechen. Derweil dürfte der US-Markt chinesischen Anbietern verschlossen bleiben. Für internationale Volumenhersteller liegt hier eine Wachstumschance, die Hyundai seit Jahren erfolgreich nutzt. Gemessen daran ist Volkswagen zu zaghaft unterwegs. Seit gut einem Jahrzehnt tritt VW in den USA auf der Stelle. Angesichts des dahinschmelzenden China-Geschäfts müsste offensiver im US-Markt investiert werden – und zwar unabhängig davon, wie hoch Trump die Zollschranke ziehen wird.